Hauen & Stechen.

Für Beobachter_innen unerwartet ist ein Hauen und Stechen zwischen zwei Verschwörungstheoretikern ausgebrochen. Auf der einen Seite steht der führende Kopf der „Volksinitiative“ („gegen das Finanzkapital“) Jürgen Elsässer (s. Foto). Ihm entgegen steht der ehemalige Karatekämpfer, aktuelle Verschwörungstheoretiker und Antizionist Jürgen Cain Külbel (o. Foto), der ansonsten viel Zeit damit verbringt, gegen unliebsame Kritiker_innen aus dem israelsolidarischen Spektrum vorzugehen (Screenshot).
Eigentlich sollten die beiden Jürgens ja Personen sein, die sich – aufgrund einer gemeinsamen politischen Positionierung – blendend verstehen. Doch zwischen ihnen ist eine politische Auseinandersetzung entbrannt, nachdem Jürgen Cain Külbel einige Querfront-Verstrickungen Jürgen Elsässers, auf den Internetseiten des „antizionistischen“ und verschwörungstheoretischen Magazins „Hintergrund“, kritisiert hatte (Screenshot). Dabei geht es nicht um die unsäglichen Positionen Elsässers, denn die werden von Külbel in keiner Weise hinterfragt oder gar einer Kritik unterzogen. Von seinen eigenen Verstrickungen in eine ganz bestimmte ideologische Richtung hatte Külbel ebenso geschwiegen.


Faksimile eines Interviews des antisemitischen „Muslim-Markt“ mit Jürgen I….


… Jürgen II im Interview mit dem selben Internetportal.

Ein Teil der „Linken“ kann sich mit Elsässers Positionen durchaus anfreunden. Sei es nun die „Rote Fahne“ des Stephan Seins, die Gruppe Arbeiterfotografie“ oder die sich irgendwie auch als „links“ verortende „Bandbreite“. Das ist ein Milieu von dem jener Jürgen Cain Külbel nicht zu trennen ist. So hatte er (zumindest in der Vergangenheit) im gleichen Verlag wie Elsässer publizierte und wird von diesem Verlag bis heute (!) als Autor geführt (Screenshot).
Ihre aktuelle „Kontroverse“ führen die beiden Jürgens auf dem Internetangebot von „Hintergrund“. Direkt neben den Texten des „Antizionisten“ Uri Avnery und noch direkter neben der Behauptung, dass die iranische Oppositionelle Neda das Opfer eines „verhaltensgestörten Einzeltäters“ oder „eines ausländischen Geheimdienstes“, aber auf keinen Fall von den Schergen des iranischen Regimes, gewesen sei, liefern sich die beiden Jürgens ihre Auseinandersetzung.
Anderswo prahlt Elsässer, dass er aufgrund Külbels „Recherchen gegen Imperialismus und Zionismus“, 2006 „dafür gesorgt“ habe, „dass er sein Buch ‚Mordakte Hariri‘ im Kai-Homilius-Verlag veröffentlichen konnte“. Außerdem habe er ihm ermöglicht in der „Jungen Welt“ zu veröffentlichen. Im „Kai-Homilius-Verlag“ und in der „Jungen Welt“ veröffentlichten beide „Journalisten“ einen Teil ihrer Pamphlete, bevor ihre Wege auseinandergingen. Aktuell erscheint im „Kai-Homilius-Verlag“ Elsässers Buchreihe „Compact“ und dort werden auch einige „Compact“ Videos vertrieben. Jürgen Cain Külbel veröffentlichte dort 2006 das erwähnte Buch, in dem wilde Verschwörungstheorien über die „dem Mammon verpflichteten US-amerikanischen und israelischen Gruppierungen“ propagiert werden.
In jenem „linken“ „Kai-Homilius-Verlag“ erscheinen auch „antizionistische“ Machwerke in schlechtester ML-Tradition. Außerdem jede Menge Verschwörungstheorien in Buchform: Dort wird zum Beispiel der Angriff auf Pearl Harbour umgedeutet (Screenshot). Natürlich dürfen auch die üblichen Verschwörungstheorien über den Anschlag vom 11. September 2001 nicht fehlen. Über die verlagseigene Internetseite werden aber auch die Filme der „NuoViso“ Filmproduktion des Frank Höfer vertrieben, der sich zum Beispiele für den angeblichen Zusammenhang zwischen „Kornkreisen“ und Aliens beziehungsweise dem angeblichen Zusammenahng zwischen dem 9.11.2001 und der US-Regierung interessiert (Screenshot).
Außerdem veröffentlicht im „Kai-Homilius-Verlag“ ein so eingefleischter Antikommunist wie Jan von Flocken, der vorher beim rechskonservativen „Focus“ publizierte. Bei seinen Bücher lässt schon der Titel erahnen, was dort verbreitet wird. Das Buch „Kriegerleben“ etwa, von dem noch zwei weitere Teile erschienen sind, beschreibt „große Feldherren der Weltgeschichte“. Die Zeitung „Das Parlament“ urteilt, dass Jan von Flocken die „kritische Distanz“ vollkommen „abhanden“ gekommen sei. Sein Werk erinnere eher an „an die Heldenverehrung vergangener Tage“. In seinem Buch, von dem noch zwei weitere Teile existieren, polemisiert Flocken gegen eine angebliche „Bigotterie der veröffentlichten US-Meinung“ während des 2. Weltkriegs und hallizuniert von „Kriegsverbrechen der US-Army“. Daher hat sich wahrscheinlich auch die „Junge Freiheit“ dem 2007 erschienenen Buch angenommen. Im „Buchdienst“ der rechten Wochenzeitschrift werden die Werke Jan von Flockens aus dem „Kai-Homilius-Verlag“ beworben: „Warum schämt sich unser Volk so inbrünstig seiner Geschichte? Daß es dafür keinen Grund gibt, beweisen die in diesem Buch aufgeführten historischen Tatsachen. Und diese Tatsachen reichen zuweilen schon aus, um wieder zur Normalität zurückzufinden“ heißt es in einer Werbung der „Jungen Freiheit“ zu einem weiteren Werk von Flockens, dass den Titel trägt: „Unser Tausendjähriges Reich. Politisch unkorrekte Streifzüge durch die Geschichte der Deutschen“. Dieses Buch ist sogar schon 2006 erschienen, also in dem Jahr in dem auch Külbel sein Machwerk veröffentlichte. Seine Texte veröffentlicht Flocke auch in der „Jungen Freiheit“. Einige dieser Artikel kann mensch „getrost als eine Arbeit der schriftstellerischen Anti-Antifa“ bezeichnen. Irgendwann 2007 hatte sich der „Kai-Homilius-Verlag“ sogar von Werbung, die in der „Jungen Freiheit“ geschaltet worden war, distanziert. Im Oktober 2009 werden die „Kai-Homulius“ Bücher des „Welt“ Autors Flocken auf der Internetseite der „Jungen Freiheit“ vertrieben.


„Kai-​Ho­mu­li­us“ Autor im „Buchdienst“ der rechten „Jungen Freiheit“.


Elsässer im Gespräch mit den Nationalist_innen von „Infokrieg.tv“

Külbel hat diese Verstrickungen in keiner Weise erwähnt. Ihm geht es lediglich um den nicht minder ekligen Umstand, dass Elsässers „Compact“ Logo auch auf einer Verlagsexternen-Videoreihe des „Schild Verlages“ prangt. Dort wurde auch Michael Friedrich Vogt interviewt, der wiederrum für für den geschichtsrevisionistischen Film „Geheimakte Hess“ die Verantwortung trägt. Dort wurde sich auf „plumpe Fälschungen“ berufen. Außerdem nennt „Redok“ den Filmemacher Vogt als Mitglied der eher inaktiven „Kontinent Europa Stiftung“ (KES) des DVU-Mäzen Patrick Brinkmann. Keine schönen Umstände. Aber es gäbe bessere Agrumente gegen Elsässer, dessen „Volksinitiative“ und deren politische Positionierung. Beispielsweise das Interview, dass Elsässer der Internetseite „Secret.tv“ gegeben hat und die vom Verschwörungstheoretiker und Geschichtsrevisionisten Jan Udo Holey geleitet wird. Fairerweise muss mensch Külbel zugestehen, dass er auch diesen Umstand benennt. Aber von Elsässer politischen Positionen ist nicht die Rede. Auch über sein Buch im „Kai-Homilius-Verlag“ legt er den Mantel des Schweigens. Ebenso schweigt er zu rechten Antikommunist_innen wie Jan von Flocken, der bereits 2001 (also fünf Jahre vor der Buch-Veröffentlichung Külbels) ein Buch im Verlag veröffentlicht hatte. Er war also schon zur Zeiten Külbels ein Stammautor. Külbel hätte also wissen können, wo und mit wem er veröffentlichte. Daher erscheint die Kritik Külbels auch nicht als notwendige antifaschistische Intervention gegen den Querfrontler Elsässer und dessen Verlag, sondern als ein Konflikt, bei dem es viel eher um einen Machtkampf im verschwörungstheoretischen Milieu geht.


Elsässer mit Alexander Benesch von „Infokrieg.tv“


… und im Gespräch mit der Konkurenz von „secret.tv“

Vielleicht ärgert sich Jürgen Elsässer deswegen so sehr, dass er seit Anfang der Woche ganze fünf Artikel veröffentlichte, in denen er sich über seinen verschwörungstheoretischen Konkurenten echauffierte. Natürlich ging Elsässer, wie es so seine Art ist, auf keine der Vorwürfe ein. Der mir bestimmt nicht symphatische Verschwörungstheoretiker Külbel wurde vom ebenso unsymphatischen Elsässer als „heisser Anwärter für den Joseph-Goebbels-Preis 2009″ gehandelt, der wiederrum Elsässer als „Kandidat für den Gladio-Preis 2009″ handelte und ihm – wegen der „Antideutschen“ - eine „Zwangsjacke“ empfahl. Da wollte Elsässer nicht zurückstehen und unterstellte Külbel ein „Schizo-Syndrom“ und „lechzte“ nach weiterer Auseinandersetzung (Screenshot). Fast verzweifelt fragte sich Elsässer:

„Merkt der Mann nicht, dass er an einem Ast sägt, auf dem er und ich gemeinsam sitzen?“
Leider läßt Külbel die interessierten Zuschauer_innen dieser Soap über diesen Umstand im unklaren. Ebenso bleibt im unklaren, warum Külbel in der letzten Woche über Elsässers Querfrontverbindungen herzog. In jedem Fall erscheinen diejenigen, die von den eigenen Verstrickungen schweigen, nicht an einer ehrlichen Auseinandersetzungen über die ideologische Querfront zwischen angeblichen „Linken“ und tatsächlichen Rechten interessiert.
Davon ab bietet das Hauen und Stechen zwischen Jürgen und Jürgen aber eine erfreuliche Abwechslung zum sonstigen Anti-Deutschen-Bashing. Mögen sie noch viel Zeit mit ihrem Kampf verschwenden.

Mehr Infos:

Mehr Infos über Jürgen Elsässer gibt es hier.

Die Netzwerker: Elsässer und das Infonetzwerk Thüringen.

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20 Antworten auf „Hauen & Stechen.“


  1. 1 MrBaracuda 28. Oktober 2009 um 13:44 Uhr

    oh ,oh ,oh!

    „Kai Hu­mi­li­us“ Au­tor-​Ver­trieb im „Buch­dienst“ der rech­ten „Jun­gen Frei­heit“.

    Autor-Vertrieb? Tz tz tz. :D

  2. 2 Administrator 28. Oktober 2009 um 13:46 Uhr

    Besser?

  3. 3 Entdinglichung 28. Oktober 2009 um 15:12 Uhr

    finde es gar nicht verwunderlich, dass sich die beiden Jürgens an die Gurgel gehen; bei egomanisch veranlagten Verschw­örungstheoretikern und stammtischlernden Wichtigtuern wie JE & JK ergibt es sich fast schon naturwüchsig, dass sie sich in bester Nachbarschafts- und Schrebergarten-Querulantenmanier an die Gurgel gehen und „Angriffsversuche“ auf sich selbst herbeihalluzinieren, derartiges wirkt bei diesen Gestalten identitätsstiftend und -bildend

  4. 4 Administrator 28. Oktober 2009 um 16:15 Uhr

    @ Endlichung.

    Ich geb‘ dir da Recht. Mich verwundert allerdings nach wie vor die Kombination (Jürgen vs Jürgen). Ich hätte da eher andere Kontrahent_innen (Etwa „Alles Schall und Rauch“ gegen Elsässer, aber das ist reine Spekulation) erwartet…

  5. 5 MrBaracuda 28. Oktober 2009 um 18:34 Uhr

    Wieso Schwachsinn und Rauch gegen Elsässer? Was meinste, wer einen Teil des Fußvolks für die putzige Demonstration gegen die EU gestellt hat und sich in den Wagen zu Elsässer, Hörstel und anderen Spinnern von BüSo und ödp gekuschelt hat? Genau, der Freakman.

  6. 6 Administrator 29. Oktober 2009 um 15:41 Uhr

    Kuckst du hier. Hab ich drüber geschrieben (Klick).

  7. 7 Felix Staratschek 25. März 2010 um 23:36 Uhr

    Akut gibt es bei der ÖDP- NRW ein Hauen und Stechen.
    http://sites.google.com/site/oekoradevormwald/wahlen/radikale

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  2. 2 Die Finanziers? « Reflexion Pingback am 16. November 2009 um 14:10 Uhr
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