Archiv für Januar 2010

Rechtfertigungen.


Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, bis sich die Band „Die Bandbreite“ über ihren Auftritt im „Club Voltaire“ in Frankfurt äußerte. „Die Bandbreite“ bezeichnet sich selbst als „die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on des Po­lit-​Pop“. In ihren Liedern finden sich Verschwörungstheorien, Homophobie und plumper Sexismus.

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„Piraten“ vs. „Antifa“.

Über die rechten Tendenzen einiger „Piraten“ wurde in diesem Blog bereits des Öfteren berichtet. Nun gibt es, anläßlich des geplanten Nazi-Aufmarsches in Dresden, eine eigentlich sinnvolle Presseerklärung, in der die „Piraten“ dazu aufrufen, sich „ausdrücklich zur Gegendemonstration, zu Kundgebungen und Mahnwachen“ zusammenzufinden. Diese „Presseerklärung“ wird durch einen Kommentar ihres Pressesprechers, Simon Lange, ad absurdum geführt, der tatsächlich wohl lieber gegen die Antifaschist_innen demonstrieren würde: „Wenn es eine Demo gegen die ANTIFA gäbe wäre ich genauso dabei wie bei einer Demo gegen die NPD“ schreibt der „Pressesprecher“ in einem Kommentar, bei dem er „ganz bewusst NICHT“ vergleichen wollte, aber die Feststellung traf: “ Die totalitären Bestrebungen sind gleich!“. Wenn es nun eine Demonstration gegen die „Piraten“ geben würde, wäre ich wahrscheinlich „genauso dabei“, wie „bei einer Demo gegen die NPD“. Zumindest ein antifaschistischer Hausbesuch beim „Pressesprecher“ sollte doch möglich sein!

(Via Dissonanz)

Der verkürzte Schwur.


Immer wieder berufen sich verschiedene linke Gruppen auf den „Schwur von Buchenwald“. Nach der Befreiung des Konzentrationslagers am 11. April 1945 verfassten die Überlebenden diesen Schwur, der vor 21.000 ehemaligen Gefangenen verlesen wurde: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig“ heißt es im Schwur. Nach dem Verlesen des „Schwures von Buchenwald“ erhoben die Häftlinge ihre Arme und sprachen: „Wir schwören“.

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Doofe Deutsche – IV.

In der unregelmäßigen Reihe der „doofen Deutschen“ präsentiere ich ein ganz besonderes Exemplar dieser Spezies. Dieses possierliche Exemplar versucht sich in einer Art Sprechgesang in seiner heimischen Umgebung. Dabei verbindet er, recht typisch für einen stolzen, doofen Deutschen, rassistische Hetze mit nationalsozialistischen Grußbotschaften. Technisch bewegt er sich auf dem Niveau, dass mensch aus „Deutschland sucht den Superstar“ und den anderen Shows, in denen Stars produziert werden, kennt. Mensch beachte außerdem die gewagten Tanzeinlagen und die beachtliche Kameraführung. Seht selbst: Anschauen auf eigene Gefahr!

Das Video kann man im neuen Reflexion-Blog bestaunen: KLICK!

Die Insel.

Am 12. Januar 2010 erschütterte ein schweres Erdbeben den südlichen Teil Haitis. Es starben mehr als 100.000 Menschen. Grosse Teile der Infrastruktur wurden komplett zerstört. Hunderttausende Menschen sind obdachlos. Während die Hungerkatastrophe auf Haiti in den Jahren zuvor keine internationale Aufmerksamkeit hervorgerufen hatten, kam es nach dem Erdbeben zu einer Welle der internationalen Hilfsbereitschaft. So sendeten verschiedene Länder, unter ihnen Cuba, Venezuela, die USA, Deutschland und Israel, Ärzte und Hilfsteams in das Katastrophengebiet. Der Schauspieler John Travolta flog mit seinem Flugzeug Hilfslieferungen und Scientolog_innen auf die Insel. Die USA schickten Soldat_innen, die den Flughafen und andere Objekte der Insel kontrollieren. Diesen „Wettbewerb der Helfer“ nennt Jörn Schulz in der „Jungle World“ nicht zu Unrecht die „Stunde der Heuchler“. Haiti zählt zu den so genannten „Failed States“ und stand die letzten sechs Jahre faktisch unter Kontrolle der Vereinten Nationen. 7000 Soldat_innen und 2000 Polizist_innen sollten für eine stabile Entwicklung sorgen. Doch faktisch existierte in Haiti eine Elendsverwaltung durch eine korrupte Oligarchie, die sich rechtsextremer Milizen bediente, um ihre Ziele durchzusetzen.

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„Keine Versöhnung mit Deutschland“


Mehr Infos gibt es hier.

Die Theorien des Kolumnisten.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Verschwörungstheorien lediglich am Rande der Gesellschaft existieren. Das beweist auch die Ausgabe des „Focus Money“ vom 05.01.2010. „Focus Money“ ist ein Ableger des rechts-konservativen „Focus“. In der Zeitschrift, die für „die hohen Ansprüche der wirtschaftsinteressierten Info-Elite zugeschnitten“ und in einer Auflage von 142.210 Exemplaren (IVW IV/09) verkauft wird, finden sich ganze fünf Seiten um die Verschwörungstheorien rund um den 11. September 2001. „Wir glauben Euch nicht“ heißt es auf der ersten Seite. Auf den folgenden vier Seiten werden Menschen bemüht, die nicht an die offizielle Version des 11. September 2001 glauben. Der Ex-Wrestler Jesse Ventura, der „Filmemacher“ Alex Jones, der Architekt Richard Gage und andere „Truther“ werden zitiert. Außerdem wird sich auf „Loose Change“ und andere Filme berufen, die auch Jesse Ventura überzeugt hätten. Ganze fünf Seiten Werbung für die „Infokrieger“ und „Truther“. Da dürften die Herzen der Verschwörungs-Fans höher schlagen. Der „Focus Money“ beweist: Die Leugnung der historischen Ereignisse rund um den 11. September 2001 ist 2010 durchaus gesellschaftsfähig.

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Sekundärtugenden.

„Keine Angst vor Esoterik“ lautet die Überschrift eines Artikels, der in der Zeitschrift „Erziehungskunst“, die im „Verlag Freies Geistesleben“ erscheint und eine Werbeplattform für Waldorfschulen und andere anthroposophische Institutionen darstellt, veröffentlicht wurde.

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Der Aufmarsch III

Wie in diesem Blog bereits vor einigen Wochen prophezeit haben der immer weiter nach Rechts abdriftende Jürgen Elsässer, sein Kompagnon Christoph R. Hörstel, die „Al-Quds-Initiative“ und der „HDR“ die gemeinsame Sitzung der deutschen Bundesregierung mit dem israelischen Kabinett dazu genutzt, um ihre anti-israelische Propaganda zu verbreiten. Mensch wolle sich in Berlin versammeln, „um klarzumachen, dass der Spaß in Deutschland vorbei ist“, hieß es drohend in einem Aufruf, der auf dem Blog des Anti-Anti-Deutschen und „Volksinitiative“-Vorturners Jürgen Elsässer veröffentlicht wurde (Screenshot).
Der prahlt in seinem Blog unterdessen mit einem Interview, dass die Zeitschrift „Galore“ 2007 mit ihm geführt hat. Dieses Interview liefert einen weiteren Einblick in die Thesen des Jürgen Elsässer, der ein Bündnis zwischen Gauweiler und Lafontaine beschwor und gegen emanzipatorische Linke polemisierte. Elsässers Anliegen ist seine „Kritik“ der „Cappuccino-Linke mit Multikulti und Partyleben“, der er tatsächlich den Vorwurf machte, dass Afghanistan in den „Köpfen dieser Leute erst frei“ sein würde, „wenn die Love Parade durch Kabul zieht“. So mutmaßt ein Elsässer über den Zustand in den Köpfen der „Cappucino-Linken“. Für eine Love-Parade in Afghanistan, dass steht für Elsässer fest, müsse mensch „diese Leute“ (!) „ausrotten“ (!). Im Stil einer schlechten Verschwörungstheorie mutmaßte Elsässer daraufhin, „dass bestimmte Hardliner genau das vorhaben“.
Auf der Kundgebung am 18. Januar 2010 sprachen unter anderem die „Al-Quds“-Initiative“ gemeinsam mit dem „HDR“. Das ist die „Organisation for Human Dignity and Rights“ („HDR“), dem deutschen Ableger der „chomeinistisch-islamistischen Grazwurzelbewegung ‚Özgür-Der‘ aus der Türkei, die in der ‚Islamischen Revolution‘ des Irans die Schablone ersehnenswerter Umbrüche erkennt“. Außerdem waren, wie schon bei den „Al-Quds“-Aufmärschen, Vertreter der „Neturei Karta“ anwesend: Diese „verabscheuen den jüdischen Notbehelfsstaat, da nur der Heiland ein jüdisches Königreich, in dem die Menschen Gottes Knechte sind, aufrufen dürfe“.


„Naturei Karta“ Aktivisten während der Holocaust-Leugner Konferenz in Teheran (2006)…


… und beim Verbrennen der israelischen Flagge in London (2002).

In den Reden dieses Aufmarsches gegen Israel, der als „Kundgebung“ getarnt worden war, wurden die einschlägigen Klischees bedient. Es war die Rede von einem „brutalen Zersetzungsprozess“, dessen Folge unter anderem wäre, dass die „entmutigten Völker so zäh wie Wachs in den Händen der Besatzer nach Belieben verformt werden“ könnten. In Deutschland würden „Gewisse Machtkreise“ versuchen „ein militantes Deutschland hochzurüsten, das aber diesmal im fremden Auftrag (…) operieren soll“.
Die vermeintlichen Verantwortlichen für die Kriege in Afghanistan, Irak, Pakistan (!) und „Palästina“ wurden, wie es bei antisemitischen Verschwörungstheorien üblich ist, in Tel Aviv ausgemacht. Die „Kriegstreiber aus Tel Aviv“ richtete sich der Redner an seine “ jüdischen Freunde und Mitbürger“ seien „die Schuldigen“, die „beim Namen“ genannt werden sollten. Danach wurde der „Zionismus“ in einer ellenlangen Tirade verteufelt und sich gegen jede Form der Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen. Diese sei „keine Lösung, nicht realisierbar und nicht finanzierbar“. Es ging also ganz konkret um die Vernichtung Israels.
Trotzdem scheint das Bündnis, bestehend aus Elässers „Volksinitiative“, „HDR“, „Al-Quds-Initiative“ und Hörstels Organisation „Neue Mitte“ fast unter sich geblieben zu sein. Auch die Medien nahmen die Aktion kaum wahr. So berichtet lediglich das Querfront-Organ „Berliner Umschau“ und weigert sich dabei beharrlich Teilnehmer_innenzahlen zu benennen. Elsässer spricht wiederum von 100 Teilnehmer_innen. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, schließlich steigert Elsässer die Teilnehmer_innenzahlen gerne, um den eigenen „Erfolg“ zu belegen.
Zeitgleich protestierte im Übrigen auch ein zweites Bündnis. Dieses Bündnis, bestehend aus etlichen „Palästina“-Komitees, aber auch dem DGB-Stadtverband Darmstadt, forderte, dass die „Gelegenheit“ in Deutschland genutzt werden sollte, um „Israel (…) für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zur Rechenschaft“ zu ziehen. Also eine Art „Volksgericht“ der Friedensbewegung. Auch diese Kundgebung blieb unter sich. Lediglich die „Berliner Umschau“ berichtet. Wie schon bei der ersten Kundgebung werden auch hier keine Teilnehmer_innenzahlen genannt.

Einen weiteren lesenswerten Bericht gibt’s bei Basisbanalität!


Fak­si­mi­le des Berichts der „Berliner Umschau“.


Werbung für den Aufmarsch: Faksimile der Internetseite des „Kai Homilius Verlags“

„Der Anschlag“.

Die Sat 1 Fernsehcops Torsten Heim und Thomas Weinkauf, eher als „Toto & Harry“ bekannt, wollten am vergangenen Freitag an der Uni Bochum über die „alltägliche Kluft zwischen geltender Rechtslage und praktischer Polizeiarbeit im Streifendienst“ referieren. Ihr Dienstwagen, der auf einem Parkplatz geparkt wurden war, wurde unterdessen das Opfer eines „Anschlags“

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