In der unregelmäßigen Reihe der „doofen Deutschen“ präsentiere ich ein ganz besonderes Exemplar dieser Spezies. Dieses possierliche Exemplar versucht sich in einer Art Sprechgesang in seiner heimischen Umgebung. Dabei verbindet er, recht typisch für einen stolzen, doofen Deutschen, rassistische Hetze mit nationalsozialistischen Grußbotschaften. Technisch bewegt er sich auf dem Niveau, dass mensch aus „Deutschland sucht den Superstar“ und den anderen Shows, in denen Stars produziert werden, kennt. Mensch beachte außerdem die gewagten Tanzeinlagen und die beachtliche Kameraführung. Seht selbst: Anschauen auf eigene Gefahr!
Lauschen
Nach meinem Beitrag über die „Punk“-Band „SS-Kaliert“ dauerte es nicht lange, bis Band und Fans auf den Artikel aufmerksam wurden. „SS-Kaliert“ ist eine „Punk“-Band, die mit problematischen Texten und einem problematischen Namen auf sich aufmerksam macht. Die Band wurde aufgrund des „SS“ im Namen gerade zu niedrigen Geldstrafen verurteilt, was die Band gar nicht fassen konnte, obwohl die offizielle Ausrede immer mal wieder in Interviews wiederholt wird. In Wirklichkeit stehe das „SS-Kaliert“ für „es es kaliert“, so die Ausrede, die wie ein Mantra wiederholt wird. In meinem Beitrag hatte ich auf Bandtexte und den Namen verwiesen und eine freundliche Kritik formuliert.
Die Adressat_innen wollten die allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Den Anfang machte „Benni“, ein Mitglied der Band „SS-Kaliert“: „danke für die gratis Werbung du spast“ hieß es in einem Kommentar, bei dem „Benni“ seine Aversionen gegen den „Spast“, das heißt mich Autoren, deutlich machte und einen eindrucksvollen Beweis seiner Behindertenfeindlichkeit hinterließ.
Da wollten Fans und Freunde nicht nachstehen: „Fragezeichen-Journalismus unter BILDzeitungs-Niveau“, „hirnrissig“, „Hetze“, „Vollkommen armselig“ meinte „California_Babylon“. „Heulsusen“ und „Trottel“ meinte „Bauar“, der sich ansonsten „auf den tag“ freute, „wo irgendjemand eure identität rausbekommt und euch,mit nen paar ‚gut recherchierten‘ infos schön mit fotos im netz stellt“.
Neben diesem Wunsch nach Anti-Antifa dominierten die Beleidigungen: „Affen“ meinte „Joseph“ während „Bauar“ einige Überlegungen über Antifaschist_innen anstellte: „benehmt euch nicht so wie nazis,dann nennt euch auch keiner so“. Anders sah das wohl „California Babylon“, der mich „Maulhelden“ belehrte: „Dein Text hat mit Antifa nichts zu tun“. Das fand auch ein anderer „Antifaschist“, der dazu aufforderte, sich nicht von „diesem Antideutschen verarschen“ zu lassen. Als Hausaufgabe gab er mir auf den Weg, „erstmal selbst antifaschistisch und emanzipatorisch“ zu werden.
„Buddy“ belehrte mich kurz darauf, dass „das die Band deinen Blog als etwas gutes (was er eigentlich auch ist) supportet und weiterempfohlen hat“ und nun tief enttäuscht sei. In dieser Aufzählung fehlt nur noch „Meineid“, der seine Meinung hören ließ. Für ihn sei die Kritik an „SS-Kaliert“ nichts anderes als „Mädchenklotratsch“: „Es ist hinterfotzig und feige, könnte aber noch ganz lustig sein“. Der Sexist bemühte sich aber meine Lebensplanung zu durchschauen und riet mir zu einem Studium, damit ich bloggen lerne: „Wenn Du eines Tages mal was studieren solltest, wirst Du das noch lernen.“ Bis dahin, so riet mir „California Babylon“, sollte ich allerdings „den Artikel lieber rausnehmen“. „Tobi“ wollte wiederum nicht einsehen, dass Konzentrationslager etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun haben: „Kzs sollen klar Nazimässig sein?Schon ma nach Bosnien geschaut?oder die Sowjetlager?“ Sein Urteil: „Ihr seit irrationale Spinner“. Jede Band hat eben die Fans die sie verdient.
Den Artikel mit zahlreichen Kommentaren kann mensch hier lesen.
Während andere Eltern ihre Kinder zum Fußball, Angeln oder Spazierengehen nötigten hatten mein Vater ein ganz anderes Hobby. Kaum hatte er etwas Zeit angelte er aus seiner gigantischen Plattensammlung irgendeine Langspielplatte eines Sängers. Damit sind nicht irgendwelche Sänger_innen, sondern die Liedermacher_innen der 60er, 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gemeint. Am Sonntag wurde ich also nicht zum Fußball spielen genötigt. Dafür liefen von Morgens bis Abends die Gesänge der Liedermacher_innen: Vom B wie Biermann über D wie Degenhardt bis zu W wie Wader. Am Sonntag immer wieder das Lied vom „Preussischen Ikarus“, die „Che Guevara“ Hymne und die „Liebeslieder“-Langspielplatte vom Biermann. Am Montag dann die „Schmuddelkinder“, mit denen mensch nicht spielen sollte, gefolgt vom Lied über den „ewigen, alten Sozialdemokraten“, gesungen von Degenhardt. Am Dienstag folgten die „Arbeitereinheitsfront“ und die „Internationale“, intoniert von Hannes Wader. Am Mittwoch wurde der Kreislauf mit den Liedern vom Sonntag von vorne begonnen.
So habe ich in meiner Kindheit Lieder gehört, deren Inhalte sich mir erst später erschlossen: Ein Beispiel ist der Liedermacher Franz Josef Degenhardt mit einem Gedicht namens „Die Sprache der Mörder“. Entstanden ist es 1973, also 28 Jahre nach dem Ende der Shoa. Doch Degenhardt dichtete nicht gegen Deutschland und seine Mörder_innen, sondern gegen den Krieg, den die USA in Vietnam führten. Aufgrund der Kriegsverbrechen, die von der US-Army begangen wurden, war es wahrscheinlich einfacher sich über „Kaffee, Coca, Country- und Rockmusik“ zu belustigen und Englisch als die „Sprache der Mörder“ zu bezeichnen:
„Ja, das ist die Sprache der Mörder. Die in fliegenden Festungen bei Kaffee, Coca, Country- und Rockmusik von ihren Mädchen sprechen. Über Haiphong oder irgendwo über Laos, Kambodscha und wer weiß wo noch bald den Knopf drücken“.Dieser Umstand eines rigiden Anti-Amerikanismus, der keine berechtigte Kritik an den Kriegsverbrechen in Vietnam formulierte, sondern sich über „Coca“ und „Country“ amüsierte, habe ich erst später begriffen. Der deutsche Degenhardt schwadronierte nach der Shoa von der „Sprache der Mörder“. Es war nicht seine Sprache, die er meinte und in der er sprach, sondern das Englisch der USA. Diese Ekelhaftigkeit hat mich früher aber nicht davon abgehalten, dem Mitglied der „Deutschen Kommunistischen Partei“ (DKP), der die Ausbürgerung seines Kollegen Wolf Biermann begrüßt hatte, begeistert zu lauschen. Irgendwann hatte ich aber die Bilder aus Auschwitz und dem Warschauer Ghetto vor Augen. Wurde dort nicht viel eher die „Sprache der Mörder“ gesprochen?
Es ist „eigentlich unglaublich“ in der Sprache der Mörder_innen solche Gedichte zu verfassen. Aber mensch muß Degenhardt zu Gute halten, dass sein anti-amerikanisches Weltbild immerhin die Vision eines anderen Amerika zuließ: Englisch sei „auch die Sprache von Angela Davis“, die damals fast zu Unrecht zum Tode verurteilt worden war. Es sei auch die Sprache des „Charlie Parker“, „Luther King und von Millionen, die schreien und sprachlos schweigen“. Es sei die „Sprache der Lieder die wir gerne hören. Bei aller Wut, vergesst das nicht“. Degenhardt appellierte an den Mob, dem es nicht um eine berechtigte Kritik am Krieg in Vietnam ging, sondern um Ressentiment gegen die USA, die sich zum Beispiel in politischen Parolen wie „USA – SA – SS“ ausdrückte. Er appellierte aber auch an seine eigenen Zuhörer_innen, die er in klarstem Deutsch besang: Als die Verkörperung des orthodoxen kommunistischen Dichters, der sein Anti-Amerikanisches-Ressentiment mit der Vision eines anderen, besseren Amerika verband, kam er beim geneigten Publikum auch eine Weile gut an. Heute hören nur noch alte Alt-Linke, orthoxe Nachwuchskommunist_innen den und ich den „Sprache der Mörder“ Autoren.
Heute zeigt so eine Band wie „Rammstein“ wie Anti-Amerikanismus auf der Höhe der Zeit funktioniert.
„Rammstein wissen in ihrem neuesten Lied, America, was an den USA zu kritisieren ist: dass sie den Globus kulturell verheerten und vereinheitlichten. Alle Völker, Ethnien und Rassen hingen am Tropf der US-Kultur, Buddhisten essen Burger, der Moslem in der Wüste zieht die Nikes aus, bevor er den Gebetsteppich betritt usf. Die kulturelle Vielfalt, im Video so schön warm ausgeleuchtet und coloriert, werde durch den Einfluss der USA abgeschafft“.( Quelle)Damit ist die Jugend heute eher zu beeindrucken. Gitarrenzupfen und Dichten reicht nicht mehr aus. Ich weiß aber das ich meine ungeborenen und volllkommen ungeplanten Kinder weder mit Degenhardt noch mit „Rammstein“ malträtieren werde. Aber vielleicht mit „Egotronic“ und den „PetShopBoys“.
Der „Liedermacher“ Wolf Biermann ist eine Person, die es hervoragend verstanden hat, sich gesellschaftlichen Veränderungen zu unterwerfen. In den 50′er Jahren übersiedelte Biermann in die DDR. Dort wurde er zum oppositionellen Sozialisten, was die DDR zuerst mit Auftritts-Verbot belegte. Dann ließ mensch den renitenten Biermann 1976 zu einer Auslandstournee in die Bundesrepublik ausreisen. Mensch hielt es für einen guten Plan, den unbequemen Sänger nach seinem Konzert in Köln, auszubürgern. „Bürger Biermann“ durfte nicht mehr ins Land einreisen. In der BRD versuchte sich Biermann zuerst in vulgärer Arbeiterklampfen-Romantik, die aber durch einen immer regideren Antikommunismus, der sich nur vorgeblich gegen den real existierenden Sozialismus richtete, ersetzt wurde. „Nur wer sich ändert bleibt sich treu“ wurde das Motto des wandlungsfähigen Chamäleons. Den stalinistischen Klassiker „Die Partei hat immer Recht“ konnte Biermann sowohl in der DDR für die SED als auch in Bayern für die CSU intonieren. Später intonierte er, sich auf den Widerstand gegen den Nationalsozialismus berufend, ein „ausgewogenes Lob der Lynchjustiz“ und rief dazu auf „Egon Krenz an die Laterne“ zu hängen, um sich dann doch noch für den „Sturz ins Weiterleben müssen“ zu entscheiden:
„Falls im Grauen des Morgengrauens, wenn die Diktatur gestürzt ist und das neue demokratische Recht noch nicht gilt, der Pöbel schreit: Hängt das Pack auf! – dann gehöre ich zum Pöbel. Und wenn dann die empörten Menschen in ihrem Zorn ein paar besonders verächtliche Menschenquäler töten, will ich ihnen nicht in den Arm fallen. Im Gegenteil, ich würde sie umarmen. So eine verbrecherische Triebabfuhr im Affekt mindert den gefährlichen Selbsthass des demoralisierten Volkes.“
In meiner Reihe der ganz besonders doofen Deutschen präsentiere ich diesen Nachwuchs-Nazi namens Martin, der sich an einem Lied namens „Das Ende“ versucht. Im Original stammt es vom Nazi Marco Laszcz beziehungsweise seiner Nazi-Band „Sleipnir“. Nachwuchs-Nazi-Martin ist stolz darauf, dass „die soldaten früher standgehalten“ hätten und steht ansonsten auf die „Schöne Neue Welt“ der Band „Culcha Candela“.
Einige Tage nach der Wahl begab ich mich in die virtuelle Gesellschaft von 85 verschiedenen Nazis. Die hatten sich auf einer Seite versammelt, auf der der ehemalige Waldorflehrer Andreas Molau (siehe Fotos) per Video-Konferenz Rede und Antwort stand. Molau ist mitlerweile der „Bundespressesprecher“ der „Deutschen Volksunion“ (DVU), also der zweiten bedeutenderen Nazi-Partei neben der „Nationaldemokratischen Partei Deutschland“ (NPD). Dort hatte Molau unter anderem für die sächsische Landtagsfraktion gearbeitet, bevor er den Parteichef Udo Voigt beerben wollte, was am massiven Widerstand einiger anderer Nazis gescheitert war. Außerdem arbeitete er unter anderem für die „Junge Freiheit“, geht gerne ins Kino in Braunschweig und ist Vorsitzender der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP).
Da ist es nicht verwunderlich, dass einem an diesem Abend – bei Fragen und Antworten – das kalte Grausen überkommen konnte. Schließlich hatten sich ganz besonders stolze Deutsche versammelt, die aus ihren Gedanken keine Geheimnisse machten. Molau brauchte etwa eineinhalb Stunden für die Beantwortung verschiedenster Fragen, die ihm Nazis aus unterschiedlichen Zusammenhängen stellten: So antwortete er unter anderem auf Frage, ob die „Türken“ eine „Ausgerottung“ erwarten dürften und brachte seine Einschätzung über Angela Merkel, die er „Speichellecker der US-amerikanischen Imperialisten“ bezeichnete. An dieser Stelle einige Auszüge, die das Weltbild des Nazis Andreas Molau und die Ideologie der Fragesteller_innen deutlich aufzeigen. Ich habe lange nicht mehr solch eine zynische, plumpe und menschenverachtende Propaganda gehört. Aber ich war auch noch nie Teilnehmer irgendwelcher Nazi-Videokonferenzen.
Zur Dokumentation dieser Hetze an dieser Stelle einige O-Töne des Bundespressesprechers der „Deutschen Volks Union“.
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Es war der beste Auftritt seines Lebens. Zumindest wenn mensch der Medienberichterstattung glaubt: „DJ-Karl-Theodor hat es ordentlich krachen lassen“ lobt die „Bild“ – „Zeitung“. „AFP“ meldete bereits vorab, dass „KT“, wie er von Fans und Medien genannt wird, unter dem „sperrigen“ Namen „DJ Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg“ auf einer Open-Air Party des CDU Nachwuchses „Junge Union“ auftreten würde. Die „Financial Times“ hatte nach dem Auftritt ihren „DJ Feelgood“ gefunden und freute sich an der Aussicht, dass der jetzige Wirtschaftsminister „so lässig Sympathien bei den wichtigen Jungwählern“ sammeln würde. Die „Augsburger Nachrichten“ vermelden eine „fetzige Party“, während sich auch der „Donaukurier“ in Hofberichterstattung übt:
„Frenetischer Jubel brandete auf, als der ‚Baron der Herzen‘, als der der Freiherr aus dem Wahlkreis Kulmbach auch schon bezeichnet wurde, in Richtung Bühne marschierte“
Dort – nach dem Marsch – gen Bühne legte Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg dann auf. Wie das ausah sieht mensch hier:
Außerdem ein Video mit „DJ KT“ und ACDC: