Der Aufmarsch V.

Einen „Trauermarsch um die Meinungsfreiheit zur Deutschen Bundesbank“ möchte Mirko Welsch am 09.09.2010 in Frankfurt am Main veranstalten. Er ist Mitinitiator einer „Sarrazin-Bewegung“, die eine angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit beklagt, sich mit Thilo Sarrazin solidarisiert und Migrant_innen dazu auffordert, dass sie „sich anpassen“ müssen. „Wer hier leben will hat die Pflicht sich einzubinden oder ein One-Way-Ticket muss erfolgen“, schreibt der „Organisationsberater“ des „Trauermarsches“, Mirko Welsch, der Sarrazins Thesen durch seine Beobachtungen in „Burbach oder im unteren Malstatt in Saarbrücken“ bestätigt sieht. Der Aufmarsch wird unterdessen von mehreren rassistischen Internetseiten, wie zum Beispiel „Pi-News“ und „Gesamtrechts“ unterstützt.
Mirko Welsch nutzt derweil unter anderem die Internetplattform „Facebook“, um für seinen Marsch zu werben. Dort hetzt Welsch gegen Michel Friedman, der Sarrazins Thesen kritisiert hatte und rät diesem „sich mehr mit seinen Nutten- und Koksparties“ zu „beschäftigen“. Die antisemitische Einstellung des selbsternannten „Freiheitlichen“ wird deutlich, als er vermutet, dass „Friedmann aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit einen Freibrief“ hätte (Screenshot).
Derartiges propagiert Welsch nicht nur in seinem „Facebook“-Profil, sondern auch mit seiner „Vereinigung von rechtsliberalen Mitbürgern (Die Patrioten)“. Als deren Sprecher fungiert Welsch, wenn er nicht für seine „Sarrazin-Bewegung“ wirbt. Als Sprecher dieser obskuren Vereinigung veröffentlicht Welsch noch obskurere Pressemitteilungen, in denen dem Zentralrat der Juden unterstellt wird, er hätte „die Nazikeule reaktiviert“. Dem Zentralrat unterstellt er außerdem auch noch ein Denken, wie es zur es zur Zeit des Nationalsozialismus vorherrschend gewesen wäre. Außerdem wird die „Opferorganisation“ mit „NPD und Co“ verglichen. Welsch im O-Ton:

„Dieses Denken hatten wir aber bis 20 Jahren im Osten und vor 65 Jahren im Westen und so sollte eine Opferorganisation nicht agieren, wenn diese sich von NPD und Co. berechtigerweise abheben will.“
Es bleibt abzuwarten, ob Mirko Welsch seine Thesen über den „Zentralrat der Juden“ und Michel Friedman, auch auf dem Aufmarsch für Sarrazin propagieren wird.

Verbreiten:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • MySpace
  • PDF
  • Technorati
  • Wikio

8 Antworten auf „Der Aufmarsch V.“


  1. 1 Reflexion 09. September 2010 um 6:59 Uhr

    Der Aufmarsch wurde laut Organisator_innen abgesagt. Der Hinweis auf den „Organisationsberater“ Welsch wurde bereits im Laufe des gestrigen Tages entfernt:

    hxxp://demo090910.wordpress.com/2010/09/08/absage-des-schweigesmarsches-am-09-09-10/

  2. 2 Marxo 09. September 2010 um 12:43 Uhr

    Das untote „Anti Defamation Forum“ wäre auch mit dabei. Zumindest ziehen sich die Kameraden dort schon mal die Pro-Sarrazin-Tshirts über: http://adf-berlin.net/upload/index.php/topic,1062.msg23422.html#msg23422

  3. 3 Reflexion 09. September 2010 um 13:03 Uhr

    Das Foto wurde von einem Forums-Mitglied gepostet. Mehr aber auch nicht…

  4. 4 Marxo 09. September 2010 um 13:45 Uhr

    Du glaubst ernsthaft dieses Foto wurde dort ohne jeglichen positiven Bezug auf Sarrazin gepostet? Vorschlag: dann lies doch die Wortmeldungen der ADF-Kameraden. Nirgends eine Kritik an Sarrazins Rassismus. Michael Friedmann wird dagegen vorgworfen nicht das Buch gelesen zu haben und es wird beklagt dass es für Leute wie Sarrazin in Deutschland aktuell keine faire Debattenkultur gäbe. Es wird auf die Meinungsfreiheit verwiesen, eine Atmosphäre der Hexenjagd beklagt. Sarrazin wird dafür abgefeiert dass er das „Multikulti-Image“ Deutschlands beschädigt hat. Man könne nur konstatieren: „go on Sarrazin, you‘re doing the correct job over there, you crazy fucker!“

  5. 5 Cyrano 09. September 2010 um 14:39 Uhr

    @Marxo

    „Das passt auch zu Sarrazin, den man mit Fug einen postmodernen Gobineau nennen kann. Es geht ihm ebenfalls um die Herrschaft des (Beamten-)Adels und er bewundert die Juden dafür, dass sie so eine reine und intelligente Rasse sind.“ (Rüdiger2)

    „Man wird Sarrazin zugestehen müssen, dass er wenigstens die Frage nach der kollektiven und sich reproduzierenden und akkumulierenden Idiotie aufgebracht hat, freilich seine fortschreitende empirische Verblödung nicht mitreflektierend, die sich betriebsblind an zunehmend obsolete Produktivitätsideale klammert.“ (unGeDuLdig)

    „Aus solchen Aussagen spricht nicht einmal mehr instrumentelle Vernunft in einer verwalteten Welt, sondern nur noch der Dünkel einer Klasse, die längst keine mehr ist und deren hermetische Lieb- und Freudlosigkeit in Zeiten, als sie noch eine war, den Stoff für gute Literatur abgab. Die geschrieben wurde, um Zustände ein für alle Mal überwinden zu helfen, in denen man ernsthaft Geburtsprämien verhandelt.

    Im Ressentiment gegen die Unterklasse, die heute ebenso überflüssig ist, wie die sich ach so produktiv gerierenden neuen Eliten, deren Zeitmanagement ihnen zwischen Meeting, Evaluation und Corporate Event alles ist, bricht sich vor allem der Neid Bahn, dass es Leute noch geben könnte, die wenn auch nur bedingt freiwiliig und ebenso freudlos wie die, die den Tag über ach so busy sind, sich noch der Muße und dem Nichstun hingeben könnten.“ (Osten-Sacken, positiv bewertend zitier von Doc Holliday)

    „na hat der thomas die sache mal wieder gut auf den punkt gebracht.“ (zustimmend zum obigen: Hausbesitzer)

    „Interessant, dass Sarrazin Integrationsdruck fordert, nachdem er der gesamten unerwünschten Ethnie Integrationsunwilligkeit und -unfähigkeit attestiert hat, also vom Integrationsdruck gleich selbst die Integration substrahiert, so dass davon nur der Druck übrigbleibt“. (nochmal unGeDuLdig)

    Ich will nicht ewig weiterzitieren, es bleibt zu bemerken, dass a) auch die anderen an dieser Diskussion beteiligten Benutzer diesen Aussagen zu Sarrazin nicht nennenswert wiedersprochen haben, und b) dass man sich die Realität schon sehr gut-, bzw. böswillig zurechtlegen muss, um zu der behauptung zu kommen „Nirgends eine Kritik an Sarrazins Rassismus“. Im Gegensatz zum undiffernzierten „Rassismus“ – Gebrüll der tageszeitungen und anderer Leid-medien guckt man sich dort eben an, wie Sarrazin tickt, und wie seine Gegnmer ticken, um das ganze dann adequat zu kritisieren.
    Dass Sarrazin das „Multikulti-Image Deutschlands beschädigt hat“ ist übrigens die Kritik an ihm, die von ZEIT über Merkel bis zu den Grünen an ihm geübt wird. Eben dass er ein anderes Modell der Volksgemeinschaft vertritt, man könnte sagen, ein konsequenteres, dass für Maßnahmen wie die Erziehungsgeldstreichung für Hartz4ler die Begründung ausplappert, ist das Problem, das die Front seiner Gegner mit ihm hat. Warum also den schaden für das Deutsche Image nicht beklagen? Es legt ideologische Grundlagen der Gesellschaft und Widersprüche offen, über die geschwiegen wird, seit die Aufregung um Rostock-Lichtenhagen verpufft ist.

  6. 6 Marxo 09. September 2010 um 17:11 Uhr

    Nachtrag: ok, mindestens eine Person kam zu der Erkenntnis dass es sich bei Sarrazin um einen Rassisten handelt, und keiner hat widersprochen. Gratulation. Und dennoch wird in diesem Forum über eine angebliche Misshandlung dieses Herrn durch einen links geprägten öffentlichen Diskurs geklagt. Und der Typ wird dort abgefeiert: „Thilo has already pissed on the Schland hype more than all the Antifa demos of the last few years put together and created a very important debate about integration and German national identity.“ Also, Dank an Sarrazin weil neuer „antideutscher Held“, aber die Juden nerven: „Kramer soll mal die Fresse halten. Dieser Trottel ist eindeutig zur falschen Religion konvertiert, wenn man sich seine Äußerungen, die er in regelmäßigen Abständen tätigt, mal ansieht.“ Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden hatte sich erlaubt bereits im Oktober 2009 über Sarrazin folgendes zu sagen: „Ich habe den Eindruck, dass Herr Sarrazin mit seinen Äußerungen, mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler wirklich eine große Ehre macht“. Das ist dann doch zu viel für einen „antideutschen Helden“. Rassismus und Antisemitismus kann man ja verkraften. Aber Nazi, nein das geht zu weit: „Herr Jude, bitte wechseln sie die Religion!“ http://adf-berlin.net/upload/index.php/topic,1062.msg8907.html#msg8907 „Im Gegensatz zum undiffernzierten ‚Rassismus‘ – Gebrüll der tageszeitungen und anderer Leid-medien guckt man sich dort eben an, wie Sarrazin tickt, und wie seine Gegner ticken, um das ganze dann adequat zu kritisieren.“ Ja, sicher doch.

  7. 7 Cyrano 09. September 2010 um 19:43 Uhr

    die beiden user die du zitierst sind capitalism und DbA. gehe ich auch nicht konform mit, macht dann aber, wenn dir dran liegg aufzurechnen 4:2, oder so.
    beinahe uneingeschränkt war ist, dass die kritik an sarrazin irrationalen reflexen folgt, und dabei die grundlagen teilt, die auch dessen urteilen vorgeschaltet sind. desweiteren wahr ist, dass der rassismus, der sarrazin in bürgerlichen medien und teilen der linken vorgeworfen wird, meist daran festgemacht wird, dass man so eben nicht über migranten reden dürfe, während die genetische komponente und ihre naheliegenden eugenischen schlussfolgerungen nur bedingt beachtung finden. daran ändert sich nix, nur weil du zwei kommentierende ausmachen konntest, die die broderschiene fahren, und auch daran, dass eben andere user die sache deutlich anders darstellen, ändert sich nix. das „thilo has pissed on the schland hype-“ statement ist auch erstmal nicht falsch. Hinzuzufügen wäre, dass er eben auf „Schland“ pisst, um Deutschland dagegen aufzubauen, aber da die pro-sarrazin haltung, die du konstatierst so im adf einfach nicht gegeben ist, ließe sich das auch gut da diskutieren…

  1. 1 termine gegen den mob « libertaeres buendnis der wetterau Pingback am 08. September 2010 um 11:13 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>