Am vergangenen Sonntag zeigte RTL mal wieder eine Eigenproduktion, für die der Fernsehsender berühmt und berüchtigt ist. „Bermuda-Dreieck Nordsee“ lautete der Name des Streifens, für den RTL wochenlang geworben hatte. Der Film handelt von einer fiesen Konzernchefin, die die deutsche Umwelt versaut. In der originalen Fassung lautete der Name der Firma „Global Senergy“, fast wie der Name der schottischen Energiefirma „Senergy“. Nach rechtlichen Drohungen wurden sämtliche Szenen entfernt oder überarbeitet, in denen der Name der Firma zu sehen oder zu hören ist. Einige Szenen wurden in aller Eile nachsynchronisiert. Daher konnte der Film dann am Sonntag, den 25.09.2011, doch noch gesendet werden. Eigentlich schade: Den Zuschauer_innen wäre einiges erspart geblieben…
Archiv für September 2011
Am morgigen Donnerstag, den 29.09.2011, hat Eva Herman ihren großen Auftritt in Arnstadt. Hier wird die Autorin aufgrund einer Einladung des „Arnstädter Stadtecho“ sprechen. Die „freie Heimatzeitung“ hat die Autorin und Nachrichtensprecherin des esoterischen und verschwörungsideologischen Kopp-Verlags eingeladen, der Bücher wie „Albtraum Zuwanderung“ des Rechtspopulisten Udo Ulfkotte oder die Machwerke des Antisemiten Udo Holey (alias Jan von Helsing) vertreibt.

Eva Herman ist eine Moderatorin der Internet-Nachrichten des Verlags, in dem verschiedene Verschwörungstheorien beworben werden, zu denen es oftmals ein Buch des Verlags zu erwerben gibt. So berichtet Eva Herman in den Kopp-Nachrichten vom 16.08.2011 über eine angebliche Forstwagenverschwörung, mit der die Wiedereinführung der Deutschen Mark betrieben werden würde. Am 11.07.2011 bewirbt sie einen anti-amerikanischen Aufmarsch in Karlsruhe, an dem sich mehr als 400 Menschen beteiligten. Die Nachrichten des Kopp-Verlags finden sich nicht nur auf vielen Internetseiten der Verschwörungs-Szene, sondern auch regelmäßig auf Nazi-Seiten, so zum Beispiel auf der Nazi-Seite „Altermedia“, auf der eine unverhohlene antisemitische Hetze in „Stürmer“-Manier betrieben wird.
Eva Herman betreibt für den Verlag ihren Anti-Feminismus, für den sie berühmt und berüchtigt ist. Ihr dort erschienenes neuestes Buch, „Die Wahrheit und ihr Preis“ , wurde unter anderem in mehreren Artikel in der Bild-„Zeitung“ beworben, die Auszüge aus dieser Schrift veröffentlichte. Nicht nur in diesem Buch betreibt sie die Inszenierung als Opfer einer vermeintlichen „Political Correctness“. Am 21.09.2011 war sie in der Sendung „Club 2″ des zweiten österreichischen Fernsehens (ORF2) zu sehen. In dieser Talkshow spulte sie ihr übliches Programm ab und inszenierte sich als Opfer übler Machenschaften. Diese Inszenierung wird sie auch am 29.09.2011 betreiben.
Auf der Internetseite der Stadt Arnstadt wird Eva Herman als „beliebte Moderatorin und langjährige Nachrichtensprecherin der Tagesschau“ beworben, die „ein Tabu“ gebrochen hätte. Deswegen sei es zu einer „öffentlichen Hexenjagd“ der „linksfeministischen Szene“ gekommen, an deren Spitze Alice Schwarzer und Johannes B. Kerner gestanden hätten, die sie vor ein „Inquisitionstribunal“ stellten. Diese Selbstdarstellung hat die Stadt direkt von Eva Herman übernommen.
Das der Auftritt der Eva Herman auf den Internetseiten der Stadt beworben wird sollte nicht verwundern. Schließlich steht mit Bürgermeister Hans-Christian Köllmer ein „überzeugter Rechtspopulist“ an der Spitze der Stadtverwaltung, die von der Wählervereinigung „Pro Arnstadt“ dominiert wird. Als deren „inoffizielles Organ“ gilt das „Arnstädter Stadtecho“. Eva Herman befindet sich also in passender Gesellschaft.
Der Auftritt ist allerdings auch Anlass für eine „Kundgebung gegen den völkischen Wahn von Eva Herman, Pro Arnstadt und dem Arnstädter Stadtecho“, die von der Antifa Arnstadt/Ilmenau organisiert wird. In einem Aufruf werden Eva Herman und die Organisatoren der Veranstaltung als „besonders regressive Vertreter bürgerlicher Ideologie“ beschrieben. Sie seien „ein Produkt jener Gesellschaftsordnung, die wir als Ganzes ablehnen, nicht nur weil sie derartige Demagogie notwendig hervorbringt, sondern weil sie einem guten Leben für alle Menschen im Wege steht“.
Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite der Antifa Arnstadt/Ilmenau.
(Via: Bubi Zitrone)
Der Aufstieg der Piratenpartei, die bei den Landtagswahlen in Berlin 8,9-Prozent erreichte, beschäftigt nicht nur Politikwissenschaftler_innen, Journalist_innen und Computer-Nerds, sondern auch einen Querfrontler, der davon träumt, dass „Linke, Rechte“ und „Religiöse“ zusammenarbeiten, um „die Globalisten“ zu „schlagen“ . Es handelt sich um Jürgen Elsässer, der mit seinem „Compact“-Magazin „demokratische Linke“ und „demokratische Rechte“ vereinen möchte…
Auf verschiedenen Internetseiten der Verschwörungsszene findet sich bis heute eine kleine Geschichte über den Absturz von Flug 93, in der Nähe der Ortschaft Shanksville, am 11. September 2001. Hier wird ein Shanksville-Mythos reproduziert, der auf den Verschwörungsideologen Gerhard Wisnewski und seinen Kompagnon Willy Brunner zurückgeht. Sie zitieren in ihrer Dokumentation „Aktenzeichen 9.11. ungelöst – Lügen und Wahrheiten zum 11. September 2001″ den Bürgermeister von Shanksville, Ernie Stull.
Durch geschicktes Schneiden des Interviews, entstand der Eindruck, dass der Bürgermeister behauptet hätte, es hätte am 11. September 2011 keinen Flugzeugabsturz gegeben. „Da war kein Flugzeug“, kommt der Bürgermeister Ernie Stull in der Dokumentation zu Wort. Doch im originalen Wortlaut wird deutlich, dass der Bürgermeister damit lediglich feststellen wollte, dass Flug 93 durch den Aufprall fast vollkommen zerstört und lediglich Trümmerteile gefunden wurden…
Der italienische Dokumentarfilm „Zero: An Investigation into 9/11″, der hierzulande auf den Titel „9/11 – Was steckt wirklich dahinter“ getauft wurde, lief vor einiger Zeit im zweiten Programm des Österreichischen Rundfunks (ORF). Außerdem ist der Film öfter in verschiedenen Kinos zu sehen, die mit speziellen Programmen den Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 begehen. Der Produzent des Films ist der ehemalige italienische Abgeordnete Giulietto Chiesa. Er hätte „solide Arbeit“ geleistet, heißt es in einer Film-Rezension des „Schattenblicks“. Der Film findet sich auf zahlreichen Internetseiten aus dem verschwörungsideologischen Milieu, aber auch auf den Seiten der „Freien Nationalisten Saalfeld“. Der Film wird nicht nur dort als „penibel recherchierte“ Dokumentation beschrieben, die zu „verblüffenden neuen Thesen und Erkenntnissen“ führen würde…
Die von der deutschen Ideologie formulierten und ausgeführten Ausschlüsse gehen weit über die hinaus, die für die kapitalistische Produktionsweise notwendig sind. Nicht nur der über den Sieg an der Ostfront gestellte Betrieb der Vernichtungslager bleibt unerklärlich, wenn man sie nicht mitdenkt, sondern auch der deutsche Alltag. Immer noch wird diese Ideologie jeden Tag reproduziert und in der Praxis vollzogen: von den Vertriebenenverbänden, die keinen Frieden mit Polen und Tschechien schließen wollen, von den Antiziganist_innen, die im Juli 2011 in Leverkusen ein von Roma bewohntes Haus anzündeten, von Sachbearbeiter_innen im Jobcenter, von Fußballkommentator_innen, die von ‚deutschen Tugenden‘ im Sport faseln, von Nazischläger_innen auf der Straße – und von linken Antisemit_innen, die dasselbe hassen wie ihre Nazigroßeltern: die USA und Israel.
Gegen sie alle gilt es, weiterhin die Kritik an den deutschen Verhältnissen zu schärfen und dabei auch jene einzubeziehen, die über eine verflachte Analyse der Verhältnisse und der Nation im Speziellen sowie den Aufruf zur Praxis versuchen, die ‚linke Masse‘ zu mobilisieren. Solange die Mehrheit der Bevölkerung bis hinein in die radikale Linke weiterhin der deutschen Ideologie anhängt, wird sich eine radikale Kritik notwendig gegen diese richten müssen.
Aus einem Aufruf gegen die Einheitsfeierlichkeiten am 3. Oktober 2011 in Bonn.
Die sehenswerte Dokumentation „Die 9/11 Experimente – Verschwörungen auf dem Prüfustand“ widerlegt zahlreiche Verschwörungstheorien rund um den 11. September 2001 und konfrontiert die Verschwörungsideologen mit wissenschaftlichen Beweisen: „Das sind alles nur Behauptungen und Anspielungen, wenn man eine Sache erklärt, kommen sie mit etwas anderem. Das hört nie auf. Aber niemand konnte auch nur einen einzigen Beweis erbringen, dass die Gebäude gesprengt wurden“.

An einer Demonstration der Verschwörungsfans, bei der das Märchen von der Sprengung des World Trade Center in die Öffentlichkeit getragen wurde, nahmen am 10.09.2011 zwischen vier- und fünhundert Menschen teil, die der Hass auf die Vereinigten Staaten von Amerika auf die Straße trieb. Der Aufmarsch stellte einen geistigen Abgrund dar, dem sich die deutsche Verschwörungsszene ergeben hat. Hier kamen Verschwörungsfans, Chemtrail-Ideologen und Sekten-Mitglieder zusammen, um gegen die USA zu hetzen. Hier wurde an deutsche Gefühle appelliert, hier wurden die USA zu den eigentlichen Terroristen gemacht. Hier wurde ein Jahrhundert der Verschwörungen propagiert, mit dem auch Kriege wie der zweite Weltkrieg umgedeutet werden können…
Am 10. September 2011 versammelten sich mehrere hundert Menschen in Karlsruhe, um für „die Opfer und die Wahrheit“ auf die Straße zu gehen. Es handelte sich um eine Aktion der Verschwörungsszene, von organisierten „Truthern“ und „Infokriegern“, die die historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeuten. Die terroristischen Anschläge seien nicht durch fanatische Mitglieder al-Qaidas ausgeführt worden, sondern in Wirklichkeit das Werk einer Verschwörung gewesen. Diese Verschwörung wird wahlweise der amerikanischen Regierung oder gar dem israelische Geheimdienst Mossad angelastet, die für den „Inside Job“ verantwortlich gemacht werden. Am 10. September 2011 war die Verschwörungsszene in Karlsruhe unterwegs und stellten ihre wachsende Handlungsfähigkeit unter Beweis….