„Die Grenze“. Ein grenzwertiger Hinweis.

Eine ausführliche Kritik gibt es hier (Klick).

Die filmische Form der Extremismus-Theorie, bei der linke Sozialdemokrat_innen und Nazis die deutsche Demokratie bedrohen, scheint es am 15. und 16. März auf Sat.1 zu geben. Dann läuft der Spielfilm „Die Grenze“. In dem Film wird eine witzige Geschichte erzählt, die von zu vielen Menschen geglaubt werden wird: „Während linke und rechte Parteien“, dank eines „weltweiten Terroranschlags“, „die Krise für ihren Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern nutzen, verliert die Regierung immer mehr an Einfluss“ heißt es in der Filmwerbung. Um „die Rechten“ zu schwächen unternimmt der „Krisenstab der Regierung einen waghalsigen Plan: Der Spitzenkandidat der Neuen Linken, Franz Geri soll heimlich unterstützt werden, um einen Wahlsieg“ der Nazis zu verhindern. „Zwar plant der linksextreme Geri ebenfalls die wirtschaftliche und gesellschaftliche Abspaltung Mecklenburg-Vorpommerns: Von zwei Übeln scheint der ohnmächtigen Regierung dies das Kleinere zu sein“, zumal die „neue DDR“ als Billiglohnland zur Verfügung steht. „Ein Bundesland spaltet sich als ‚kleine DDR‘ ab, und die Mauer wird wieder aufgebaut“ beschreibt „teamWorx“-Produzent Nico Hofmann seinen Film in einer Presserklärung, bei der er die Authentizität seines Films durch „Verfassungsschützer, Politiker und Wirtschaftsbosse“ belegt, die er befragt haben möchte.
In den Trailern werden Riot-Szenen und Polizeiübergriffe vom G8-Gipfel in Rostock (2007) ausgeschlachtet, um von sozialen Unruhen zu berichten: Weimar 2.0 auf Sat.1. Der Kandidat der „Linken“, Franz Geri, wird von Jürgen Heinrich (s. Foto) verkörpert, der durch die Sat.1 Serie „Wolffs Revier“ bekannt geworden ist. Doch die Heldin des Films ist die Verfassungschutz-„Agentin Linda Jehnert (Anja Kling)“, die „alles auf eine Karte setzt“. Darsteller_innen sind unter anderem Katja Riemann als Kanzlerin-Double, Marie Bäumer, Thomas Kretschmann als Nazi-Führer Maximilian Schnell und Benno Fürmann. Das solch ein Film schlecht sein muß ist einfach vorherzusehen; es bleibt nur die Frage wie schlecht dieser deutsche Propagandastreifen werden wird.
Die Gleichsetzung zwischen einer linker und rechten Organisation in Form einer filmischen Extremismus-Theorie, wie sie auch der Bundesregierung gefallen dürfte, wird in jedem Fall betrieben. Ein bischen Verschwörungstheorie, die Nazis gefallen sollte, ist anscheinend auch dabei: Schließlich unterstützt der Staat heimlich die „Linke“, um den Wahlsieg der Nazis zu verhindern. In der Realität stellen die Nazis bereits heute ähnliche Thesen auf. Anläßlich des verhinderten Nazi-Aufmarsch in Dresden, behauptete der NPD-Kader Udo Pastörs, dass „der zum Teil auch mit Geld und Sachleistungen versorgte schwerstkriminelle linke Abschaum aus der gesamten BRD herangekarrt und von der Kette gelassen“ wurde, „um die Drecksarbeit des Systems zu erledigen“.
Der Film ist den Produzent_innen acht Millionen Euro wert. Der geringste Teil dieser Summe dürfte in die Internetseite zum Film geflossen sein, auf der es unter anderem einen dilletantischen Test gibt, mit dem mensch überprüfen kann, ob mensch eher Nazis oder „Neue Linke“ wählen würde: Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und all‘ die anderen Dinge, die Nazis in einer radikalen Form vertreten, kommen dort nicht vor. Mit dem Regisseur Roland Suso Richter haben die Produzent_innen in jedem Fall einen alten Hasen für deutsche Opfermythen engagiert. Schließlich war der schon für „Dresden“ und „Der Tunnel“ verantwortlich. Das nächste deutsche Märchen aus dem Hause Sat.1 dürfte also allen Befürchtungen gerecht werden.

Eine ausführliche Kritik gibt es hier (Klick).

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13 Antworten auf „„Die Grenze“. Ein grenzwertiger Hinweis.“


  1. 1 Paraphen 17. Februar 2010 um 17:56 Uhr

    Und erklärst Du Dich bereit, Dir das Ding wieder anzutun und zu rezensieren?

    Ich steh das nämlich eher nicht durch.

  2. 2 Administrator 17. Februar 2010 um 18:31 Uhr

    Mal schauen ob ich mich überwinden kann…

  3. 3 hinweis 17. Februar 2010 um 19:56 Uhr

    Im Anschluss an die beiden Teile des Films, also jeweils um 22.25 Uhr, zeigt Sat.1 zwei Specials: Für den Montagabend hat man eine politisch-soziale Dokumentation von Thomas Riedel und Falco Korth angekündigt. Die Dokumentation zeigt Neonazis bei Kameradschaftsfesten, Demonstrationen und geheimen Treffen sowie das Auftreten von NPD-Abgeordneten im Landtag. Zu sehen sind unfassbare Aufnahmen von Rassismus und verbaler Gewalt. Am Dienstag talkt Johannes B. Kerner in einem «Kerner Spezial» über die Grenze.

  4. 4 human 18. Februar 2010 um 1:17 Uhr

    Wir sind die Mauer! Das Volk muss weg!

  5. 5 *JS* 25. Februar 2010 um 16:08 Uhr

    Abgesehen davon, dass in dem Trailer grammatikalische Fehler sind, ist das der größte Schwachsinn, den ich je gesehen habe. Links und rechts gleichzusetzen, das machen nur Leute, die wirklich keinerlei Ahnung haben. Schade ist nur, wie du schon angemerkt hast, dass viele das glauben werden …

  6. 6 1312 26. Februar 2010 um 0:02 Uhr

    Die Sendung mit Jürgen trägt den Titel „Wolffs Revier“. Unerheblich, aber ich bin grad in Klugscheisslaune.

  7. 7 Cyrano 27. Februar 2010 um 1:29 Uhr

    Keine Rezension? Warum? War alles schon mal da? Dickens? A Tale of two cities? Gabs auch schonmal bei den Simpsons? Ach ja. Iss doch nur Propaganda für die Bergbauindustrie die bald keine Subventionen mehr für teutsche Kohle bekommt. Keep them alive, who knows what kind of tunnels we´ll have to dig. „The Mauers from brick!“

    Jepp, ich hätte so gern was gelesen, wo ich das Machsterwerk selbst verpasst habe.

  8. 8 Administrator 27. Februar 2010 um 13:44 Uhr

    @ 1312:

    Danke für’s Klugscheissen. Hab das mal korrigiert.

  9. 9 Madeleine 15. März 2010 um 8:19 Uhr

    ich habe den Film vorgestern gesehen und mauss sagen, dass ich mehr erwartet hätte. Es ist einem Agenten Film ähnlich. Da gibt es den Benno Fürmann, der als Spionageagent bei den Nazis eingesetzt wird. Um ihn dazu zu bewegen wurde sein Leben von der Regierung manipuliert, ihm wurde sein Job gekündigt, seine Kreditkarten funktionierten nicht mehr usw. und plötzlich stand da eine Frau die beauftragt wurde, ihm zu versprechen, dass er sein Leben wieder bekommen würde, wenn er sich bei den Nazis angagieren würde. Er kannte ja aus früheren Zeiten den Anführer. Natürlich deckt Fürmann alles auf und es wird öffentlich, dass die DNA (Deutsche national Partei) Truppen ausbildet um als Polizei getarnt, auf die Demonstranten einhaut. Bla Bla – auf jeden Fall alles in allem – es gibt wieder eine art Mauer, die Grenze zum Schluss die den Sozis gehört. Die DNS erschiesst ihren Anführer und ein anderer Wahnsinniger übernimmt dessen Position. Schon allein die Darstellung der DNS Leute in weißen Anzügen ist doch lächerlich…

  10. 10 Administrator 15. März 2010 um 17:47 Uhr

    ich habe den Film vorgestern gesehen und mauss sagen, dass ich mehr erwartet hätte.

    Ich habe das ja schon im Artikel anders gesehen:

    Das solch ein Film schlecht sein muß ist ein­fach vor­her­zu­se­hen; es bleibt nur die Frage wie schlecht die­ser deut­sche Pro­pa­gan­da­strei­fen wer­den wird.

    Mitlerweile habe ich den Film auch gesehen: Meine Kritik gibt es hier (Klick).

  1. 1 Alles wird gut. « Aufgesetzter Nihilismus Pingback am 17. Februar 2010 um 21:11 Uhr
  2. 2 TV-”Tipp”: „Die Grenze“. Ein grenzwertiger Hinweis « antifaschistische aktion velbert Pingback am 26. Februar 2010 um 14:12 Uhr
  3. 3 „Die Grenze“. Eine Kritik. « Reflexion Pingback am 15. März 2010 um 17:27 Uhr

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