Der zurückgetretene erste Vorsitzende des „Club Voltaire“, Andreas Weibel, meldet sich nun in einer öffentlichen Erklärung zu Wort, in der er noch einmal auf die Ereignisse rund um den Auftritt der „Bandbreite“ und des Verschwörungstheoretikers Elias Davidsson am Freitag, den 09. Oktober 2009, Stellung nimmt. Es sei „ungewöhnlich“, dass der „Vorsitzende des Trägervereins“ des „Club Voltaire“ zu „Protesten gegen eine Veranstaltung im eigenen Haus“ aufrufen würde, schreibt Weibel:
„Ich hätte mich geschämt, wenn ich zu dem, was am Freitag den 9.10.2009 im Club Voltaire in Frankfurt am Main geplant ist, einfach geschwiegen hätte. Antisemitismus und Verschwörungstheorien dürfen keinen Platz in einem linken Zentrum haben.“

Faksimile des Veranstaltungshinweises auf den Seiten der „Arbeiterfotografie“.
Weibel kritisiert den Umgang mit Kritiker_innen, die allesamt als „‚Antideutsche‘ diffamiert“ worden wären. Stellt sich die Frage was an der schönen Positionierung unter dem Label „Antideutsch“ denn zu kritisieren wäre und warum es möglich ist, dass Kritiker_innen der „Bandbreite“ das Label „Antideutsch“ als beleidigend empfinden.
Zurück zu Waibel. Der kritisiert an der „Arbeiterfotografie“, dass im „derzeitigen Bundesvorstand der Organisation eine antisemitische und reaktionäre Tendenz“ vorherrschend wäre. Das hätte dazu geführt, dass die „Homepage der Bundesorganisation“ zu einer Art Propaganda-Plattform gegen Israel mutierte. Waibel kritisiert außerdem die „Propagierung von bösartigen Verschwörungstheorien, die vielfach aus rechten Quellen stammen.“
Nach dem Waibel seine Kritik geäußert hatte sah er sich „massiven Beschimpfungen ausgesetzt“. So behaupteten sowohl „SteinbergRecherche“ als auch andere verschwörungstheoretische und „antizionistische“ Blogs, dass sich Waibel und die Kritiker_innen in der Tradition der Nazis bewegen würden (Screenshot). Der ehemalige „Linke“Jürgen Elässer hatte ihm und anderen Kritiker_innen sogar unterstellt eine Art neue SA darzustellen (Screenshot), während die „Bandbreite“ ihre Unterstützer_innen dazu aufgerufen hatte E-Mails an den „Club Voltaire“ und die „Linke“ in Frankfurt zu schreiben.
Dies sei geschehen, weil Waibel „gemeinsam mit anderen zu friedlichen Protesten“ aufruft. Verschiedene linke Gruppen aus Frankfurt und Umgebung rufen zur „friedlichen Blockade“ der „Bandbreite“-Veranstaltung auf. Weitere Informationen gibt es auf einer Sonderseite.

An dieser Stelle dokumentiert „Reflexion“ die persönliche Erklärung Andreas Waibels:
Vorsitzender des Club Voltaire tritt aus Protest zurück
Es ist ungewöhnlich, dass der Vorsitzende des Trägervereins eines politisch-kulturellen Zentrums zu Protesten gegen eine Veranstaltung im eigenen Haus aufruft. Aber ich hätte mich geschämt, wenn ich zu dem, was am Freitag den 9.10.2009 im Club Voltaire in Frankfurt am Main geplant ist, einfach geschwiegen hätte. Antisemitismus und Verschwörungstheorien dürfen keinen Platz in einem linken Zentrum haben. Gerade im Club Voltaire, der immer auch ein Ort einer linken jüdischen Kultur war, darf so etwas nicht stattfinden, schon gar nicht ohne deutliche Proteste.
Auf der Veranstaltung „‘Die Bandbreite’ und ‚Medien zwischen Realität und Scheinwelt‘“ am 9.Oktober 2009 soll die Musikgruppe „Die Bandbreite“ als Opfer einer von den Medien inszenierten Zensurkampagne dargestellt werden. Die Presse hatte zuvor mehrfach kritisch und in der Sache richtig über deren umstrittene Aussagen und Auftritte im Umfeld von rechtsesoterischen Verschwörungstheoretikern berichtet. Weiter soll die These propagiert werden, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 von den USA bzw. Israel „selbst gemacht“ wurden. Die Gesamtkonzeption der Veranstaltung lässt eine kritische Diskussion der kruden Verschwörungsthesen kaum zu. Der Club Voltaire ist Mitveranstalter und ist daher auch grundsätzlich für die Inhalte der Veranstaltung mitverantwortlich.
Der Hauptveranstalter, die Gruppe „Arbeiterfotografie“, ist eine traditionsreiche linke Organisation und die meisten Mitglieder sind ehrliche, engagierte linke Künstler und Journalisten. Aber dennoch hat sich offenbar im derzeitigen Bundesvorstand der Organisation eine antisemitische und reaktionäre Tendenz durchgesetzt. Die Homepage der Bundesorganisation wurde zu einem regelrechten Propagandaorgan gegen Israel, gegen den „Zionismus“ und für das Regime der Islamischen Republik Iran umfunktioniert. Dazu kommt die Propagierung von bösartigen Verschwörungstheorien, die vielfach aus rechten Quellen stammen. Selbst der verstorbene österreichische Rechtsaußen Jörg Haider wird politisch gerechtfertigt und als Mordopfer des Mossad dargestellt. Mit den eigentlichen Inhalten von „Arbeiterfotografie“ hat dies nichts mehr zu tun.
Mehrere Besucher und Freunde des Clubs haben in den letzten Wochen versucht den Vorstand zu überzeugen, die Veranstaltung abzusagen oder grundlegend umzugestalten. Die Mindestforderung war dabei, den Auftritt der Band abzusagen und stattdessen die Diskussion für Kritiker zu öffnen. Alle diese Einwände gegen die Veranstaltung wurden jedoch niemals ernsthaft geprüft. Stattdessen wurden die Kritiker als „Antideutsche“ diffamiert, die angeblich zu einer Diskussion sowieso nicht bereit seien.
Ich selbst sehe mich nun massiven Beschimpfungen ausgesetzt. Im Internet werde ich als Mitglied einer ‚Israel Lobby’ etikettiert und mir SA-Methoden unterstellt, weil ich gemeinsam mit anderen zu friedlichen Protesten aufrufe. In der Sache sehe ich mich dadurch bestätigt, rufe aber zur Besonnenheit auf. Ich hoffe, dass die Proteste und mein Rücktritt dazu beitragen, dass die Mitglieder von Club Voltaire und ‚Arbeiterfotografie’ eine klare Trennungslinie zu den fragwürdigen Inhalten und Personen aus der Verschwörungstheoretikerszene ziehen.

waibel-bericht über die proteste:
http://de.indymedia.org/2009/10/263008.shtml
in der kriminalistik fragt sich der kommissar: cui bonum? (wem nützt es?).
man könnt ja schon auf die idee verfallen, dass es interessen gäbe, die sich verletzbar wähnten, wenn die linke es am end hin bekäme, in deutschland was zu werden. und danach siehts ja ein bisschen aus derzeit.
angenommen also, man gehörte zu denen, denen ein grundsätzlicher wandel hierzulande garnicht in den kram passen würde …. dann
könnte man der unpassenderweise erstarkenden linken doch bequem beikommen, indem man eine ihr offenbar innewohnende schwäche nutzt:
sich speziell dann, wenns drauf ankommt in die haare zu kriegen. das hat sehr schön funktioniiert um 1933 und danach. dann wieder „68″ …also warum nicht wieder jetzt?
let’s face it: wir fordern das heraus. ansatzpunkte gibts halt – die linke ist ein heterogenes gebilde. das zeichnet uns aus und das macht uns zugleich anfällig.
ja, ich weiß, it’s just another verschwörungstheorie. ich will auch nichts anderes, als das wir die augen offen halten. niemand diffamieren. nur warnen
Der ist nicht zurückgetreten, der musste gehen weil er gegen linke Kräfte in geschichtsrevisionistischer Manier gehetzt hat und rechtsextreme Banden auf den Plan gerufen hat, um eine linke, antifaschistische Veranstaltung mittels Gewalt zu verhindern. Dafür hat er nun von wirklichen Linken die Rechnung bekommen und wurde rausgeschmissen. Alleine seine notorischen Lügen und seine lächerliche Darstellung der Ereignisse zeigt, mit was für einem Zeitgenossen man es hier zu tun hat. Ein willfähriger Knecht dummen Denkens. Gäbe es in der Partei Die Linke noch linke Mehrheiten, er würde hochkant rausfliegen, dieser elende Faschismus-Supporter!
@ Dennis:
Deine Darstellung entspricht nicht der Realität. Weder handelte es sich um eine „antifaschistische Veranstaltung“ noch wurde dazu aufgerufen, die Veranstaltung mit „Gewalt“ zu verhindern. Zumindest sind mir derartige Aufrufe nicht bekannt, ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Ansonsten entspricht dein Beitrag dem Niveau, mit dem aus dem Umfeld der „Gruppe Arbeiterfotografie“ gegen Kritiker_innen vorgegangen wird: Da ist nur stumpfe Hetze und auf Argrumente wird gar nicht erst eingegangen.