Archiv für November 2010

Manchmal kommen sie wieder III.

Ein weiterer Kandidat, der für die unsägliche RTL-Show „Das Dschungelcamp“ ins Gespräch gebracht wurde, ist der Alt-Kommunarde Rainer Langhans, der die Sendung als eine Art Wiederbelebung der Kommune I einordnete. Langhans kann bereits auf eine längere Karriere bei RTL zurückblicken.
Der Fersehsender räumte Langhans, der heute für unsägliche esoterische Wahnideen steht, großzügigen Raum ein, um dessen patriachale Beziehungsstrukturen, die dieser in seinem „Harem“ praktiziert, zu dokumentieren. Doch nicht nur RTL vermarktet die letzte Ikone der 68′er. Auf der Internetseite des ebenso unseriöse „Fakten“-Magazin „Focus“ ist Langhans mit seiner eigenen Video-Kolumne zu sehen, in der er unter anderem Fitnesstipps gibt.
An Langhans sonstigen Theorien, der in einem Interview mit der „Taz“ bereits 1989 unsägliche Thesen äußerte, scheinen sich weder RTL noch der „Focus“ zu stören: „Spiritualität in Deutschland heißt Hitler. (…) Wir haben keine Chance: Wir müssen dieses Erbe von unseren Eltern übernehmen (…) im Sinne einer Weiterentwicklung dessen, was da von Hitler versucht wurde“, sagte Langhans damals. Auch in anderen Interviews entpuppte sich Langhans als ein Hitler-Bewunderer und selbsternannter Faschist:

„Wir müssen die besseren Faschisten sein, denn der Faschist ist in meinen Augen jemand, der erstmal natürlich das Himmelreich auf Erden holen wollte, also der wirklich was Gutes wollte. Also unter dem Gesichtspunkt ist Hitler selbstverständlich für uns alle ein großer Lehrer, das wird keiner ablehnen können“.
Da muss es nicht verwundern, dass Langhans nicht nur für RTL oder für den „Focus“ vor die Kamera tritt, um beispielsweise seinen Besuch auf dem Münchener Oktoberfest oder „Weihnachten im Harem“ dokumentieren zu lassen. Natürlich ist Langhans, der ehemalige 68′er, auch in anderen Medien, aus dem ganz rechten Spektrum, präsent. So zum Beispiel im rechten Monatsmagazin „Zuerst“. In der April Ausgabe findet sich eine ausführliche Reportage über Rainer Langhans, seinen Harem und die Hitler-Mystifizierung, die nicht nur von den Nazis von „Zuerst“ begrüßt wird.
Da sich RTL aber auch bisher nicht an den merkwürdigen Aussagen des esoterischen Langhans gestört hat, dürfte seinem Einzug ins „Dschungelcamp“ eigentlich nichts im Wege stehen. Da die Nachricht allerdings von der „Bild“–“Zeitung“ verbreitet wurde, ist diese – wie im Falle des anderen gehandelten Kandidaten, Ronald Schill – mit Vorsicht zu genießen. Es bleibt also abzuwarten, ob Langhans tatsächlich im „Dschungelcamp“ zu sehen sein wird.

„Gänse-Holocaust“.

In der aktuellen Ausgabe der stalinistischen Kleinstzeitschrift „Offensiv“ findet sich auch der Artikel eines ehemaligen Mitglieds der „Deutschen Kommunistischen Partei“ (DKP), der sich mittlerweile der so genannten „Kommunistischen Initiative“ (KI) zugehörig fühlt. Eigentlich geht es um den üblichen Sekten-Kleinkrieg zwischen und in den beiden Gruppen, doch am Rande berichtet der Autor auch über den Wahlkampf einer DKP-Ortsgruppe in Nordrhein-Westfalen, die das „Gänse-Morden am Unterbachersee“ beenden wollte. Dazu benutzte die Ortsgruppe, wenn mensch dem Ex-Mitglied glauben will, auch die Phrase vom „Holocaust“ an den Tieren und betrieb auf diese Art und Weise eine ungeheuere Verharmlosung der Shoa, die ansonsten bei obskuren Organisationen wie „Peta“ oder der „Tierschutzpartei“ (s. Foto) beliebt ist:

„Eines Tages erschienen in dem Stadtbild aber noch andere Plakate unserer DKP: ‚Stoppt das Gänse-Morden am Unterbachersee‘. In der Nähe der Stadt gab es einen See, der aufgrund des Gänsekots umzukippen drohte und vor allem junge und alte Menschen gesundheitlich gefährdete. Um dies zu vermeiden, sollten einige wenige Gänse geschossen werden. Dieses ‚Morden‘ wurde nun zu einer der Hauptangelegenheiten der DKP. (…) Die Höhe war die Betitelung ‚Gänse-Holocaust‘“.

Kein DKPler: Stefan Eck, Bundesvorsitzender der „Tierschutzpartei“, vor den Toren des Konzentrationslagers Dachau.

„Vom Krawattenträger bis zum Ökofreak.“

In der bereits öfter erwähnten Zeitschrift „Erziehungskunst“, in der die Welt der Waldorfschulen beworben wird, meldet auch die Redaktion zu Wort, um zu aktuellen Themen Stellung zu beziehen. Diesmal ist es nicht Redakteur Lorenzo Ravegli, der sich von „rassistoiden Antirassisten“, „faschistoiden Antifaschisten“ und „sektiererischen Sektenjägern“ verfolgt fühlt, sondern sein Kollege Mathias Maurer, der eine Ode verfasst hat, in der er einen Bogen von den Protesten gegen Stuttgart 21 über die Montagsdemonstrationen 1989 zu den Aktionen gegen das Kernkraftwerk in Whyl spannt. Ihm geht es nicht weniger als um „das Volk“, das der Redakteur mit vielen Worten beschwört. Die „Fun-Party“ (!) der Jugend von Stuttgart hätte durch Wasserwerfer „ein jähes Ende“ gefunden; sie seien wie die „mutigen ‚Das Volk sind wir‘-Skandierenden“, die 1989 in Leipzig marschierten. Maurer beschwört eine Protestgemeinschaft „vom Krawattenträger bis zum Ökofreak“ und träumt von einer „einer politischen, wenn nicht historischen Wende. Das geschieht in einem Magazin, das die „Waldorfpädagogik heute“ vermitteln möchte und das vom „Bund der Freien Waldorfschulen e.V.“ herausgegeben wird. Der Beitrag von Mathias Mauer, vom November 2010, macht deutlich, dass das offizielle Organ der Waldorfpädagogik eine politische Linie verfolgt, der es um mehr geht, als um schnöde Pädagogik. Hier geht es um eine politische Linie, die ein „Volk“ konstruiert und ihm Heldentaten andichtet. Das ist nur konsequent. Denn bereits Steiner widmete sich, so berichtet sein Biograph und Weggefährte Friedrich Rittelmeyer, dem deutschen „Volk“. Steiner hätte sogar „seine Liebe“ einer ominösen „deutschen Weltaufgabe“ gewidmet; „aber es war eine Liebe der Hoffnung und der Sorge“, so zumindest Rittelmeyer in seiner Steiner Biographie. Wenn also heute in der „Erziehungskunst“ das „Volk“ bemüht wird, bewegt sich die Zeitung nur auf den Spuren des Begründers der Waldorfschulen.

Dieters Welt.

In seiner Biographie „Nichts als die Wahrheit“ erzählt Diether Bohlen ein paar Anekdoten aus seiner wilden Jugend. Auf seiner Gitarre habe er Protest-Songs geklampft. Bohlens Vater – ein Bauunternehmer aus Oldenburg – warnte den rebellischen Nachwuchs, dass dieser als Strassenmusiker am Hauptbahnhof enden könnte. Ganz so ist es allerdings nicht gekommen. Vor dem großen Reichtum und der Karriere mit „Modern Talking“ stand allerdings noch die jugendliche Rebellion an. Heute gibt Bohlen seinen sozialdemokratischen Lehrern die Schuld. Weil die ihn indoktriniert hätten, so schreibt der heute parteilose Bohlen, sei er den „Jungsozialisten“ beigetreten. Doch von seinem vorherigem Eintritt in die „Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend“ (SDAJ) und in die „Deutsche Kommunistische Partei“ (DKP) schweigt Bohlen in seiner Autobiographie. Dabei könnte es doch diese Zeit gewesen sein, die Bohlen in seinem Buch „Nichts als die Wahrheit“, das er zusammen mit Katja Kessler, Klatschkolumnistin der „Bild“–“Zeitung“, geschrieben hat, erwähnt. Es muss irgendwann in den 70ern Jahren des letzten Jahrhunderts zugetragen haben, lange Zeit vor „Modern Talking“, als Bohlen gegen seinen Vater – den „Oberkapitalisten“ – rebellierte, in dem er eine „rote Fahne, mit Hammer und Sichel“ auf dem „hässlichen Flachdach“ des heimischen Elternhauses befestigte und über Mercedes und den Kapitalismus wetterte. Was folgte war die Reaktion des Vaters, der den jungen Dieter zur „Rücksprache“ ins Badezimmer beorderte, um dem späteren Star des deutschen Boulevards solche Flausen ein für alle Mal auszutreiben. Ansonsten wäre aus Dieter Bohlen vielleicht kein gefeierter deutscher Star, sondern ein erfolgloser deutscher Arbeiterführer geworden…

… der ganze Artikel findet sich im neuen Reflexion-Weblog: KLICK!

Führerfigur.

Die „Freien Waldorfschulen“ gelten gemeinhin als freie Schulen, an denen Schüler_innen ohne Notendruck lernen dürfen. Dabei hatte bereits deren Begründer Rudolf Steiner, den Unterricht als „religiöse Tat“, als eine „Art Gottesdienst“ verstanden, bei der der Lehrer als Führerfigur agiert…

… den ganzen Artikel gibt es im neuen Reflexion-Blog. Er kann dort gelesen werden: KLICK!

Hausbesetzung à la RTL.

In der RTL-Seifenoper „Unter Uns“ dürfen die Zuschauer_innen den Protest einiger junger Künstler_innen erleben, die ihre Produktionsmittel einfach besetzen, nachdem die neue Besitzerin des alten Lokschuppens, Eva Wagner, ihnen eine Kündigung innerhalb der nächsten 48 Stunden ausgesprochen hat. „Die Kids“ greifen zu den altbewährten Mitteln. Schnell sind ein paar Transparente, mit den üblichen Parolen beschriftet: „Wir bleiben alle“, heißt es auch in der RTL-Seifenoper.

Die Bewohner_innen des Kölner Kiez schlagen sich mehrheitlich auf die Seite der Besetzer_innen, nachdem die örtliche Presse über die Methoden der „Spekulantin“ berichtet. Die Hausbesitzerin wird daraufhin auf offener Straße beschimpft. Als „die Kids“ allerdings erfahren, dass es Kündigungsfristen und Rechte für Mieter_innen gibt, sind sie halbwegs beruhigt und die „Hausbesetzung“ wird für’s erste beendet. Diese Inhalte, die den Fans von verkürzten Kapitalismuskritiken durchaus gefallen dürften, gibt es jeden Tag um 17.30 bei RTL zu bestaunen.

Rechtes Zeitungstreffen.

Der selbsternannte „Linksnationalist“ Jürgen Elsässer lädt mal wieder ins „Russische Haus“ nach Berlin ein. Diesmal geht es nicht um ein Zusammentreffen der anti-europäischen Rechtspopulisten, wie am 25. September diesen Jahres, als Elsässer und seine „Volksinitiative“ unter anderem Nigel Farage und Karl Albrecht Schachtschneider eingeladen hatten, während die Band „Die Bandbreite“ für die musikalische Untermalung sorgte.

Diesmal möchte Elsässer sein neuestes publizistisches Projekt vorstellen, das – wie seine „Compact“ Buchreihe – im „Kai-Homilius-Verlag“ erscheinen soll. Es geht um das „Compact-Magazin“, einer Monatszeitschrift, für die sich Elsässer verantwortlich zeichnet und deren Nullnummer im Dezember diesen Jahres erscheinen soll…

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Kein Vergeben – Kein Vergessen.