Am vergangenen Sonntag spielte die Elektropoppunk-Band „Egotronic“, die gerade ein neues Album herausbringen, in Gütersloh. Während ihres Auftritt zündeten bisher unbekannte Täter_innen das Auto der Band an und hinterließen eine kryptische Nachricht. Laut einem Bericht der „Neuen Westfälischen Zeitung“ (NWZ), die sich auf die Polizei beruft, wurde „GT bleibt Rot“ und die kryptische Bezeichnung „Apple“ am Ort des Anschlags gemalt. Der Blog „Analyse, Kritik und Aktion“ mutmaßt daher, dass die Anti-Imp-Gang um den antisemitischen und homophoben Rapper „Makss Damage“, der in Gütersloh lebt, zur direkten Aktion geschritten sein könnte. Sollten die Täter_innen etwa tatsächlich aus diesem Spektrum kommen oder ist das nur eine schöne Verschwörungstheorie, die aufkommt, weil der Anschlag so gut zu den Inhalten des ML-Rappers passt? Genausogut könnnte es aber auch eine Aktion von irgendwelchen Dorf-Nazis gewesen sein, die es der Band, die immer wieder antifaschistische und andere emanzipatorische Projekte und Aktionen unterstützt, mal so richtig zeigen wollten. Dagegen könnte allerdings der Schriftzug sprechen. Vielleicht wird mit der Zeit mehr über den Vorfall bekannt werden.
Archiv für April 2010
In diesen Tagen erscheint das sehnlichst erwartete neue Album von „Egotronic“ , das ich nach dem ersten Reinhören voller Begeisterung allen Menschen empfehle, die elektronischer Musik nicht gänzlich abgeneigt sind. Das Album nennt sich „Ausflug mit Freunden“. Reinhören kann mensch bei „Myspace“. Das Video zur Single, die sich „Was solls“ nennt, gibt es bei dort und bei „Torsun“ Außerdem gibt es das Video natürlich auch hier. Es gibt also doch noch nette Musik. In den dunklen Zeiten in diesem wirklich widerwärtigen Land ist das eigentlich unglaublich, aber doch immerhin etwas.
EGOTRONIC – Was Solls
egotronic | MySpace Music Videos
Anfang des Jahres sorgten die geplanten Auftritte des Autoren Norman Finkelstein für Aufregung in der bundesdeutschen „Linken“. Nachdem verschiedene Organisationen, wie zum Beispiel der Arbeitskreis „Bak Shalom“, eine Kritik am Auftritt des Autoren, der unter anderem ein Buch über die „Holocaust-Industrie“ publizierte, veröffentlicht hatte, gab es eine längere Debatte in verschiedenen Zeitungen und Blogs. Die Räumlichkeiten, in denen Finkelstein sprechen sollte, wurden gekündigt und verschiedene Organisationen zogen ihre Unterstützung zurück. In der Folge gab es eine große Aufregung bei den Finkelstein-Fans, die vor allem im nationalbolschewistischen Blatt „Junge Welt“ veröffentlicht wurde. So meldete sich beispielsweise Dr. Rolf Verleger zu Wort, und machte unter anderem „jüdelnde Gruppen in Der Linken“ für eine angebliche Kampagne gegen Finkelstein verantwortlich.
Was sind das also für Positionen, die für soviel Aufmerksamkeit und sogar für Kritik sorgen…
… den ganzen Artikel gibt es im neen Reflexion-Blog: KLICK!
„Memri.TV“ ist es zu verdanken, dass das folgende Video der Internet-Nachwelt erhalten blieb. Es zeigt den „Antizionisten“ Norman G. Finkelstein im Interview mit dem libanesischen Fernsehsender „Future TV“. Dort versteigt er sich in Huldigungen der antisemitischen Terror-Organisation „Hisbollah“ . Da darf auch die historische Analogie nicht fehlen, die das israelische Vorgehen gegen diese Organisation, mit dem Vernichtungskrieg der deutschen Wehrmacht vergleicht. Dabei wollte, so behauptet es Finkelstein, noch nicht einmal Hitler den Vernichtungskrieg. Das Interview liefert einen sehenswerten Einblick in die Ideologie des Norman G. Finkelstein…
… das ganze Interview kann im neuen Reflexion-Blog angesehen werden.
Die Texte des antisemitischen Rappers „Makss Damage“ stoßen, bei einem bestimmten Milieu der deutschen „Linken“, auf einen fruchtbaren Boden: Endlich ist da ein „kommunistischer“ Musiker, der den Hass auf Israel und seine Bewohner_inen in holprige Texte packt, in denen er beispielsweise die Selbstmordattentate gegen Jüdinnen und Juden glorifiziert oder den Davidsstern brennen lassen will. Die innenpolitische Forderung des Anti-Imp-Rappers, „diese antideutschen Hurensöhne“ zu töten, zeigt den abgrundtiefen Hass auf Kommunist_innen und andere Antifaschist_innen, die sich mit Israel solidarisieren, auf. Kein Wunder also, dass sich ein Teil des „linken“ Nachwuchs durchaus für „Makss Damage“ begeistert und diesen gegen Kritiker_innen in Schutz nimmt. Ein Beispiel für diese „Makss Damage“ Fans findet sich dort, wo sich diese und andere Menschen exibitionieren: Im „SchülerVZ“ treffen sich die „Makss Damage“-Fans in einer Gruppe, in der dem Antisemitismus des Musikers ganz unverhohlen zugestimmt wird.
Gründer der Gruppe ist „Mats E.“, der sich in seinem Profil für die „Nordische Mythologie“ begeistert und „Antideutsche“, „Amerika“ und „Bilderberger“ ablehnt. Neben solchen Gestalten finden sich auch Menschen, die sich für verschiedene orthodoxe „kommunistische“ Gruppen, wie zum Beispiel der „SDAJ“, engagieren und die sich für „Makss Damage“ begeistern. So freut sich „Nico P.“ über das „Best album eva“ und spricht von einem „gigantischen Unterhaltungswert“, der „Einfach geil“ sei. „Dirk“ , der sich dreisterweise „Kommunist“ nennt, freut sich darüber, dass mit Zeilen in denen Giftgas in jüdische Siedlungen geleitet wird, doch einige „zur Weißglut getrieben“ werden und das der „Hurnsohn“ Gorbatschow auf dem Cover des neuesten Mixtaps zu finden sei. „Erwin ‚Dschughaschwili‘“ findet es toll, dass „MaKss diese ‚ganzen verschwulten Pazifisten Veganer‘ disst, dann ist das durchaus begründet“. Kritiker_innen sind nicht gerne gesehen: „Das fette Opfer wird in Zukunft sein dummes Maul halten, ich hab ihn vorhin aus der Gruppe gekickt“ schreibt der Moderator.
„Fickt euch alle ins Knie, gegenseitig, ey, damit ihr wieder wisst, ob ihr Männlein oder Weiblein seid“ lautet hingegen ein Ratschlag von „Karl K.“, auch ein angeblicher „Kommunist“, der keine „Antideutschen Prostituiertenkinder“ mag: „Geht den Leuten nich aufn Sack, die wirklich Revolution machen wollen“ schreibt „Karl“ wenig wortgewandt in Richtung der linken Nestbeschmutzer, die Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und den Geschichtsrevisionismus des „Rappers“ kritisieren. Das sich folgerichtig auch nicht alle antifaschistischen Gruppen für „Makss Damage“ begeistern könnten, stößt auf Ablehnung unter den „SchülerVZ“-Fans. Dies sei nur eine weitere „alberne spalterei“ befindet „Alfred K.“. Als Legitimation dient den Fans das wenig schlüssige Argument, das auch Fler oder Bushido bemühen: Es sei doch alles nur Provokation.
Es ist eine kleine Zielgruppe, die „Makss Damage“ erreichen möchte. Da helfen auch keine Provokationen, die doch nur Antisemitismus sind. 80 Fans in einer „Schüler-VZ“ Gruppe und einige andere in anderen sozialen Netzwerkenm sowie eine Internetseite, die über Wochen gesperrt war, werden noch nicht einmal ausreichen, um seine Fans überhaupt zu erreichen. Vielleicht ist „Makss Damage“ als „Rapper“ viel schneller ein Teil der Geschichte der „kommunistischen“ Bewegung in Deutschland, als es ihm und seinen Fans lieb sein wird. Vielleicht wird er aber auch weiterhin seine Zielgruppe begeistern.
Die Namen der Protagonist_innen wurden geändert. Alle Zitate stammen aus der „Makss Damage“ Gruppe im „Schüler-VZ“ und wurden originalgetreu übernommen.
Einen weiteren lesenswerten Artikel gibt es bei „Hagalil“. Dieser stammt vom „Informationsdienst Rechtsextremismus“ (indi-rex) und kann auch hier gelesen werden.
Etwa sechs Monate später distanziert sich die SDAJ vom antisemitischen Rapper.