Verblendung.

„Verblendung“ (Im Original: „Män som hatar kvinnor“ bzw. „Männer die Frauen hassen“) heißt der erste Teil einer Romanverfilmung der „Millennium-Trilogie“ des verstorbenen Expo-Herausgebers Stig Larson. Vor seinem Tod (2004) hatte Larson drei Romane fertig gestellt, die zu einem internationalen Erfolg avancierten.
Mit der Verfilmung des ersten Romanes hat der Journalist Mikail Blomkvist (der auch „Kalle“ genannt wird) zu erst den Sprung auf die Kinoleinwände und dann auf eine DVD geschafft. Der Film deutet dessen journalistischen Werdegang als Konzern-Kritiker der Zeitung „Millienium“ in sozialdemokratischer Tradition lediglich an. Aber auch so wird deutlich, dass wir es mit einer Art alter Ego des Stig Larson zu tun haben: „Ein Alter Ego, der er vielleicht sein wollte. Mikael ist sehr schlau, er hat viele Frauen, er ist sehr respektiert und berühmt. Er ist eine Art Traumcharakter“ sagt der Hauptdarsteller Michael Nyqvist. Die Hauptfigur entspricht dem, was sich viele Männer von einer bürgerlichen Gesellschaft versprechen: Wirtschaftlichen Erfolg und weiblichen Besitz.

Schlau&berühmt: „Kalle“ Blomkvist

Schnell wird klar: Hier haben wir es mit einem namenhaften Helden zu tun, der gegen die Konzerne und ihre Machenschaften in den journalistischen Kampf zieht. In Deutschland würden solche Personen im Wirtschaftsteil der Taz ihr Überleben organisieren. Im Film ist Blomkvist (Michael Nyqvist) für die Zeitschrift „Millinium“ aktiv. Als er einen Prozess verliert entscheidet er sich einen Auftrag aus der Industriellenfamilien Vanger anzunehmen. Blomkvist wird von Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) beauftragt, dass Schicksal seiner jungen Nichte Harriet aufzuklären. Die ist in den 60′er Jahren des letzten Jahrhunderts verschwunden. Seitdem bekommt Henrik Vanger einmal im Jahr eine getrocknete Blume geschickt. Henrik Wanger glaubt, dass nur der Mörder die Blume verschickt haben könnte. Blomkvist begibt sich auf seiner Suche nach dem Mörder auf die verschneite Insel Insel Hedeby, auf der die Familie Vanger in aller Abgeschiedenheit lebt. Dort begibt sich Blomkvist auf die Reise in eine ferne Vergangenheit und trifft auf einem Familienclan, in dem der Antisemitismus der dreissiger Jahre noch immer lebendig ist. Die älteren Mitglieder des Familienclans waren überzeugte Nationalsozialisten. Im Verlauf des Film stößt Blomkvist auf eine dunkle Familiengeschichte hinter der Fassade der reichen Bürgerlichkeit.
Blomquist zur Seite steht die junge Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace, s. Foto). Deren militante Gegenwehr gegen ihren vergewaltigenden Vormund ist sehenswert dargestellt. Lisbeth zeichnet dieses bestialische Individium im Verlauf des Films unter anderem mit einem Lötkolben.

Doch die Familiengeschichte des Vanger-Clans zeigt noch eine viel dunklere Kontinuität, der im Film ein Ende bereitet wird. Das alles ist durchaus sehenswert inszeniert, auch wenn viele Seiten des Buches auf wenige Sekunden zusammengekürzt werden. So werden viele Handlungsstränge des Buches lediglich angedeutet. Aber ansonsten würde der Film, der sich nicht durch Kürze auszeichnet, auch nervige Überlänge erreichen. Anderseits wurde auf diese Art und Weise ein Film geschaffen, der durch einige Brüche und willkürliche Handlungssprünge an Qualität verliert. Natürlich ist „Verblendung“ trotzdem kein Film den mensch ignorieren sollte. Aus der durchschnittlichen Krimi und Thriller Film-Kost sticht „Verblendung“ deutlich heraus. Es lohnt sich die ganze Geschichte des Films zu erfahren.


Regie: Niels Arden Oplev. Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg, Stieg Larsson. Hauptdarsteller_innen: Michael Nyqvist, Peter Haber, Noomi Rapace, Sven-Bertil Taube, Peter Andersso. Schweden 2009.

Einen Artikel über den zweiten Teil der „Millenium“-Trilogie gibt es hier.

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