Archiv für November 2009

„Zeitgeist“. Eine Kritik.

„Zeitgeist“ ist ein Film, über den Menschen, die die historischen Tatsachen des 11. September 2001 in Frage stellen, mit leuchtenden Augen sprechen. Dabei nimmt die Darstellung des 11. September 2001 nur einen Teil des Films ein, denn es wird sich mit verschiedenen Themen beschäftigt und ein Bild der Welt entworfen, bei dem Puppenspieler_innen die Entwicklung der Welt steuern und beeinflussen…

Die ausführliche Kritik des ersten Zeitgeist-Films, in der zahlreiche Fehler, Verdrehungen und Lügen benannt werden, findet sich im neuen Reflexion-Blog: KLICK!

Preisfrage.

Was war das wohl für eine Aktion, bei der ein Mensch ein „Wir sind das Volk“-Schild benutzte?

Die Auflösung gibt es beim Klick auf (mehr…)

Comicnism.

Der „Verfassungsschutz NRW“ hat einen Comic herausgebracht, in dem das Abrutschen eines Jugendlichen, namens Ben, in die „linke Szene“ geschildert wird:

„Am Ende sind alle geschockt, was aus Bens guten Absichten wird: bei einer Demonstration gegen Rechtsextremisten sieht Ben die Zerstörungswut von militanten Linksextremisten und erkennt, dass dies nicht der richtige Weg sein kann.“
Das Abrutschen beginnt auf einem Konzert in einem autonomen Zentrum, bei der eine Band namens „Anti Alles“ auftritt. Dort trifft Ben auf seinen alten Freund „Randale“ (!) und dessen jüngere Schwester Nele. In der gleichen Nacht beteiligt sich Ben, gegen den Willen seines Freundes und Musterdemokraten Andi, an nächtlichen Spray-Aktionen gegen das „Schweinesystem“.

Erst der Widerstand gegen einen Naziaufmarsch in Bens und Andis Stadt sorgt dafür, dass sich Ben von den Autonomen abwendet.

„Randale und Nele gehören zu einer Gruppe, die aus politischen Gründen gewalttätig ist und Steine wirft. Und sie denken sogar, dass sie damit für eine gerechte Sache einstehen. Das Resultat ist aber, dass der Kiosk abbrennt und der Kioskbesitzer, der sonst immer ein kühles Getränk für Andi und die Freunde hatte, seine Existenz verliert.“
Als dieser Kiosk abgefackelt wird, wendet sich Ben von der „linken Szene“ ab und spielt lieber Basketball mit seinen „richtigen“ Freund_innen. Er schafft den Absprung und wird nie wieder „Anti-Alles“ Konzerte im autonomen Zentrum sehen. Zwischendurch verklärt der Comic, dessen Stil an „Pokemon“ oder andere Mangas erinnert, auch noch die Welt: Nazis und Antifaschist_innen sind zwei Seiten einer Medaillie: „Die reden den gleichen Quark und aussehen tun sie auch gleich“. So wird die moderne Gleichsetzung betrieben. Am Ende des Comics gibt es einen Überblick über das, was mensch „schon immer über Linksextremismus wissen wollte“. Dort werden auch die „Antideutschen“ beleuchtet. Deren „Standpunkt und das provokante Auftreten der Antideutschen (…) führte bereits zur Spaltung linker Gruppen und sogar zu Schlägereien“. Wenigstens hier werden einige Menschen dem Comic beipflichten.

Den Comic kann mensch bei Indymedia herunterladen (Rechtsklick, Ziel speichern unter…).

Einen weiteren Artikel nebst Remix gibt es hier.

Der Aufmarsch.

Die für Ende November geplante gemeinsame Sitzung der israelischen und deutschen Regierung in Berlin erregt den Unmut der „antizionistischen“ Bandenführer. Auf der einen Seite erregte sich die Nazi-Seite „National-Journal“, deren unverhohlener Antisemitismus an den Jargon eines Julius Streichers erinnert. Dort wird behauptet, dass „Deutschland dem Anschein nach der neue Judenstaat werden“ soll. So zumindest die Antisemit_innen von Rechts: „Die Probesitzungen des israelischen Parlaments in Berlin sind die ersten Anzeichen dafür“. Auf der anderen Seite erregt sich der Anti-Anti-Deutsche Jürgen Elsässer, der seine „Volksinitiative“ zum Aufmarsch der Israel-Hasser_innen mobilisieren möchte und der Begründer der Organisation „Neue Mitte“, Christoph Hörstel.


12. Sep­tem­ber 2009: Ordner des „Al-Quds“-Aufmarsch in Berlin.

Organisiert wird der Aufmarsch gegen Israel von den Organisator_innen der „Al Quds-Initiative“, die einmal im Jahr einen antisemitischen Marsch in Berlin veranstalten. Der Aufmarsch gegen Israel soll, nach dem Willen der Bandenführer, am gleichen Tag wie die Regierungsitzung in Berlin stattfinden. Für den 30. November mobilisieren sie nach Berlin: „Die Verhandlungen mit der Polizei und den Meldebehörden über den genauen Ort bzw.die Route laufen“ schreibt Jürgen Elsässer.
Ein weiterer Mensch, der zum Aufmarsch mobilisiert, ist Detlef Nolde (vormals Detlef Cholewa). Das ehemalige Mitglied der verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) saß bis Ende 1999 wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung sowie der Beteiligung an einer Schlägerei in Knast. Bei dieser „Schlägerei“ waren zwei Neonazis durch Messerstiche getötet worden. Bis vor einigen Monaten war Nolde Mitglied der „Deutschen Volkunion“ (DVU). Er ist ein fanatischer Antisemit. Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum der Antisemit Nolde in seinem Blog die Texte des Israel-Hassers Elsässers verbreitet (Screenshot). Am 30. November wollen Elsässer, Nolde, Hörstel und die anderen Bandenführer ihren Aufmarsch in Berlin durchführen. Es bleibt abzuwarten in welcher Form ihnen Widerstand entgegenschlagen wird.

Ste­phan Haube (als Ver­tre­tung für El­säs­ser) spricht für die „Volks­in­itia­ti­ve“ auf dem an­ti­se­mi­ti­schen „Al Quds“ Auf­marsch in Ber­lin (12. Sep­tem­ber 2009).


Detlev Nolde (rechts) fordert „Freiheit“ für den Holocaust-Leugner Ernst Zündel.

Einen Bericht zum Aufmarsch gibt es hier.

Ortswechsel.

Der groß angekündige „2. geopolitische Kongress“ zu Gera, der am 20. Dezember 2009 stattfinden soll, hat mit Problemen zu kämpfen. Eigentlich wollten die Verschwörungstheoretiker_innen im „Volkshaus“ zu Gera tagen. Doch die Lokalität steht den Organisator_innen, um das „Infonetzwerk Gera“, nicht mehr zur Verfügung.
Nun mobilisieren die Organisator_innen in eine andere Lokalität. Der Kongress soll im „Gast und Speisehaus Heinrichsbrücke“ in Gera stattfinden. Dort dominiert die „veraltete Einrichtung“. Ein Besucher urteilt: „Die Speisen waren lieblos angerichtet, mit Salz wurde nicht gespart(jedoch mit speisenmenge) Das nächste mal gehen wir lieber in eine Kantine essen!“ Als Redner_innen werden unter anderem der Anti-Anti-Deutsche Jürgen Elsässer und der „Impfgegner“ Hans Tolzin, der unter anderem die Existenz von HIV leugnete, erwartet. Für die Musik wird die „Bandbreite“ sorgen. Aber vielleicht kommt alles noch ganz anders und statt dem Essen wird der Kongress der Verschwörungstheoretiker_innen versalzen.

2012. Eine Kritik.

Roland Emmerich, bekannt durch Blockbuster wie „Independence Day“ oder „Stargate“, katapultiert die Zuschauer_innen in seinem neuesten Werk „2012″ in ein zweistündiges Krach-Spektakel bei dem die Erde (fast) untergeht. Dabei nutzt Emerich die bei Verschwörungstheoretiker_innen beliebte Theorie rund um den Maja-Kalender, der angeblich besagt, dass am 21. beziehungsweise 23. Dezember 2012 die Erde durch eine besondere Planetenkonstalation untergehen würde. Genau so geschieht es im Film.

Die komplette Filmkritik gibt es im neuen Reflexion-Blog: KLICK!

Unmöglich machen.

Am Sonntag, den 25.10.2009, verhinderten Antisemit_innen gewaltsam eine vom Hamburger Programmkino „b-movie“ und der Gruppe Kritikmaximierung geplante Vorführung von Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“:

„Mitglieder des ‚Internationalen Zentrums‘ B5, der Gruppe ‚Sozialistische Linke‘ (SoL) und der ‚Tierrechtsaktion Nord‘ (TAN), die sich mit Mundschutz und Quarzsandhandschuhen auf eine körperliche Auseinandersetzung vorbereitet hatten, verweigerten den Gästen den Zugang ins Kino. Besucherinnen und Besucher wurden dabei gezielt ins Gesicht geschlagen und als ‚Schwuchteln‘ und ‚Judenschweine‘ beschimpft. Auch in den Tagen darauf wurden Gäste, die von Blockadebeteiligten auf der Straße wiedererkannt wurden, bedroht und, in mindestens einem Fall, auch tätlich angegriffen“
.
Aufkleber: Sie schlagen sich durch…

„Reflexion“ hatte hier und hier über die antisemitischen Übergriffe berichtet. Nun hat sich ein „Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“ gegründet. Dieses Bündnis möchte die Angreifer_innen politisch isolieren und „eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels (…) verunmöglichen“. Daher ruft das Bündnis am Tag der Neuansetzung von „Warum Israel“ zu einer Demonstration auf. Im Bündnis haben sich nicht nur antifaschistische, emanzipatorische und kommunistische Gruppen zusammengefunden, sondern auch Bands wie „Juri Gagarin“, „Tocotronic“ und „Das Bierbeben“. Mehr Informationen gibt es hier.
Einen weiteren lesenswerten Aufruf gibt es bei „Cosmoproletarian Solidarity“ zu lesen: „Für Israel und den Frieden, für den Kommunismus.“

13.12.2009 # Auftaktkundgebung: 13.30 vor der Roten Flora # Abschlusskundgebung: 15.00 vor dem B-Movie

Rote Brigaden.

Mehr Infos zum Thema gibt es hier und hier.

„Es ist Antisemitismus“

nullNach den Übergriffen am 25. Oktober 2009, vor einer Filmvorführung der Dokumentation „Warum Israel“, in Hamburg kochten die Emotionen. So meldeten sich die Angreifer_innen zu Wort und verteidigten ihre Aktion gegen die Kino-Besucher_innen. Die „Antizionist_innen“ aus dem Umfeld des „antiimperialistischen“ Zentrums B5 hatten „einen israelischen Checkpoint“ nachgebaut und die Kinobesucher_innen am betreten des Kinos gehindert. Dort gingen die Kämpfer_innen gegen „den US-/Deutsch-Imperialismus“ dann gewaltsam gegen Kinobesucher_innen vor und versuchten den Film des Shoa-Überlebenden und Regisseurs Claude Lanzmann zu verhindern. Ein Augenzeuge berichtet bei „Spiegel Online“:

„‚Die Blockierer schrien: Ihr Judenschweine!‘ Er habe zurückgerufen: ‚Jetzt sagt ihr endlich, was ihr denkt.‘ Daraufhin hätten die antiisraelischen Demonstranten losgeschlagen: ‚Es waren etwa 30 bis 40 Angreifer zwischen etwa 16 und 70 Jahren. Ein älterer Herr ist mit dem Gürtel auf mich losgegangen.‘ Die Leute, die Lanzmanns Film sehen wollten, so berichtet K. in Übereinstimmung mit anderen Augenzeugen, seien geschlagen und bespuckt worden.“
Auch Claude Lanzmann meldet sich nun bei „Spiegel-Online“ zu Wort: „Sie nennen es Antizionismus, aber es ist Antisemitismus“ sagt er im Gespräch und verweist darauf, dass noch nie einer seiner Filme verhindert worden sei. Nun ist es passiert. In Deutschland: „Die Deutschen dürfen nie wieder als Herren auftreten“ meint Lanzmann. Es ist klar worauf er anspielt: Zum Repertoire der Nationalsozialisten gehörten in den frühen dreißiger Jahren auch Blockadeaktionen gegen „verjudete“ Filme.

Nun hat sich ein „Bündnis gegen Hamburger Unzulämglichkeiten“ gegründet. Mehr Informationen gibt es hier.

Der Impfgegner.

Am 20. Dezember 2009 wollen so genannte „Infokrieger“ um das „Infonetzwerk Gera“, beziehungsweise das „Infonetzwerk Thüringen“, einen Kongress in Gera veranstalten. Auf den In­ter­net­sei­ten der „Infokrieger“ wer­den Reden des An­ti­se­mi­ten Ah­ma­dined­schad als Vi­de­os zur Ver­fü­gung ge­stellt. Eine Ru­brik ist der „BRD-​Gmbh“ ge­wid­met. Dort wird der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, im Jar­gon der selbst er­nann­ten „Kom­mi­sa­ri­schen Reichs­re­gie­run­gen“, die Exis­tenz­be­rech­ti­gung ab­ge­spro­chen.
Im „Infonetzwerk Thüringen“ ist auch ein Aktivist der NPD Jena aktiv. „Reflexion“ hatte über dieses Thema berichtet. Neben dem Anti-Anti-Deutschen Jürgen Elsässer und dessen „Volksinitiative“ („gegen das Finanzkapital“) werden einige Referenten erwartet, die deutlich machen, was für Theorien in Gera propagiert werden sollen.
Da wäre zum Beispiel Hans Tolzin (ohne Foto), der sich selbst als „Journalist“ bezeichnet. Im Rahmen dieser Tätigkeit propagierte Tolzin die „Heilbarkeit“ der Homosexualität und leugnete die Existenz krankmachender Infektionserreger, so zum Beispiel den HI-Virus. Tolzin bezeichnet sich selbst als „totalen Impfgegner“ und gibt Pamphlete gegen das Impfen heraus.
Trotz dem oder deswegen hat es Tolzin auch ins „Morgenmagazin“ der ARD geschafft. Dort wurde er am 6. August 2009 als kritischer „Experte“ zur Schweinegrippeimpfung interviewt. Die Existenz des Autismus führte der umtriebige und selbst ernannte Experte ebenso auf das „Impfen“ zurück, obwohl wissenschaftliche Analysen solch einen Zusammenhang verneinen.Am 20. Dezember 2009 wird Tolzin nicht im „Morgenmagazin“ der ARD, sehr wohl aber auf dem „Kongress“ des „Infonetzwerks“ auftreten.
Seine Motivation hat Tolzin des öfteren benannt: „Ich hatte meine Umwelt als Kind als ziemlich lebensfeindlich erlebt, mich selber als vollkommen überflüssig und sinnlos, so dass ich mich in grandiose Fantasien flüchtete, um zu überleben. Davon ist immer noch ein kleines Stück in mir“. Genau solch „grandiose Phantasien“ wird Tolzin auch am 20. Dezember 2009 als Realität verkaufen. Ob er vor oder nach dem Volkstümler Elsässer sprechen wird, ist noch nicht bekannt. Am späteren Abend werden aber in jedem Fall die Verschwörungsfanatiker, Vergewaltigungsphantasten und Sexisten der „Bandbreite“ ihren nächsten Auftritt über die Bühne bringen: Mensch darf gespannt sein ob Tolzin und Elsässer tanzen werden.


Faksimile der Veranstaltungswerbung auf den Seiten des „Infonetzwerks Gera“.

Der Kongress wird nicht mehr im „Volkshaus“ Gera stattfinden. Infos gibt es hier.

Hans Tolzin wird nicht mehr als Redner auftreten. Mehr Informationen gibt es hier.

Einen Überblick nebst Presseerklärung der „Antifaschistischen Aktion Gera“ [aag] gibt es hier.