Wie bereits berichtet läuft am 15. und 16. März 2010 der Spielfilm „Die Grenze“auf „Sat.1″, in dem eine „Neue Linke“ und eine rechte Partei mit dem Namen „DNS“, für die Abspaltung Mecklenburg-Vorpommerns eintreten und in dieser filmischen Version der Extremismus-Doktrin die Bundesrepublik bedrohen. Der Autor dieser Zeilen hat keine Kosten und Mühen geschaut und sich den Film bereits vor der Ausstrahlung auf Sat.1 angesehen…
… die Filmkritik kann im neuen Reflexion-Blog gelesen werden: KLICK!
Schreib doch bitte das nächste Mal die Spoiler-Warnung etwas größer
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Ich habe übrigens auch vor, eine – wohl nicht ganz so umfassende – Kritik zum Film zu schreiben, aber erst, wenn ich heute den zweiten Teil gesehen habe.
Ich schließe mich dieser Meinung im vollem Umfang an. Ich habe selten so einen Unfug gesehen. Im übrigen- wenn eine Krise weltweit hervorgerufen würde durch Anschläge, würde dies doch auch nicht an den anderen Bundesländern vorbeigehen. Ich selbst ostdeutscher und ehemaliger NVA Offizier, kann keine Identifikation mit Geschehnissen oder auch nur ansatzweisen Denkmustern von ostdeutschen Erkennen. Wahrscheinlich war der Drehbuchautor auf Droge…
Ja. Das ist auch so eine unlogische Sache in diesem Film. Anhänger_innen der „Linken“ scheint es nur in MV zu geben…
Ich hab das nochmal geändert und es fetter gemacht…
He He, ja das ist schon ein ordentlicher Schinken.
Allerdings einige Punkte zu deiner Kritik.
1. Das die rechten fast immer als Teufel trägt Prada, in weiß, dargestellt werden ist gar nicht so unrealistisch. Die DNS ist weniger eine Abbildung der klassichen NPD, mehr eine der PRO Bewegung. Pro Köln, Pro Deutschland ….. Und die geben sich nach außen genau so. Sie vermeiden Antisemitismus soweit es geht, was im Film ja auch zur Sprache kommt als dieser Kinderhof Futzi gefragt wird ob er auch Jüdische Kinder hat.
Gerade sehr aktuell ist das ein Millionär aus schweden, glaub ich, die Pro Bewegung unterstützt. Also, so weit hergeholt ist das nicht. Man darf halt auch nicht vergessen das die NPD Nazis nicht die einzigen sind.
2. Ich finde das die Linken wesentlich besser wegkommen als die rechten. Und das finde ich gut!
Ach ja…. zu Geil als die Plötzlich durch Hallendach geschaut haben und später bei Autos oder Brücken klappt das nicht…. SCHMARRRNNNN
Sehr guter Text. Stimme auch in fast allen Punkten überein.
Man darf jedoch nicht vergessen, dass im Anschluss an den Film eine relativ gute Dokumentation über die wahren Ideologien der Nazis gezeigt wurde. Ebenfalls ist es zwar klar, dass die Motivation der Rechten im Film nicht rüberkommt, aber ich denke das ist ja auch das Problem heutzutage, dass man die Nazis nicht mehr erkennt und sie einen auf „nett, freundlich und normalen Büger“ machen. Vielleicht ist es gar nicht soooo verkehrt sie hier nicht als die typischen „hau drauf Typen“ zu zeigen. Das soll aber keine Kritik an deinem Text sein =)
Daumen hoch!
Vielen Dank für die ausführliche Kritik. Wir freuen uns, dass du dich so stark mit dem Film und dessen Thema befasst. Viele deiner Argumente finden wir sehr interessant. Deshalb laden wir dich ein, auch im Blog auf http://www.die-grenze.de zu kommentieren.
Viele Grüße
Dein „Die Grenze“ Community Team
Ijon Tichy – 16. März 2010 um 13:28 Uhr :
Mal abgesehen davon, daß das ganze Szenario – wie in dem Artikel zutreffend kritisiert – an den Haaren herbeigezogen ist: Angenommen es käme tatsächlich zu in etwa so einer zugespitzten Situation, wie in dem Film dargestellt, in der die Integrationsfähigkeit der herrschenden Verhältnisse massiv leidet:
Was heißt das denn dann, wenn die „Linken“ als BündnispartnerInnen der Bundeskanzlerin und mit dem Verfassungsschutz kooperierend dargestellt werden? Die Schlußfolgerung, die sich dann aufdrängt, ist dann, daß die „Rechten“ die einzige wirkliche Alternative zu dem – ja in der Tat schlechten – status quo sind. Sollen das Linke gut finden….???
@ Ijon Tichy:
Auch dann müsste sich die „DNS“ doch mit rassistischen Parolen bemerkbar machen und genau damit auf Stimmenfang gehen. Denn das die „Pro“–“Bewegung“ ein rassistisches Projekt ist, steht ja wohl außer Frage. Natürlich verzichten sie auf offenen Antisemitismus und natürlich geben die sich ein bürgerliches Image: Trotzdem reicht ein Blick auf die Internetseiten von „Pro“ um zu erkennen, dass dort die rassistische Hetze gegen Migrant_innen zum Programm erhoben wurde. Meine These war ja, dass rechte Politiker_innen so etwas wie Rassismus in einer besonders radikalen Form vertreten. Der Film-Rechte tut dies nun mal gar nicht und damit ist er ein „Rechter“, der auf rechte Ideologie verzichtet: Also eine lebende Unmöglichkeit.
Des weiteren gibt es bei „Pro“ einige eindeutiger Verstrickungen zu offenen Nationalsozialisten. Der Millionär aus Schweden, Patrick Brinkmann, war vorher bei der „DVU“ aktiv; einer Partei die als „Neue Rechte“ rassistische Hetze und nationalistische Propaganda betreibt. Andere Aktivist_innen stammen aus der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“, einer NPD-Abspaltung. Aus taktischen Gründen wird zum Teil auf antisemitische Erklärungsmodelle verzichtet, was ihnen den Zorn anderer Nazis einbringt. Der der rechte Film-Millionär Maximilan Schnell besitzt eine ganz andere Vergangenheit, schließlich hat er seine Millionen mit einem Internet-Unternehmen in den USA gemacht und die „linken“ Proteste gegen den G8 Gipfel in Genua geplant und verraten. Gegensätzlicher kann es doch gar nicht mehr sein.
@ „Die Grenze-Community-Webteam“
Vielen Dank, Community-Webteam. Auf eure Einladung muss ich natürlich trotzdem verzichten. Ich fühle mich nicht imstande euren Blog, durch meine bescheidene Mitarbeit in den Kommentaren, aufzuwerten
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@ Ferkel:
Ich hab‘ die nicht gesehen und behaupte, dass die beste Dokumentation diesen Film nicht wiedergutmachen kann…
Zuallererst ein Kompliment an den Verfasser der ausführlichen Filmkritik, der ich mich vorbehaltlos anschließe.
Als ehemaliger DDR-Bürger und NVA-Unteroffizier konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Film von Leuten inszeniert wurde, die die Vorgänge in der DDR nur aus dem Fernsehen kennen und über keinerlei Hintergrundwissen verfügen, geschweige denn, diese Zeit am eigenen Leib erlebt zu haben.
Dies erklärt die Darstellung der Figuren des linken Lagers, zugegeben einigermaßen sympathisch (die Kneipenwirtin) aber doch klischeehaft und nostalgisch verklärt – Musterossis.
Das rechte Lager – hypermoderne Saubermänner in weißen Anzügen ohne jedwedes fremdenfeindliches oder rassistisches Gedankengut – als Feinbid nur die Linken.
Das Anfangsszenario war nachvollziehbar und hätte aus der Feder eines Forsyth oder Clancy stammen können. Würde Deutschland in eine solche Situation kommen, die Menschen wollten einen Schuldigen dafür präsentiert bekommen – und das wäre nicht eine ominöse Terrororganisation, sondern unsere „Ausländer“ – Türken, Russen, Polen … an diesen Menschen würde sich der Zorn entladen.
Fazit: Im Film werden die Rechten verharmlost und die Linken als Nostalgietrottel dargestellt. Thema verfehlt. 5. Setzen.
1.
Vielen Dank für diese Kritik.
Habe den Film *noch* nicht gesehen. Weiß nun aber – trotz aller Befürchtungen – auf was ich mich einstellen muss, um diese Gehirnfolter halbwegs zu ertragen.
2.
Sehe in deiner sehr ausführlichen und klaren Beschreibung auch noch weitere interpretationswürdige Aspekte:
a) Wenn Nazis sich als üble Polizeischläger verkleiden werden Polizeiübergriffe verharmlost, da die Schläger quasi die Schwarzen Schafe in einer Horde von an sich braven Lämmern darstellen.
b) Auch wenn sog. Linke v.a. in der Vergangenheit viel mit Rechten gemeinsam hatten und evtl. auch in manchen Kreisen auch noch haben, werden hier aktuelle Linke pauschal mit rechten Klischees verknüpft (Mauer, NVA, Sexismus, beide gemeinsam (!) gegen Polizei, u.v.m.).
Und es wird Links mit Rechts auch direkt vertauscht, was eine gewisse inhaltliche Beliebigkeit gegenüber linkspolitischen Inhalten ausdrückt (totale Unterwanderung durch den Inlandsgeheimdienst, Nazis als Anmelder von linken Demos).
Das hat zur Folge, dass linke Inhalte nur in Ansätzen sichtbar werden und der wenig informierte Zuschauer die pauschale Gleichsetzung beider Spektren weiter verfestigen wird.
PS: Kleinen Vertipper gefunden (zum Korrigieren: symphatisch --> sympathisch).
Du hast Recht, denn genau das läßt sich aus der Handlung interpretieren. Immer mal wieder sieht mensch in den Film-Nachrichten von N24 Bilder von den Polizeieinsätzen 2007 am Rostocker Hafen, bei der Polizei-Einheiten brutal gegen (friedliche) Demonstrant_innen vorgingen und sich stundenlange Scharmützel mit militanten Demonstrant_innen lieferte. Genau diese Bilder werden umgedeutet: Der Schluss liegt Nahe, dass es im Film ebenfalls die Rechten sind, die sich als Polizist_innen getarnt haben. Echte Polizei-Gewalt gibt es bei „Die Grenze“ nunmal nicht.
PS: Danke für den Hinweis.
Außerdem ist es einfach mal schlecht, dass der komplette Film in Stralsund gedreht worden ist. Sogar Panoramaaufnahmen wurden von STRALSUND gemacht.
Wenn die Szenen IN den Straßen in HST gedreht sind, hab ich damit kein Problem, erkennt eh keiner, der nich von hier kommt.
ich war dort beim G7 in rostock. die demonstranten waren überhaupt nicht friedlich, sondern so aggressiv, dass ich z.B. aus der demo rausgegangen bin.
@ hhhhhtht:
Ich habe ja nicht behauptet, dass alle G8-Demonstrant_innen friedlich gewesen seien, sondern von „den Polizeieinsätzen 2007 am Rostocker Hafen“ geschrieben, bei denen „brutal gegen (friedliche) Demonstrant_innen“ vorgegangen wurde und von den „stundenlangen Scharmützeln mit militanten Demonstrant_innen“. Ein Beispiel für das Vorgehen gegen friedliche Hippie-Demonstrant_innen zeigt das Video:
Ach HST war das. Es gab aber auch ein paar Aufnahmen aus Rostock. MS Georg Büchner, Martosendenkmal und auch Aufnahmen von Gelsdorf aus auf den Rostocker Hafen.
So. Ich oute mich jetzt. Ich fand das weltexklusive Film Film Movie event sensationell unterhaltsam. Na gut, nicht sensationell unterhaltsam, aber doch eben – unterhaltsam. Ich fürchte nur, dass dieser Faktor von den Machern nicht wirklich beabsichtigt war. Wenn das ganze wirklich ein „packendes Drama“ gewesen sein soll, dann ist „Die Grenze“ natürlich auf ganzer Linie gescheitert, über jede Menge – vermutlich unfreiwillige – Komik verfügte das ganze aber schon. Die Idee war filmtauglich, die Schauspieler gar nicht so schlecht, die Kamera für eine deutsche Privat-TV-Produktion anständig – es haperte „nur“ an der Inszenierung.
Es wirkte wie von einem „Möchtegern Dieter Wedel“ inszeniert, wie eine Persiflage, der jede Ernsthaftigkeit abgeht – und doch ernsthaft sein will. Habe ich nun 4 Stunden meines Lebens sinnlos geopfert? Nun ja, ich fühlte mich ja auf eine gewisse eigene Weise unterhalten. Und wer weiß, was ich sonst in den 4 Stunden getan hätte…
Dass der fehlende offene Rassismus und die komplette Abwesenheit jedweden Antisemitismus an „Die Grenze“ kritisiert werden (hier und in allen anderen negativen Kritiken, die ich bis jetzt gelesen habe), ist zwar richtig, im nächsten Schritt wäre aber vielleicht die Frage nach dem „Warum?“ zu stellen. Die unterstellung, es handele sich eben um einen Propagandastreifen der Totalitarismustheorie, es handele sich also allein um gewollte Manipulation, befriedigt da wenig. Die ungleiche Behandlung von Rechts und Links trotz ähnlicher Programme, ungeschickte Propaganda Schachzüge (Staat züchtet seine Feinde heran, die Polizei ist von Nazis unterwandert), sprechen doch eher Bände über die Verblendung der MacherInnen, als dass sie von einem klug ausgearbeiteten Staatstragenden Konzept zeugen. Nehmen wir nur mal die Unterfütterung von Gewaltszenen mit den auch über die Szene hinaus bekannten Bildern aus Heiligendamm. Es wurde die Vermutung geäußert, das solle die „echte“ Polizei gegenüber den Prügelnazis entlasten. Könnte „Nazis prügeln im Bullengewandt“ nicht ebenso gegen die Ordnungsmacht gewandt werden? Deutsche Polizisten…!“ Eben.
Was gerne übersehen wird, ist, dass es sich bei der DNS trotz des namens weniger um eine Nationalsozialistische Partei als um eine Postnazistische Partei im Stile der „Freiheitlichen“ zu handeln scheint. Kretschmann, der Schnell spielt, äußerte sich (laut Hörzu, nicht die bester Quelle…) auch dahingehend, er habe sich für seine Darstellung stark an Jörg Haider orientiert, als einem Charismatischen Führer, der (das füge ich nun hinzu) immer schon relativ substanzlos wahr. Für solche Rechtsrepuplikaner ist der Rassismus, mal abgesehen von den persönlichen Vorstellungen der einzelnen, im Ganzen viel stärker strategisch bedingt, also auch immer, ökonomisch. Allein die Abspaltung (die natürlich in einer irgendwie „normal“ funktionierenden Wirtschaft wenig Sinn machen würde), kann als ein Signal in diese Richtung gesehen werden. Natürlich Bullshit, da anstelle der Abspaltung Meckpoms wohl eher ein deutschnationales Programm mit bereits gegebenen Identifikationsmustern u. Ausschlusskriterien real viel Erfolgsversprechender wäre, und eher in Übereinstimmung mit der Hegemonialen Ideologie, aber dennoch… Dass dies im Film nicht wirklich angesprochen wird, liegt wahrscheinlich jenseits aller Strategie daran, dass es von ProduzentInnen, die in ganz ähnlichen Mustern denken, nicht begriffen werden kann.
Im nicht angesprochenen Antisemitismus wird das sonnenklar. Die antisemitische Denkstruktur ist ja durchaus vorhanden. Seperatismus und Gsellsches Schwundgeld (Gutscheine, wie sozialistisch!!!), stehen im Programm beider Parteien, die Schuldigen der Krise werden außerhalb der Gemeinschaft gesucht, die nun enger zusammenrücken muss. Im Film schwadroniert man wohl nicht von Brechung der Zinsknechtschaft, aber wer sich unter sozialismus oder nationalem Sozialismus jeweils nur die volksgemeinschaftliche Organisation eines krisenfreien Kapitalismus vorstellen kann, antizipiert schon das Pogrom. Hier stößt der Film auf eine Wahrheit nationaler Sozialismen roter und brauner Färbung, und übt gleichzeitig an der Wahrheit übelste Gewalt. Denn dem „Außen“ werden die Deutschen zugeschlagen, die Projektion wird austauschbar, der nationale Sozialismus zum Angriff auf die redlichen Republikaner.
Eine Denunziation der Denkstruktur kann der Film freilich wieder nicht leisten, die ist ja deutsches, und seit der „Finanzkrise“ bald internationales Gemeingut.
Was die Darstellung der „Linken“ als ewig gestrige betrifft, würde ich mich dagegen nicht echauffieren. Gegen die Parteilinken von der LINKEN bis zu den Sozis, sowie gegen große Teile des „Globalisierungskritischen Spektrums“ eine kommunistische Perspektive zu verteidigen, ist anstrengend genug, muss mensch nun nicht auchnoch den Müntes und Lafos beispringen (denn um die kann es nur gehen, wenn Links als Volkspartei gedacht wird), wenn die mal in nem schlechten Licht erscheinen.
hab nur mal kurz reingezappt, und das ganze war selbst abgesehen von der transportierten ideologie bodenlos. erzähltempo, dialoge und figurenzeichnung legen nahe, dass wohl ausschließlich die generation 80+ zielgruppe war. langatmiger und klischeehafter gehts echt nicht mehr. insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass der film propagandatechnisch ein großer wurf war.
@ Cyrano:
Der Propagandastreifen kann ja auch ein Propagandastreifen sein, ohne dass es da eine „gewollte Manipulation“ gegeben haben muss. Das „Die Grenze“ mit bestimmten Bildern arbeitet, der die „Linke“ als rückwärtsgewandte DDR-Nostalgiker_innen denunziert, steht ja wohl nicht in Frage. Das trifft die „Linke“ nun aber nicht, denn deren Staats-Fetischismus und deren Unfähigkeit die deutschen Zustände einer realen Kritik zu unterziehen spielt im Film keine Rolle.
Auch ein Haider hat die „guten Seiten“ des Nationalsozialismus gelobt und eine offene rassistische Politik betrieben. Kretschmann mag sich vielleicht vom Auftreten an Jörg Haider orientiert haben. Dessen Inhalte hat er in keinem Fall übernommen. Maximilian Schnell könnte ebenso gut in der CDU, FDP, SPD oder sogar noch weiter „Links“ Politik machen. Für „Heimat“, „Freiheit“ und Arbeitszwang sind doch irgendwie alle.
Das sehe ich auch so. Die allerletzte Szene zeigt ja auch die Guten: Den Aussteiger und seine Familie auf dem Kutter auf der Fahrt in die „Freiheit“, die nur noch als individueller Ausstieg möglich sein soll. Der Separatismus dient im Film in letzter Konsequenz ja aber dem „Bundesverband der Industrie“. Es sind also die „Linken“, die eher die Interessen der „Kapitalisten“ durchsetzen. An dieser Stelle hat der Film übrigens schon verschwörungstheoretische Züge, die an klassische Erklärungsmuster der deutschen Rechten erinnern.
Wenn die „Linke“n aufgrund ihrer Unfähigkeit die deutschen Zustände anzugreifen kritisiert worden wäre, hätte ich überhaupt kein Problem. Mit einem Film, der alle Linken, also auch den Teil, der „linken“ Antisemitismus und eine verkürzte Kapitalismuskritik kritisiert und eine kommunistische Perspektive formuliert, als rückwärtsgewandte DDR-Spinner_innen abtut, habe ich irgendwie ein Problem. Das ist nämlich die typische deutsche Hetze gegen alle Linken und damit steht der Film auch in einer typisch deutschen Tradition. Es ist kein Zufall, dass die „Teamworx“-Produzenten auch „Dresden“ produziert haben. „Die Grenze“ ist nur ein weiterer Teil von deren filmischer Ideologie und dabei halt deutsch, bis zum Erbrechen und darüber hinaus.Ich find‘ BigBrother manchmal auch unterhaltsam und würde diese Sendung trotzdem als Kamera-Überwachungs-Irsinn-für-Bewohner-die-an-die-große-Karriere-glauben-und-bei-9-Live-landen denunzieren und ich hab bei „Die Grenze“ auch oftmals lachen müssen. Ob das allerdings das erwünschte Ergebnis eines solchen Films sein sollte wage ich zu bezweifeln
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„Auch ein Haider hat die „guten Seiten“ des Nationalsozialismus gelobt und eine offene rassistische Politik betrieben.“
Sicher, sicher. Auf der andren Seite gelang es dem Typen allerdings auch schon, sich zugleich (irgendwie so´n bisschen) Israelsolidarisch zu erklären und anti-Mossad Verschwörungstheorien sowohl selbst zu betreiben, als auch (nun gut, dass ist ihm nun nicht persönlich vorzuwerfen), noch im Tod anzufachen. Rassismus hab ich ja nie bestritten, nur angemerkt dass wer selbst etatistisch denkt Rassismus, im Sinne einer „das oot ist voll“-Rethorik nie als solchen identifizieren wird, und ihn im (hier fiktiven) Krisenfall wohl auch nicht wird ordentlich zuordnen können. Auch hier gilt aber für Pro- Parteien und die FPÖ, dass sie den klassischen Rassimsu gern mal hintan stellen, um kulturell konforme Pappenheimer gegen die „rassische“ Norm zu stellen.
Zum letzten Punkt:
„Wenn die „Linke“n aufgrund ihrer Unfähigkeit die deutschen Zustände anzugreifen kritisiert worden wäre, hätte ich überhaupt kein Problem. Mit einem Film, der alle Linken, also auch den Teil, der „linken“ Antisemitismus und eine verkürzte Kapitalismuskritik kritisiert und eine kommunistische Perspektive formuliert, als rückwärtsgewandte DDR-Spinner_innen abtut, habe ich irgendwie ein Problem.“
Ich, zugegeben, kaum. Nun gut, Sat1 ignoriert also die, nennen wir sie Antideutsche, dialektischen Aufklärer, naja, alle die nicht wenigstens ein irgendwie hippiesk-bäuerliches, im schlimmsten Fall völkisch-antisemitisches Weltbild haben. Und jetzt? Die gleiche Ignoranz zeigt das linke Bündnisstreben jeden Tag, nur da bedeutet es potentiell noch was. Wie Linke auf Sat1 wegkommen, ist mir relativ egal, als „Linker“, fühle ich mich nicht angesprochen (durch die Reaktionen von Menschen, die den Film toll fanden, fühle ich mich dagegen angesprochen, als Mensch, der scheinbar mit ein paar Idioten bekannt ist); aber ausgerechnet dem Angriff auf „Die Linke“ durch Sat1 Bedeutung bei zu messen, hat für mich etwas vom bereitwilligen sich hinein begeben in die Sippenhaft:
Irgendwie sind das halt doch noch die Unsrigen. Irgendwas haben wir mit denen ja doch noch gemein. Sind ja Linke. Aber Sat1 zeigt nationale Sozialisten (oder MeckSozis mit Pom, wie ich ab jetzt sagen werde), und da muss ich echt nicht dagegenhalten: „Das ist nicht der Kommunismus“. Nicht dass deine Kritik am falschen Verständnis von Kommunismis/Sozialismus nicht angebracht wäre; ich denke nur dass man „Die Linke“ nicht vor dem Film in Schutz nehmen sollte, sondern eben dieser Kritik aussetzen.
Ansonsten: Danke, dass du dirs angetan hast (ich hab mir bis jetzt nur Teile gegeben); du bist schon seit einiger Zeit bei mir unter „Kulturkritik bis zur Sebstzerfleischung“ verlinkt
Schaut doch bitte auch einmal auf der Insel Rügen vorbei. Bitte folgende Hompage aufrufen wwww.sassnitzer-kogge.eu Forum auch wir haben Kritiken eingestellt.
Danke und Venceremos!
@ Cyrano:
„du bist schon seit einiger Zeit bei mir unter „Kulturkritik bis zur Sebstzerfleischung“ verlinkt „
Dein/Euer Blog jetzt auch hier. Auf deine Antwort antworte ich die Tage, ich schaff’s grad nicht.
Lachen können hab ich auch. Der Film war dermaßen grottig, daß mir die Spucke wegblieb. Also wirklich, als ob nicht – wenn der da schon die MVRepublik ausruft, nicht die geballte Linke im Kampf gegen Rechts aufmarschieren würde, wenn schon die Regierung nichts tut. Wer die Bilder aus Dresden in Erinnerung hat, dem kommt die mangelhafte Polizeipräsenz in Rostock/Stralsund total lächerlich vor.
Davon ganz abgesehen: Also der VS kann dem Marketingtypen zwar das Leben nehmen, aber nicht dem DNS (kleiner Hinweis auf die Rassentheorie der Nazis?) die Gelder? Der Typ wird ja am Ende von dem ach-so-freundlichen Kindergärtner erschossen – wie ist das Erbe geregelt? Woher hat die DNS jetzt die Kohle? Wem gehört das Meereskundemuseum nu? Vom netten Kindergärtner mal gar nciht erst zu sprechen – dessen Charakter ist ja wohl total daneben gegegangen, da wird das Kind seiner Schwägerin, daß er in seiner sicheren Einrichtung betreute, auf dem Konzert erschossen, von Leute von deren Ausbildung er wußte – und das stürzt ihn nicht in Gewissenskonflikte? Ach der Film war so scheiße – aber auch unterhaltsam.