Archiv für September 2009

Antisemit.

In einer Parteizeitung übt sich der Chefredakteur in einer Bewertung des II. Weltkriegs. Dort kommt der Chefredakteur zu folgenden Schlüssen:

1: „Die Folgen des 2. Weltkrieges waren wesentlich verheerender als die des 1. Weltkrieges, die ebenso sehr schrecklich waren.“

2: „Dem deutschen Großkapital und dessen Rüstungsindustrie stand diesmal das jüdische Kapital als Konkurrenz im Wege – und damit zugleich die gesamte jüdische Bevölkerung in Deutschland und in den von den Nazis eroberten Gebieten.“

Wer ist der Verantwortliche? Die Antwort gibt es im neuen Reflexion-Blog: Anklicken!

Ohne Worte.

Prinz Guido Westerwelle verweigert englisch-sprachigen Journalist_innen eine Antwort:

Das Video gibt es im neuen Reflexion-Blog: KLICK!

Antisemitische Veranstaltung verhindern.

Die Veranstaltung der „Arbeiterfotografie“ mit den Verschwörungstheoretikern der „Bandbreite“ sorgt für weitere Debatten. Neben dem bisherigen ersten Vorsitzenden des „Club Voltaire“, Andreas Waibel, der sich aufgrund eines kritischen Beitrags in diesem Blog zu Wort meldete, existiert nun auch ein Aufruf von verschiedenen linken und emanzipatorischen Gruppen, die den „Club Voltaire“ auffordern, die „Entscheidung die Band bei euch auftreten zu lassen zu überdenken und die gesamte Veranstaltung abzusagen.“ In dem Aufruf wird festgestellt, dass es keinen Raum für Sexismus, Antisemitismus, NS-Relativierung und die irrationale Verzerrung der Wirklichkeit“ geben sollte „– weder im ‚Club Voltaire‘, noch anderswo.“ Ansonsten rufen die Gruppen zur „friedlichen Blockade“ der Veranstaltung auf.


Diesen Aufruf, nebst einer Auseinandersetzung mit den Positionen der „Bandbreite“, gibt es hier als PDF.

Einen ausführlichen Beitrag zur „Bandbreite“ gibt es hier.

Stand: 7.10.2009.

Still not lovin‘ Germany.

„Voltaire“ und Israel.

Der Artikel über den Auftritt der verschwörungstheoretischen „Bandbreite“ und des Israel-Hassers Elias Davidsson am 09.10.2009 in den Räumlichkeiten des „Club Voltaire“ hat auch bei den Veranstalter_innen für Aufsehen gesorgt. So meldete sich Andreas Weibel, der erste Vorsitzende des „Club Voltaire“ aus Frankfurt zu Wort: „Leider muss ich Euch in der Kritik weitgehend zustimmen“ schrieb Weibel. Die Veranstaltung mit der „Bandbreite“ und Davidsson sei „auch intern unter den Club-Mitgliedern umstritten“.


Fak­si­mi­le des Ver­an­stal­tungs­hin­wei­ses auf den Sei­ten der „Ar­bei­ter­fo­to­gra­fie“.

In der Diskussion um den Auftritt der Band, die sowohl den Angriff auf Pearl Harbour als auch den Terroranschlag vom 11. September 2001 umdeutet und Elias Davidsson, habe es jedoch keine konstruktive Auseinandersetzung gegeben. Während Weibel dafür plädierte „dass der Club Voltaire als Mitveranstalter den Charakter der Veranstaltung so verändert, dass eine kritische Diskussion von Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Antiamerikanismus in den Texten der Musikgruppe und der Webseite der ‚Arbeiterfotografie‘ möglich“ sein würde, hätte die „Vorbereitungsgruppe“ einen anderen Standpunkt eingenommen und mit „mit Begriffen wie ‚Bauchgefühl‘ und ‚Klassenbewußtsein‘ argumentiert“. Dabei sieht sich Weibel „persönlich massiv angegriffen“ und es ging es zu wie in einer Seifenoper:

„Desweiteren wurde die gesamte interne Emaildiskussion hinter meinem Rücken an die ‚Arbeiterfotografie‘ beziehungsweise die ‚Bandbreite‘ weitergegeben.“


Die „Band­brei­te“ an­ders­wo: Mit Tho­mas Höfer und Sek­ten-​Füh­rer Ivo Sasek (v.l.n.r.) auf der Ta­gung der „An­ti­zen­sur Ko­ali­ti­on“.

Der erste Vorsitzende des „Club Voltaire“ bittet nun um eine Teilnahme bei der Veranstaltung:

„Bitte helft durch Eure Teilnahme mit, diese Veranstaltung so zu beeinflußen, dass Antisemitismus und Antiamerikanismus keine positive Resonanz in unserem Club finden.“
Das ist ein Anfang: Schließlich sind die Positionen der „Bandbreite“, mit ihren Verschwörungstheorien und ihrer Polemik gegen „Antideutsche“ beziehungsweise „Antinationale“, nicht zu debatieren sondern zu bekämpfen. Das gilt auch für politische Äußerungen a la Davidsson. Der vergleicht unter anderem „Hollywood“ mit dem „Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat von Ju­li­us Strei­cher“ und kommt zu dem Schluss, dass der Apparat des Antisemiten Streicher „als be­schei­den be­trach­tet wer­den“ könne, „ver­gli­chen mit dem Aus­maß des heu­ti­gen Pro­pa­gan­da­ap­pa­ra­tes gegen den Islam, der ganze Erd­tei­le über­deckt und von Hol­ly­wood un­ter­stützt wird.“ Solche Positionen überhaupt zu debatieren würde eine Legitimierung derartiger antisemitischer Klischees bedeuten. „Die Gruppe ‚Arbeiterfotografie‘“, schreibt Weibel, „verbreitet Verschwörungstheorien gegen den Volksaufstand im Iran und verteidigt das Regime von Ahmadinedschad. (…) Während unsere iranischen Genossinnen und Genossen im Iran im Gefängnis sitzen, gefoltert und vergewaltigt werden, leugnet die ‚Arbeiterfotografie‘ die Verbrechen und preist den iranischen Präsidenten als Vorkämpfer gegen den Rassismus und die ‚zionistische‘ Weltherrschaft.“


Konzert der „Bandbreite“.

Eine kritische Teilhabe wird angesichts solcher Positionen natürlich nicht ausreichen. Andreas Weibel ruft in seiner Funktion als Vorsitzender des „Club Voltaire“ dazu auf, „den Club Voltaire als Ort der Aufklärung und des Antifaschismus“ zu verteidigen.

Update: 29.9.2009: Hier war eigentlich ein Aufruf des ersten Vorsitzenden des „Club Voltaire“ dokumentiert. Dieser bat Reflexion nun, ihn wieder aus dem Netz zu nehmen. Dieser Bitte kommt Reflexion hiermit nach. Allerdings ist der Aufruf noch auf zahlreichen anderen Seiten im Netz zu entdecken. Der restliche Artikel bleibt – im Rahmen einer kritischen Dokumentation – bestehen.

Update: 6.10.2009: Die Internetseite „Merling.net“ vermeldet, dass der bis­he­ri­ge Vor­sit­zen­de des „Club Volta­ire“, An­dre­as Wai­b­el, wegen der „als an­ti­se­mi­tisch an­zu­se­hen­den Ver­an­stal­tung“ zu­rück­ge­tre­ten ist.

Einen ausführlichen Artikel zur „Bandbreite“ gibt es hier.

Einen Artikel über die „SteinbergRecherche“, die sich an einer Kampagne gegen Kritiker_innen der „Bandbreite“ beteiligt, gibt es hier.

„Bandbreite“ vs. Reflexion!

„Rechts über Bord.“

„Gegen Ende voriger Woche dämmerte es selbst der Piraten-Führung, dass die so gern beschworene vorurteilsfreie Offenheit gegenüber allen politischen Richtungen irgendwie auch bedeuten sollte, dass man nicht nur mit Rechten spricht. Und so rief man zwecks eines Ausgleichs im postideo­logischen Ping-Pong bei der Jungle World an und bat darum, interviewt zu werden. Vielleicht ist den Piraten immer noch nicht klar, wie glücklich sie darüber sein können, dass aus dem Gespräch mangels Interesse der Jungle World nichts wird. Denn bei der Basis, die schon die halbherzige Entschuldigung von Andreas Popp für sein Interview in der Jungen Freiheit mehrheitlich als Kapitulation vor dem unsäglichen Zeitgeist der political correctness empfand, hätte man sich gewiss empört, von den eigenen Helden in einem linken Blatt lesen zu müssen.“

Mehr zum Thema gibt es in der aktuellen Jungle-World.
Mehr Infos Thema „Piraten“ gibt es hier und hier.

Hofberichterstattung.

Es war der beste Auftritt seines Lebens. Zumindest wenn mensch der Medienberichterstattung glaubt: „DJ-Karl-Theodor hat es ordentlich krachen lassen“ lobt die „Bild“ – „Zeitung“. „AFP“ meldete bereits vorab, dass „KT“, wie er von Fans und Medien genannt wird, unter dem „sperrigen“ Namen „DJ Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg“ auf einer Open-Air Party des CDU Nachwuchses „Junge Union“ auftreten würde. Die „Financial Times“ hatte nach dem Auftritt ihren „DJ Feelgood“ gefunden und freute sich an der Aussicht, dass der jetzige Wirtschaftsminister „so lässig Sympathien bei den wichtigen Jungwählern“ sammeln würde. Die „Augsburger Nachrichten“ vermelden eine „fetzige Party“, während sich auch der „Donaukurier“ in Hofberichterstattung übt:

„Frenetischer Jubel brandete auf, als der ‚Baron der Herzen‘, als der der Freiherr aus dem Wahlkreis Kulmbach auch schon bezeichnet wurde, in Richtung Bühne marschierte“
Dort – nach dem Marsch – gen Bühne legte Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg dann auf. Wie das ausah sieht mensch hier:

Videos gibt es im neuen Reflexion-Blog: KLICK!

DeadSnow.

Der Horror Film „Dead Snow“ („Død snø“) zeigt keine stinknormalen Allerweltszombies, sondern schlimmere Wesen. Einige Wehrmmachtssoldaten einer Einsatzgruppe in Norwegen haben den II. Weltkrieg als Nazi-Zombies überlebt. Ausgerechnet eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus jungen Medizinstudent_innen tappt in die Nazi-Zombie-Falle. Denn als sie den Schatz entdecken, den die Wehrmachtssoldaten 1945 der norwegischen Bevölkerung geraubt haben, machen die Nazi-Zombies ihre Eigentumsrechte geltend.

Die ganze Filmkritik kann im neuen Reflexion-Blog gelesen werden: KLICK!

Abschiebungen verhindern.



Am 28. September steht in Düsseldorf die erste zentrale Sammelabschiebung von Roma in den Kosovo an. Auch der niedersächsische Innenminister drängt darauf die 4.000 Roma-Flüchtlinge aus seinem Standort-Gehege zügig abzuschieben. Die Abschiebung von vor Pogromen geflüchteten Menschen ist bereits Skandal genug; dass dabei Menschen betroffen sind, auf denen, auserkoren zur nationalen Verschiebungsfläche, fortgesetzt eine die Wirtsgemeinschaft schröpfende, pathogene Kollektivität projiziert wird, macht den Skandal zu einem spezifisch deutschen. Zur Erinnerung: Mehrere hunderttausend Roma und Sinti sind im deutschen Nationalsozialismus ermordet worden.
Der lesenswerte Blog „Cosmoproletarian Solidarity“ berichtet über eine geplante Massenabschiebung von Roma in den „Kosovo“ und ruft zur „Solidarität mit den betroffenden Roma“ auf. Diesem Aufruf kann ich mich nur nur anschließen. Mehr Infos gibt es hier.

Go West!

Bei einem Festakt mit Erika Steinbach und Innenminister Wolfgang Schäuble luden sich die Veranstalter_innen ihre Störer_innen selbst ein. Die Veranstaltung endete im Tumult. Aber seht selbst:

Hintergründe zum Pink Rabbit und zur Aktion gibt es hier.