Die Rückkehr der Eva H.


Mit einer Art „Tageschschau“ für das Internet versucht der verschwörungstheoretische, rechtskonservative „Kopp-Verlag“ für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Nachrichten werden von der „Kopp“-Autorin und ehemaligen „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herrman moderiert, die in den vergangenen Monaten ein Buch im Verlag veröffentlichte, aber auch für die Nachrichtenseiten des Verlags schrieb. Dort warnte sie vor „Gender-Mainstreaming“ und anderen angeblichen Gefahren, die die deutsche Familie zerstören würden.
Im „Kopp-Verlag“ werden aber auch die Bücher des an­ti­se­mi­ti­schen „hohle Erde“ Theo­re­ti­kers Jan Udo Holey (alias „Jan von Hel­sing“) vertrieben. Ebenso erscheinen dort die Bücher des an­geb­li­chen „Is­lam-​Kri­ti­kers“ Udo Ul­fkot­te, der sein Buch im „Kopp-​Ver­lag“ mit einer „gro­ßen Deutsch­land­kar­te zum Her­aus­neh­men“ be­wirbt, auf denen alle „bür­ger­kriegs­ge­fähr­de­ten Ge­bie­te“ zu fin­den sind, die an­geb­lich auf­grund „eth­ni­scher Span­nun­gen“ in den Großstädten der Bundesrepublik ent­ste­hen wür­den. Aktuell spricht Eva Herman nicht nur die „Nachrichten“ des Verlags, die sich auch auf den üblichen Videoportalen finden lassen, sondern hat – natürlich auch im „Kopp-Verlag“ – ein Buch veröffentlicht, in dem sie ihren skandalträchtigen medialen Abgang vermarktet. „Die Wahrheit und ihr Preis“ nennt sich das neueste Machwerk der Eva H., das es aktuell auf Platz 21 der „Spiegel-Bestsellercharts“ geschafft hat.


Faksimile der „Kopp“-Nachrichten.

Dieser obskure „Kopp-Verlag“ findet immer wieder seinen Weg in die großen Medien. Als Vehikel dient ihm Udo Ulfkotte, aber vor allem Eva Herrman, die sich einer teilweisen Rückkehr in die großen Medien sicher ist, seitdem sie exklusiv für die „Bild“–“Zeitung“ ihre Sicht auf die Dinge veröffentlichen konnte, die zur ihrer Entlassung beim NDR führten. Das Boulevard-Blatt war sich nicht zu schade, die Buch-Erinnerungen der Herman in Auszügen abzudrucken. Im Mai veröffentlichte die „Bild“–“Zeitung“ ganze vier Artikel über die rechtskonservative Anti-Feministin: „Eva Herman rechnet mit ihren Kritikern ab“ hieß nur eine der reisserischen „Bild“-Schlagzeilen. Knapp drei Jahre zuvor hatte Eva Herman die nationalsozialistische „Familienpolitik“ gelobt und musste kurz darauf den NDR verlassen.
Die fünf Minuten langen „Nachrichten“ des „Kopp-Verlags“ haben es wiederum bis in einen Bericht des Fernsehsenders RTL geschafft. In der Sendung „Exclusiv – Weekend“ (06.06.2010), in der die neuesten News über „die Schönen und Reichen“ verbreitet werden, wurden die „Nachrichten“ des „Kopp-Verlags“ beworben. Dort gab es natürlich kein Wort der Kritik an den Positionen Eva Hermans, die während der Europawahlen 2009 die rechtsklerikale Kleinstpartei „AUF“ unterstützt hatte und die nach eigenen Angaben einen Kampf gegen „grau­si­ge Ideo­lo­gie der Gleich­heit von Mann und Frau“ führt. Ebenso kein Wort der Kritik an dem Verlag, in dem Eva Herman publiziert. Etwa über Bücher, in dem für das Attentat auf John F. Kennedy „CIA, Mafia und Hochfinanz“ verantwortlich gemacht werden oder in denen der Selbstmord des FDP-Antisemiten Jürgen Möllenmann umgedeutet wird.
Stattdessen gab es bei „RTL Exclusiv Weekend“ also eine Werbung, die nicht als solche gekennzeichnet war und die dem „Kopp-Verlag“ den ein oder anderen Klick durch interessierte Zuschauer_innen beschert haben dürften, die durch „RTL-Exclusiv-Weekend“ auf die „Nachrichten“ des „Kopp-Verlag“ aufmerksam wurden. Ebenso dürfte es den Leser_innen der „Bild“ ergehen, die durch einen weiteren Artikel über Eva Herman über ihre neueste Karriere informiert wurden: „Ich finde gut, dass wir dort Nachrichten bringen können, die sonst nicht so im Fokus stehen“ sagte Herman der „Bild“. Ein Blick in die bisherigen Sendungen offenbart wenig Überraschendes: Verschwörungstheorien, wie die baldige Einführung des Impstoffs gegen Krebs, Ulfkotte-Texte über die „IHH“ und die Paranoia vor dem EU-Parlament, das angeblich bestimmte Rollenbilder verbieten wolle, durchziehen die „Nachrichten“ des „Kopp-Verlags“ wie einen roten Faden. Dank der tatkräftigen Unterstützung durch „Bild“ und RTL könnte Eva Hermans Rückkehr vor die Bildschirme tatsächlich glücken. Zumindest erstmal im Internet.

Update (23.06.2010): Eva Herman wird durch den ehemaligen „Marienhof“-Darsteller Michael Meziani ergänzt. Einen Artikel gibt es hier.

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7 Antworten auf „Die Rückkehr der Eva H.“


  1. 1 Entdinglichung 10. Juni 2010 um 9:19 Uhr

    diese von ihr promotete Kampagne gegen Gender Mainstreaming wurde m.E. vor allem von der Jungen Freiheit und der Evangelischen Allianz getragen

  2. 2 Travers 13. Juni 2010 um 22:45 Uhr

    Hat der Kopp-Verlag auch ne SPort-ABteilung?

    http://www.youtube.com/watch?v=sXj2yddt0ro&feature=player_embedded

  3. 3 Anton 29. Juli 2010 um 2:52 Uhr

    „Knapp drei Jahre zuvor hatte Eva Her­man die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche „Fa­mi­li­en­po­li­tik“ ge­lobt und muss­te kurz dar­auf den NDR ver­las­sen.“ – Ich dachte, das sei per Gerichtsurteil geklärt worden und wer diese Worte so oder sinngemäß weiter verbreitet, macht sich strafbar.
    Sie hat diese Zeit nicht gelobt, sondern genau das Gegenteil war der Fall. Sprachwissenschaftlich sogar belegt. Aber auch wer der deutschen Sprache mächtig ist, lesen kann, muss das doch verstehen, wenn er das ganze ZITAT liest!!
    Wenn man Ihnen Glauben schenken soll, sollten Sie solche Missgeschicke vermeiden, denn andere Themen und Thesen erscheinen so für den Leser unglaubwürdig.

  4. 4 BillBrook 25. August 2011 um 9:20 Uhr

    @Anton: Nun hat aber dummerweise das höchste deutsche Gericht, der Bundesgerichtshof anders entschieden. Im Endurteil von herman gegen den NDR Und den Springerverlag wurde entschieden, dass das Gestammel der hermann genauso gedeudet werden kann, wie es vom NDR gedeutet wurde.

    Wenn Sie also „dachten, das wäre per Gerichtsurteil geklärt,“ haben Sie falsch gedacht. Auf gerichtsurteile sollte man sch immer erst nach der der letzten Instanz bwerufen, sonst verbreitet man sehr leicht Falschmeldungen.

  1. 1 Manchmal kommen sie wieder. « Reflexion Pingback am 23. Juni 2010 um 16:38 Uhr
  2. 2 Eve Herman zur Loveparade: Gottes gerechte Strafe? Pingback am 25. Juli 2010 um 20:41 Uhr
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