Die sehr sehenswerte Talkshow „Je später der Abend“ vom 30.10.1976, in der sich die Nazi-Filmemacherin Leni Riefenstahl als größtes Opfer des zweiten Weltkriegs inszeniert, kann mensch sich hier anschauen. In weiteren Rollen: Der Liedermacher Knut Kiesewetter als Sprecher der Jugend und der „Behinderten“. Außerdem: Elfriede Kretschmer, die sich gegen Hitler und seine AnhängerInnen engagiert hatte und wohl auch damit den Unmut der Riefenstahl erregte. In einer weiteren kleinen Nebenrolle ist der spätere ORB-Interdant Hansjürgen Rosenbauer als Moderator zu sehen, der Riefenstahls Inszenierung nichts entgegenzusetzen hat. Die will natürlich vor allem von nichts gewusst haben und gibt sich redlich Mühe, diese Nachkriegsentscheidung mit allen geschichtsrevisionistischen Mitteln zu rechtfertigen. Die NS-Propagandafilmerin in ihrer letzten großen Rolle: Eine Täterin gibt die verfolgte Unschuld…
Einen Vortrag des Wertkritikers Robert Kurz („Schwarzbuch des Kapitalismus“), der sich dem Thema „Israel und die Linke“ widmet, kann mensch sich hier anhören. In diesem Vortrag konstatiert Kurz die ideologische Verwahrlosung der „Linken“ und beschäftigt sich mit dem Hass auf den israelischen Staat, dem sich viele „Linke“ verschrieben haben: „Mehr Verblendung ist kaum denkbar“, urteilt Kurz.
Es geht um verkürzte Kapitalismuskritik und antisemitische Manifestationen, um Ahmadinedschad und Atomwaffen, um die bundesdeutsche „Linke“ und – am Rande – um „die Antideutschen“, denen Kurz ein politisches Versagen vorwirft, weil sie die „Weltordnungskriege“ verklärt hätten. Am Ende des Vortrags fordert Kurz trotz alledem eine „Israelsolidarität und einen Kampf gegen jeden Antisemitismus“ ein, „der untrennbar zusammengehört mit dem Kampf gegen jeden Rassismus“.
Irgendwann in den 70′er Jahren schrieb der Liedermacher Franz Josef Degenhardt ein Lied über das fiktive Leben des orthodoxen Kommunisten Rudi Schulte, der bereits seit seiner frühen Jugend für die Weltrevolution kämpfte. In den 70′er Jahren wurde dieser Rudi Schulte, der wohl dem idealen Bild eines Kommunisten entsprechen sollte, von „langen Haaren“ und „Mädchen, wo man alles sehen kann“, bedroht. Er hätte auf den Tisch geschlagen, aber die langhaarigen Kommunist_innen hätten ihn einfach überstimmt, heißt es in dem Lied. Rudi Schulte war wohl in der falschen Partei. Seine „Deutsche Kommunistische Partei“ (DKP) war und ist bei langen Haaren wohl etwas lockerer als die damalige Konkurenz, die so genannten K-Gruppen. Diese Gruppierungen beriefen sich auf die Mao-Tse-Tung-Ideen, also auf die Ideologie des Maoismus und sagten der „kleinbürgerlichen Ideologie“ den Kampf an: Lange Haare waren dort verpönt. Rudi Schulte hätte sich dort vielleicht wohl gefühlt….
… den ganzen Artikel gibt es im neuen Reflexion-Blog: KLICK!
Die inzwischen hoffentlich für immer und für alle Zeiten eingestellten Container-Sendung „Big Brother“, die es in Deutschland auf ganze Zehn Staffeln gebracht hat, erfreute die gemeinen Zuschauer_innen nicht nur durch mehr oder weniger gescriptete Ausraster der Teilnehmer_innen, sondern auch durch das Bemühen der Produzent_innen, Personen als Personifikationen des „Fremden“ oder „Anderen“ zu inszenieren. Da gab es zum Beispiel in der letzten, zehnten Staffel der Überwachungs-Show den Obdachlosen Pluto, der direkt von der Platte am Kölner Dom gecastet wurde, oder das „schwule HIV-Pärchen“ Harald und Carlos Fassanelli. Insbesondere dieses Pärchen zog sich den Hass des deutschen Mobs zu, der fleißig durch die Produzenten von „Endemol“ geschürt wurde, die die Show als „Projekt“ darstellten, in dem die Zuschauer_innen als gemeinsame telefonische Richter_innen agieren sollten. Gleichzeitig inszenierten die Produzent_innen den Laien-Darsteller Klaus Aichholzer als stolzen Rächer, der es dem schwulen Pärchen mal so richtig zeigen durfte.
Diese Stimmungsmache kam an: Hunderte von Forenbeiträgen und andere Zuwortmeldungen der Zuschauer_innen zeigen genau das auf. Ein Beitrag eines unbekannten Big-Brother-Fans verdient es, das er der Nachwelt erhalten bleibt. Er steht stellvertretend für den homophoben Hass, den viele Zuschauer_innen empfinden:
„(…) Da sind zwei Klischee Typen eingezogen, wie sie im Buche stehen, ordinär, abfällig, HIV-Infiziert, asozial und schwul, wobei letzteres noch vertretbar ist, nur in der Kombination einfach pervers. Das Carlos die Wurzel allen Übels ist hat sich doch auch recht schnell herauskristallisiert, ständig hat er Öl ins Feuer gegossen (…). Die beiden haben die ganze Zeit einen Sonderstatus bei BigB gehabt, da kann man sagen was man will, die Zuschauer haben sich das zum Glück nicht gefallen lassen (…). Wo fängt Toleranz an und wo hört sie auf, für mich war sie schon recht schnell dahin, nämlich ab dem Zeitpunkt, als Harald von seinem ausschweifenden Sexleben erzählen mußte. (…) Ein RAUSWURF von Carlos ist das mindeste was BigB uns Zuschauern jetzt zugestehen sollte. Sein Verhalten hat einfach das Widergespiegelt was er ist, KRANK!“
Mit diesem Kommentar ist alles über die Fernsehsendung und ihre Fans gesagt. Das Opfer muss allerdings kein homosexuelles Pärchen sein, sondern es kann ebenso den Obdachlosen von der Platte treffen. Einfach mal nach unten treten: Das ist die deutsche Fernsehkultur, egal ob im Dschungel, bei Big Brother oder während der abendlichen Debatten im staatlichen Fernsehen.
Über ein Comeback des ehemaligen Innensenators Ronald Schill wird auf einigen Presseportalen spekuliert. Ronald Barnabas Schill war Ende der 90′er Jahre zunächts als „Richter Gnadenlos“ bekannt geworden, bevor er als Innensenator in Hamburg den rechten Hardliner gab. Nach seiner Entlassung als Innensenator flüchtete Schill unter anderem nach Brasilien. Von dort machte er nicht mehr mit reaktionären politischen Forderungen, sondern mit „Kokspartys“ auf sich aufmerksam.
Der Aufstieg und Fall des Ronald Barnabas Schill, dessen „Schill-Partei“ von 19,4 Prozent der Hamburger_innen gewählt worden war, wurde vom Anfang bis zum vorübergehenden Ende durch die Boulevard-Medien begleitet. Ein neuer Anfang könnte tatsächlich die RTL-Serie „Dschungelcamp“ sein. Seitdem die Produzent_innen der traurigen Gestalt ein Angebot angeboten haben sollen ist Schill wieder im Gespräch. Zumindest auf einigen Nachrichtenportalen und in der „Hamburger Morgenpost“ wird über die Wiederkehr des Ronald Schill spekuliert, der zunächst von einer Richtershow a la Alexander Hold geträumt hatte und nun auf einem Platz im „Dschungelcamp“ hoffen darf. Ob Ronald Schill wirklich wieder auf den Fernsehschirmen erscheinen wird, zeigt sich erst im Januar 2011. Dann startet die nächste Staffel der Serie, in der in jedem Fall Kakerlaken, Schlangen und Schlamm und eventuell Ronald Schill zu sehen sein werden.
Die Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft produzieren einen merkwürdigen Trubel, der mit noch merkwürdigeren Ritualen einhergeht. Eines der Rituale besteht darin, in einem farblich geordneten schwarz-rot-gold gekleidet, gleichfarbige Fahnen zu schwenken und sich durch lautstarke Sprechchöre bemerkbar zu machen. Einheitskleidung ist das deutsche Trikot, national die kollektive Psychose.