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Gleichsetzungen.

Nach antifaschistischen Protesten gegen eine Nazi-Kundgebung in der niedersächsischen Kleinstadt Delmenhorst, die von der Polizei rabiat unterbunden wurden, melden sich auch die dortige Kreisvorsitzende des „Deutschen Gewerkschaftsbunds“ (DGB), Christine Schober, und der Vertreter der „Linken“, Peter Vogel, zu Wort. Anstatt sich mit den legitimen Protesten der Antifaschist_innen zu solidarisieren, betreiben die Vertreter_innen von „Linke“ und „DGB“ eine üble Kampagne, bei der die Antifaschist_innen mit den Nazis gleichgesetzt werden. Das „Verhalten“ der Antifaschist_innen, die den Platz der Nazi-Kundgebung blockiert hatten, sei „genauso unerträglich, wie die Mahnwache der Nazis“, behauptet Schober auf der Titelseite des „Delmenhorster Kreisblatt“. Die „krawallbereiten Mitglieder der Antifa“ hätten sich „ohne Waffen und ohne Sitzblockade“ versammeln sollen, beklagt die „DGB“-Vorsitzende. Staatsbürgerliche Nachhilfe kommt auch vom Kreissprecher der „Linken“, Peter Vogel. Der behauptete in der Lokalzeitung: „Vermummung ist verboten und stellt eine Provokation dar“. Über den rabiaten Polizei-Einsatz, der in einer anderen Zeitung als „teilweises raubeiniges Auftreten“ beschrieben wurde, verlieren sie kein Wort. Über die Vermummung der Nazis schweigen sie ebenso. Peter Vogel („Die Linke“) und Christine Schober („DGB“) betreiben in jedem Fall eine unsägliche Gleichsetzungspolitik zwischen Antifaschist_innen und Nazis. So sieht die politische Praxis der sozialdemokratischen Linken in der deutschen Provinz aus.
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„Kopp“: Ein Verlag ganz Rechts.

Ein Ort, an dem die rechtskonservative Eva Herman und der Hetzer Udo Ulfkotte auf den Verschwörungstheoretiker Gerhard Wiesnewski und den Querfrontler Jürgen Elsässer treffen, ist der „Kopp-Verlag“, der sich als „Verlag (…) für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen, unterdrückte Informationen und Erfindungen und Geheimgesellschaften“ versteht. Zu diesem Zweck druckt der Verlag von Jochen Kopp aus Rottenburg am Neckar nicht nur die Bücher verschiedener Verschwörungstheoretiker_innen, wie zum Beispiel die des antisemitischen „hohle Erde“ Theoretikers Jan Udo Holey (aka „Jan von Helsing“), sondern auch Bücher des angeblichen „Islam-Kritikers“ Udo Ulfkotte, der sein Buch im „Kopp-Verlag“ mit einer „großen Deutschlandkarte zum Herausnehmen“ bewirbt, auf denen alle „bürgerkriegsgefährdeten Gebiete“ zu finden seien, die angeblich aufgrund „ethnischer Spannungen“ entstehen würden.
Doch neben solchen Büchern betreibt der „Kopp-Verlag“ auch eine Nachrichten-Redaktion in der unter anderem Udo Ulfkotte und Eva Herman publizieren. Außerdem schreibt dort der Verschwörungstheoretiker Gerhard Wisnewski, der in schöner Regelmäßigkeit die Artikel und die Fotos solcher „linker“ Gruppen, wie der Gruppe „Arbeiterfotografie“ verwendet. Als letztes waren das die Theorien der „Arbeiterfotografie“, bei denen ein namenloser „Fachpfleger“ den Mord an Neda in Frage stellte. Wisnewski schreibt für die „Nachrichten“ des „Kopp-Verlags“: „An den da­mals welt­weit ver­brei­te­ten Vi­de­os von dem Ge­sche­hen stimmt so gut wie nichts“.
Wisnewski befindet sich mit seinen journalistischem Engagement für den „Kopp-Verlag“ in der passenden Gesellschaft. Die Autor_innen sind eine illustre Runde, bestehend aus rechtskonservativen und verschwörungstheoretische Journalist_innen, aber auch ehemalige Linken. Für den Verlag schreibt beispielsweise die ehemalige NDR-Moderatorin Eva Herman, die mit reaktionären und geschichtsrevisionistischen Thesen auf sich aufmerksam macht. Sie ist Propagandistin eines altertümlichen Gesellschaftsmodells, bei der traditionelle Rollenbilder und reaktionäre Werte der Kitt sind, der die deutsche Gesellschaft zusammenhalten soll: „Muss Deutschland erst noch durch weiteres Elend und tiefgreifende gesellschaftliche Nöte, durch Bindungslosigkeit und Missbrauch, durch Gewalt, Kriminalität, Drogen, Alkohol geschüttelt, gerüttelt und zerstört“ werden, jammert Herman und unkt von den „Schrumpfgermanen“, die durch Einwanderung und Kinderlosigkeit doppelt bedroht seien. Herman steht im Kampf gegen die „grau­si­ge Ideo­lo­gie der Gleich­heit von Mann und Frau“. Auf Kundgebungen unterstützte sie die rechtskonservative christliche Kleinst-Partei „AUF“, die mit dem bezeichnenden Wahlspruch „Wir sind auf“ (!) in den Europawahlkampf gezogen war.
Neben Herman sticht der bereits erwähnte Udo Ulfkotte (s. Foto) aus der Reihe der Autor_innen hervor. Er ist ein rassistischer Autor und Aktivist, der vor „Südländern“ warnt und die Gefahr herbei-hallizuniert, dass die „ethnischen Europäer“ als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt werden würden. Selektion ist seine Sache: Nicht zufällig kommt Ulfkotte auf den Seiten des „Kopp-Verlags“ auf die Idee, eine „Fluggesellschaft“ für Muslime und „natürlich auch alle nicht-muslimischen Gutmenschen“ zu gründen und sie dann „Multikulti-Airlines“ zu nennen (s. Screenshot).

Ein weiterer Autor der News-Rubrik, die den Menschen „die Augen öffnen“ soll, ist der ehemalige Antideutsche und jetzige Antiimperialist und Querfrontler Jürgen Elsässer, der mittlerweile aber vor allen Dingen für den „Kai-Homilius Verlag“ publiziert, der aber auch hier auf Tuchfühlung zu Verschwörungstheorien, rassistischer Hetze und reaktionären Weltbildern gehen konnte. Während er auf der einen Seite mit der „Al Quds Initiative“ aus Berlin kooperiert und mit dieser Aufmärsche gegen Israel organisiert hatte er auf der anderen Seite kein Problem für die „Informationen“ des Kopp-Verlags zu schreiben, in dem sich auch die Texte Ulfkottes finden lassen. Elsässer wird bis heute als aktueller Autor aufgeführt.
Ein anderer Autor des „Kopp-Verlags“ ist der ehemalige Waldorfkritiker Michael Grandt, der mit seinem Bruder Guido das vielbeachtete „Schwarzbuch Anthroposophie“ veröffentlichte. Heute gibt Grandt den Westerwelle für die Nachrichtenseite des „Kopp-Verlags“. Er polemisiert gegen Hartz4-Empfänger_innen, in dem er „Sachleistungen statt Geld“ verlangt. Alkohol, Zigarretten (!) und andere Luxusgegenstände sollen verweigert werden.

Gerhard Wisnewski, der durch die verschwörungstheoretischen Thesen vom Tode Nedas auf sich aufmerksam macht, befindet sich in der richtigen Gesellschaft. Er veröffentlicht neben Eva Herman, Jürgen Elsässer und Udo Ulfkotte seine Theorien über den 11. September 2001 und dem Tode Nedas.
Bei den geschilderten Thesen der verschiedenen Journalist_innen des „Kopp-Verlags“ muss es nicht verwundern, dass sich auch Nazis angesprochen fühlen. So greift das Naziportal „Altermedia“, das von Axel Möller aus Stralsund betrieben wird, in schöner Regelmäßigkeit auf Texte des „Kopp-Verlags“ zurück. Unter den Artikeln finden sich zahlreiche Kommentare in „Stürmer“-Manier, in denen sich der deutsche Mob auslässt. Im Falle Neda debatieren die Nazis gerade die „rassischen Eigenarten“ des „Iraners“: „Arier“ oder „Untermensch“.

Die Texte aus dem Hause „Kopp“ sollen „Informationen“ sein, die einem „die Augen öffnen“. Wer aufmerksam hinschaut wird erkennen, dass es dort nicht um „Informationen“, sondern um die Verbreitung von reaktionären Ideologien geht. Über Gerhard Wiesnewski betreibt die angeblich „linke“ Gruppe „Arbeiterfotografie“ auch im „Kopp-Verlag“ ihre verschwörungstheoretische Propaganda, unter anderem für das iranische Regime. Es ist nur diese kleine Umweg für die angeblich „linke“ Gruppe „Arbeiterfotografie“, deren Thesen auf diese Weise im rechten „Kopp-Verlag“ landen. Es ist offensichtlich: Die „Arbeiterfotografie“, der „Kopp-Verlag“ und ihre Propagandist_innen sind kein Teil einer Lösung, sondern Teil des Problems.

Arbeiterfotografie gegen Neda.

Die Gruppe „Arbeiterfotografie“ ist immer dabei, wenn es darum geht, die Thesen des iranischen Regimes zu verteidigen oder zu relativieren. Besonders stolz ist die Gruppe auf ihre Verteidigung des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. Dabei hatte die Grup­pe angeblich ein Zitat des An­ti­se­mi­ten über­prüft und nach­ge­wie­sen, dass die­ser „nie zur Ver­nich­tung Is­raels auf­ge­ru­fen“ hatte, sondern lediglich anmerkte dass „die­ser Keim der Ver­derb­nis ver­schwin­den“ werde.
Nun hat sich die „Arbeiterfotografie“ mit mehreren Videos auseinandergesetzt, die die Demonstrantin Neda beim Sterben zeigen. Neda war, nach dem sie im Juni 2009 bei Protesten in Teheran ermordet wurde, zu einer Ikone des dortigen Widerstands avanciert.
Doch die „Arbeiterfotografie“ sieht in den wackligen Handy-Videos keine Dokumentation eines brutalen Mordes, sondern plumpe Fälschungen. Reale Beweise bleibt die Gruppe natürlich schuldig. Doch dafür präsentieren sie einen anonymen „Fachpfleger“, der ganze „sieben Jahre“ auf einer „Intensivstation einer Klinischen Anstalt tätig“ war. Dieser deutsche „Fachpfleger“, dessen reale Existenz nicht verifiziert werden kann, ist der Kronzeuge der Gruppe „Arbeiterfotografie“. Er hat sich die einige Sekunden langen Videos angesehen und tut sein menschen-mögliches, um den Menschen, die Neda zu Hilfe eilten, einen unsachgemäßen Umgang bei der Rettung zu unterstellen. Außerdem wird der ganze Fall Neda in Frage gestellt.
So sei angeblich auf dem Handy-Video nicht zu erkennen, ob die helfenden Personen tatsächlich eine Herzmassage durchführen würden. Der deutsche „Fachpfleger“ hat zahlreiche Ratschläge parat, die Neda nicht mehr helfen werden und die wie Hohn auf eine Tote klingen: „Erforderlich wäre das sofortige Anlegen einer Drainage, um das Blut nach außen abzuleiten. Das Auflegen der Hände wäre eine sehr laienhafte Maßnahme“, belehrt der deutsche „Fachpfleger“ die Menschen in dem Video.


„Makelloser Taint“: Faksimile der Homepage der „Arbeiterfotografie“.

Das austretende Blut ist für den anonymen Experten lediglich eine „rote Substanz“. Außerdem merkt er an: „Der Teint der Frau sieht makellos aus“. Illustriert wird das ganze mit einem Screenshot aus dem Video, bei dem mensch eine sterbende Frau erkennt. Doch auch hier weiß der anonyme „Fachpfleger“ rat. Schließlich ist er nicht nur Experte für Schussverletzungen, sondern auch für „Südländer_innen“: „Als Südländerin kann die Pigmentierung die Hautfarbe etwas dunkler erscheinen lassen, aber nicht so krass wie in diesem Bild“ belehrt der „Fachpfleger“ im Artikel der „Arbeiterfotografie“ die staunenden Leser_innen und versucht mit diesem rassistischem Konstrukt über „Südländer_innen“ seine Thesen von der Fälschung zu belegen. Illustriert wird das mit einem weiteren Foto aus einem der Videos (s. Screenshot). Mensch muss wahrscheinlich sieben Jahre als „Fachpfleger“ gearbeitet haben, um über ein Handy-Video eine Fern-Diagnose über den Taint einer sterbenden Frau zu treffen, die in einem anderen Land ermordet wurde.
Dabei sind die geschilderten Behauptungen gar nichts neues. So behauptete zum Beispiel das iranische Fernsehen am 05.01.2010, dass es sich bei dem Blut um kein echtes Blut handeln würde. Die Sendung, die vom antisemitischen „Muslim-Markt“ übersetzt wurde, stellt ganz ähnliche Thesen auf. Im Staatsfernsehen wurde berichtet, dass mensch diese Videos „problemlos mit dem Programm Photoshop“ fälschen könne.
Die Gruppe „Arbeiterfotografie“ hat die These von der Fälschung also aus dem iranischen Staatsfernsehen übernommen. Weil das dann doch ein bischen dürftig aussehen würde, war auch flugs ein namenloser „Fachpfleger“ zur Stelle, der die Thesen des iranischen Regimes in eigene Worte kleidet. Solche Methoden haben in jedem Fall nichts mit der Suche nach Wahrheit zu tun. Ganz im Gegenteil reproduziert die „Arbeiterfotografie“ die Hetze des iranischen Regimes.
Da ist es nicht verwunderlich, dass diese Thesen unter anderem auf den Seiten des „Kopp“-Verlags veröffentlicht wurden. Direkt neben den Thesen Eva Hermans, die über die „grausige Ideologie der Gleichheit von Mann und Frau“ schreibt, findet sich ein Artikel des Verschwörungstheoretikers Gerhard Wisnewski, der behauptet: „An den damals weltweit verbreiteten Videos von dem Geschehen stimmt so gut wie nichts“.
Dem anonymen Experten der Gruppe „Arbeiterfotografie“, der die einzige Person auf der Welt ist, die anhand eines verwackelten Handyvideos Fernobduktionen durchführen kann, sei geraten, doch sein Talent weiterhin für die Verschwörungstheoretiker_innen der „Arbeiterfotografie“ zur Verfügung zu stellen: So lassen sich sicherlich neue Erkenntnisse über den Tod Michael Jacksons, dem Attentat auf John F. Kennedy oder der Mondlandung gewinnen.

Kein Verschwörungstheoretiker der VHS.

Die Kritik am „Chemtrail“-Verschwörungstheoretiker Werner Altnickel und dessen Ansichten über „Wetter“- und „Weltkriege“, die noch nicht beendet seien, hat anscheinend auch die Verantwortlichen der „Volkshochschule“ („VHS“) der Stadt Oldenburg erreicht. Doch zunächst hatte sich die Verantwortliche für dieses Themengebiet, Claudia Grove, in einer E-Mail an Kritiker_innen gewandt und darauf bestanden, dass es „es auch zu den Aufgaben einer Volkshochschule“ gehören würde „über strittige Themen zu informieren. Dazu gehört auch die Information über Chemtrails, deren Existenz nicht zu bestreiten ist“. Nun wurde der Veranstaltungshinweis in aller Stille von der Internetseite der „VHS“ gelöscht.
Auf den einschlägigen Internetseiten der „Chemtrail“-Anhänger_innen wird vermutet, dass die „VHS“ angeblich „gekniffen und sich möglicherweise höherem Druck gebeugt“ hätte. Altnickel wäre von der „VHS“ informiert worden, dass die „VHS Oldenburg den Kurs“ abgesagt hätte, „weil angeblich zuwnig Anmeldungen wären, obwohl sich schon 25 angemeldet hatten“, schreibt beispielsweise der Verschwörungstheoretiker Jo Conrad, in einem „Chemtrail“-Forum. Conrad ist Autor mehrerer Bücher mit verschwörungstheoretischen, antisemitischen und anderen rechten Inhalten und war einer der Hauptakteure des „Fürstentums Germania“.
Stattfinden lassen will Altnickel den Kurs natürlich trotzdem. Praktischerweise haben sich noch nicht einmal die Örtlichkeiten geändert, denn der Ort dieses Kurses ist nach wie vor die Wohnung Altnickels, nur eben nicht mehr im Rahmen der „VHS“.

Einen ausführlichen Artikel über Altnickels Positionen gibt es hier.


Werner Altnickel auf einer Tagung der „Anti-Zensur-Koalition“ (AZK).

„Hitlers Helfer“…


… ist er wohl doch nicht… Via Roi.

„Die Grenze“. Ein grenzwertiger Hinweis.

Eine ausführliche Kritik gibt es hier (Klick).

Die filmische Form der Extremismus-Theorie, bei der linke Sozialdemokrat_innen und Nazis die deutsche Demokratie bedrohen, scheint es am 15. und 16. März auf Sat.1 zu geben. Dann läuft der Spielfilm „Die Grenze“. In dem Film wird eine witzige Geschichte erzählt, die von zu vielen Menschen geglaubt werden wird: „Während linke und rechte Parteien“, dank eines „weltweiten Terroranschlags“, „die Krise für ihren Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern nutzen, verliert die Regierung immer mehr an Einfluss“ heißt es in der Filmwerbung. Um „die Rechten“ zu schwächen unternimmt der „Krisenstab der Regierung einen waghalsigen Plan: Der Spitzenkandidat der Neuen Linken, Franz Geri soll heimlich unterstützt werden, um einen Wahlsieg“ der Nazis zu verhindern. „Zwar plant der linksextreme Geri ebenfalls die wirtschaftliche und gesellschaftliche Abspaltung Mecklenburg-Vorpommerns: Von zwei Übeln scheint der ohnmächtigen Regierung dies das Kleinere zu sein“, zumal die „neue DDR“ als Billiglohnland zur Verfügung steht. „Ein Bundesland spaltet sich als ‚kleine DDR‘ ab, und die Mauer wird wieder aufgebaut“ beschreibt „teamWorx“-Produzent Nico Hofmann seinen Film in einer Presserklärung, bei der er die Authentizität seines Films durch „Verfassungsschützer, Politiker und Wirtschaftsbosse“ belegt, die er befragt haben möchte.
In den Trailern werden Riot-Szenen und Polizeiübergriffe vom G8-Gipfel in Rostock (2007) ausgeschlachtet, um von sozialen Unruhen zu berichten: Weimar 2.0 auf Sat.1. Der Kandidat der „Linken“, Franz Geri, wird von Jürgen Heinrich (s. Foto) verkörpert, der durch die Sat.1 Serie „Wolffs Revier“ bekannt geworden ist. Doch die Heldin des Films ist die Verfassungschutz-„Agentin Linda Jehnert (Anja Kling)“, die „alles auf eine Karte setzt“. Darsteller_innen sind unter anderem Katja Riemann als Kanzlerin-Double, Marie Bäumer, Thomas Kretschmann als Nazi-Führer Maximilian Schnell und Benno Fürmann. Das solch ein Film schlecht sein muß ist einfach vorherzusehen; es bleibt nur die Frage wie schlecht dieser deutsche Propagandastreifen werden wird.
Die Gleichsetzung zwischen einer linker und rechten Organisation in Form einer filmischen Extremismus-Theorie, wie sie auch der Bundesregierung gefallen dürfte, wird in jedem Fall betrieben. Ein bischen Verschwörungstheorie, die Nazis gefallen sollte, ist anscheinend auch dabei: Schließlich unterstützt der Staat heimlich die „Linke“, um den Wahlsieg der Nazis zu verhindern. In der Realität stellen die Nazis bereits heute ähnliche Thesen auf. Anläßlich des verhinderten Nazi-Aufmarsch in Dresden, behauptete der NPD-Kader Udo Pastörs, dass „der zum Teil auch mit Geld und Sachleistungen versorgte schwerstkriminelle linke Abschaum aus der gesamten BRD herangekarrt und von der Kette gelassen“ wurde, „um die Drecksarbeit des Systems zu erledigen“.
Der Film ist den Produzent_innen acht Millionen Euro wert. Der geringste Teil dieser Summe dürfte in die Internetseite zum Film geflossen sein, auf der es unter anderem einen dilletantischen Test gibt, mit dem mensch überprüfen kann, ob mensch eher Nazis oder „Neue Linke“ wählen würde: Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und all‘ die anderen Dinge, die Nazis in einer radikalen Form vertreten, kommen dort nicht vor. Mit dem Regisseur Roland Suso Richter haben die Produzent_innen in jedem Fall einen alten Hasen für deutsche Opfermythen engagiert. Schließlich war der schon für „Dresden“ und „Der Tunnel“ verantwortlich. Das nächste deutsche Märchen aus dem Hause Sat.1 dürfte also allen Befürchtungen gerecht werden.

Eine ausführliche Kritik gibt es hier (Klick).

Zeiten ändern Dich II.

Eine 180-Grad Wendung zu vollziehen hat Jürgen Elsässer, der Ex-Antideutsche und jetzige Querfrontler und Vordenker der so genannten „Volksinitiative“, kultiviert. Ein Beispiel:

„Ein Jahr später verhalf DDR-Volkskammerpräsident Dieckmann gar der Goebbelschen Wortschöpfung von den ‚anglo-amerikanischen Luftgangstern‘ zu neuer Reputation. Damit hatte die SED den Gipfel der Demagogie erreicht. In der Folge klang die anti-amerikanische und anti-englische Hetze ab, wurde ersetzt durch Kritik an den ‚Bonner Ultras‘ (60er Jahre) oder durch allgemeinplätzlerische Friedensappelle (80er Jahre). Es blieb der westdeutschen Linken vorbehalten, die Geschmacklosigkeiten der frühen DDR-Propaganda fortzuführen und mit westlichem Geschichtsrevisionismus zu verbinden.
J. Elsässer. 1995.

Im Prinzip verfolgte die SED eine richtige Erinnerungspolitik: Es wurde des barbarischen Bombardements der Alliierten gedacht, es wurde die Verantwortung Nazi-Deutschlands für den 2. Weltkrieg glasklar benannt – und es wurde davor gewarnt, dass USA und Großbritannien nach 1945 eine völkermörderische Politik fortgesetzt haben (…).
J. Elsässer. 2010.

Die Frage was Elsässer in 15 Jahren behaupten wird, wurde bei „Entdinglichung“ debatiert.

„Zeiten ändern Dich“. Eine Kritik.

Wer einfach mal die Lebenszeit mit etwas vollkommen Sinnlosen verschwenden möchte, kann sich die „Schönsten Bahnstrecken Deutschlands“, die „Sexy Sport Clips“ oder den nervigen Maler Bob Ross anschauen. Mensch kann aber auch zu „Zeiten ändern Dich“ greifen. Dem geneigten Publikum wird hier eine Geschichte, beruhend auf dem Leben des Anis Mohamed Youssef Ferchichi erzählt, der den Leser_innen dieses kleinen Blogs eventuell eher als Rapper „Bushido“ bekannt ist. Bereits die Texte des „deutschen Rappers in Deutschland“ ließen erkennen, dass dieser Gewalt gegen Frauen nicht abgeneigt ist und dass er diese Form der Gewalt mit einem Konstrukt von „Ehre“, die verteidigt werden müsse, rechtfertigt. Der Film transportiert unter anderem genau diese Botschaft und wird allen vorherigen Befürchtungen gerecht.

Doch zunächst ein kurzer Handlungsüberblick über dieses Machwerk aus dem Hause Eichinger, der bereits den „Untergang“, „Manta, Manta“, „Leslie Nielsen ist sehr verdächtig“ und andere Machwerke verbrochen hat: Anis wächst in einem migrantisch-geprägten Viertel von Berlin auf. Sein Vater schlägt die Mutter. Anis lernt schon früh, dass es um vermeintliche Werte wie „Ehre“ und „Respekt“ geht, die ein Mann erkämpfen müsse: „Wenn Du keinen Respekt hast, dann bist du ein Niemand, ein Opfer“ hallt Bushidos Stimme eindringlich aus dem Off, der mit nerviger Penetranz seinen filmischen Werdegang kommentiert. Als Anis die Schule abbricht, bittet er seine Mutter um Geld, um Drogen zu kaufen, die er dann gewinnbringend unter die Menschheit bringt. Zwischendurch lernt er seine große Liebe Selina kennen. Deren Eltern, der Vater verkörpert von Uwe Ochsenknecht, haben mit dieser Liebe Probleme, sind aber fast zufrieden, als sich heraustellt, dass Anis einen deutschen Pass besitzt. Bushido beschließt zu rappen und verhaut seine kritische Freundin, die mit dieser Karriere nicht einverstanden ist. Auslöser für den Wunsch nach Rap-Praxis ist im Übrigen der 11. September 2001. Trotz des Erfolgs kann Bushido das das schlechte Verhältnis zu seinem Papa nicht verwinden, der in einem Plattenbau vor sich hinsiecht. Da hilft ihm „Arafat“, gespielt von Moritz Bleibtreu, der vor seiner Rolle als Goebbels einen Berliner Don verkörpert, den es auch in der Realität gibt. Am Ende des Films gibt es die große Versöhnung zwischen Mutti und Vati und zwischen Bushido und seiner Ex-Freundin, die in der jubelnden Menge steht und ihrem Ex, dem Jugendidol, zujubelt.

Es geht also um Bushido und dessen Werdegang, inszeniert als ein modernes Märchen, vom Tellerwäscher zum Millionär. Bushido ist dabei noch nicht einmal ein schlechterer Schauspieler als die professionellen Darsteller_innen des Films, wie zum Beispiel Moritz Bleibtreu oder Uwe Ochsenknecht. Sein Kompagnon „Fler“, der durch deutsch-nationale Dummheiten bekannt wurde, agiert auf einem ähnlichem Niveau der Schauspielkunst, die eher an eine Schulaufführung gelangweilter Schüler_innen, die auch nicht so recht wissen, warum sie auf der Bühne stehen, erinnert. Das spricht nicht für diesen Film, denn die schauspielerische Leistung aller Charaktäre ist hölzern, langweilig und einschläfernd. Bushido, Ochsenknecht und Co unterscheiden sich in keiner Weise von dem ehemaligen Soap-Sternchen Kristina Dörfer, die mit einem Satz („Willst du ficken?“) in den Film geschrieben wurden. Ebenso nervig wie schlechte Schauspieler_innen sind die zwei Zeitebenen, mit denen die Geschichte erzählt wird: Ständig wechselt der Film zwischen der Vergangenheit des Rappers und der Gegenwart hin und her. Was bei Fernsehserien wie „Lost“ auf innovative Art geschah, wirkt hier nur noch altbacken und belanglos. Weil sich Bushido nun schwerlich selbst als Kind und Heranwachsender spielen konnte, wurde auf andere Schauspieler, unter anderem Elyas M‘Barek („Türkisch für Anfänger“) zurückgegriffen. Allerdings sind die Übergänge zwischen dem jungen und jugendlichen Bushido genauso willkürlich, wie der Übergang zwischen jugendlichem und erwachsenem Darsteller: Hier passt einfach nichts zusammen. Auch das spricht nicht für diesen Film, der aber – und das ist der einzige Lichtblick – oftmals einfach so unbeschreiblich schlecht ist, dass es schon fast wieder komisch sein könnte

Das gilt auch für die Story, die lediglich eine Aneinandereihung von extrem extrem-dümmlichen, sexistischen Aussagen darstellt. Beispielsweise überzeugt Bushido eine Richterin von seinen guten Absichten, als er deren „Arsch“ mit seiner Luxus-Karosse vergleicht. Wie ihr „Arsch“ müsse die Luxuskarre verteidigt werden. Noch dümmlicher ist eine Szene, in der Bushido seine große Liebe Selina brutal schlägt: Hier wird in keiner Weise Kritik geübt und Selinas totaler Rückzug als unverständliche Reaktion eines verwöhnten, reichen Mädchens geschildert. Selina sieht mensch am Ende des Films in der Menge jubeln. Wie die geschlagene Mutter dem Vater verzeiht sie dem rüpelnden Rapper, der sich keiner Schuld bewusst ist weil er sich wegen seiner Vorgehensweise, die in Zeilen gepresst wurden, vom Cannabis-Verkäufer zum Star gemausert hat.

„Zeiten ändern Dich“ zeigt die heroische Inszenierung des männlichen Geschlechts, inklusive Gangbang im Tourbus. Eine Kritik darf mensch hier nicht erwarten, denn hier wird die sexistische Normalität idealisiert. Mittendrin Bushido, der den Antihelden, mit den bösen Wörtern, spielt und der alles dafür gibt, seine Mutter mit dem todkranken Schläger-Vater zu versöhnen und noch ein bischen mehr dafür, um mit Karel – „Biene Maja“ – Gott aufzutreten.
Ob Bushido am 11. September 2001 betroffen war, wie es im Film gezeigt wird, darf mensch gerne bezweifeln. Schließlich hat der Rapper ein Lied über den 11. September gemacht, in dem von Mitgefühl nicht die Rede sein kann. „Der Iran wird bedroht, deine Freunde chillen in der Bahnhofsmission“ sind noch die harmloseren Teile des Lieds. „Der Wagen ist geparkt, ihr Küchenschaben seit im Arsch, meine Feinde euer Blut läuft, ihr spürt’s, vielleicht werd‘ ich dieses Jahr ein Flugzeug entführ‘n“ rappt Bushido und inszeniert sich als Terrorist, der die Menschen „bluten“ läßt, „wie die Typen aus den Twin-Towers“: „Ich bin ein Taliban“ rappt der bekennende „Feind Amerikas“ provozierend im Refrain. Doch diese Seiten des Bushido spielen im Film keine Rolle.
Kein Wunder. Schließlich ist der Film nicht mehr und nicht weniger als eine Hymne an Bushido, der medien-kompatibel als rebellischer Macho inszeniert wird, inklusive so reaktionärer Werte wie „Ehre“ und „Respekt“, ohne offensive Terror-Huldigung antisemitischer und antiamerikanischer Banden, aber dafür umso passender mit einer Frauenfeindlichkeit, die zur Inszenierung des bürgerlichen Rebellen gehört. Die antiamerikanischen Terrorphantasien können sich die Film-Zuschauer_innen ja noch immer bei Youtube ansehen.

„Verdammnis“. Ein Hinweis.

Seit dem vergangenen Donnerstag läuft der zweite Teil der „Millenium“-Trilogie in den deutschen Kinos. Die „Millenium“-Trilogie ist ein Roman-Zyklus des verstorbenen Autoren Stig Larsson, der Herausgeber der antifaschistischen Zeitung „Expo“ war. Die Romane drehen sich um die Erlebnisse des Michael „Kalle“ Blomquist, der als eine Art alter Ego des Romanautoren fungiert und in den Filmen von Michael Nyqvist verkörpert wird. Blomquist ist der Herausgeber einer Zeitschrift namens „Millenium“, in der Journalist_innen gegen die Machenschaften der Konzerne und andere Ungerechtigkeiten anschreiben. Im ersten Teil hatte Blomquist einen Einblick in die dunkle Vergangenheit und Gegenwart der industriellen Familie Vanger werfen dürfen. Die entscheidende Hilfe fand Blomquist in der Hackerin Lisbeth Salander, die durch eine großartige Noomi Rapace verkörpert wurde.
Bereits dieser Teil der Trilogie kam bei den Rechten von „Eigentümlich Frei“, die „eng in das publizistische Netz der deutschen Rechten eingebunden“ ist, nicht gut an: „Dieser Antifa-Porno beinhaltet alle Feindbilder der Linken in einem“ hatte der Autor übertrieben und vor dem vermeintlichen „Irsinn“ gewarnt.

Stig Larson, der am 9. November 2004 im Alter von nur 50 Jahren verstorben war, konnte den Erfolg seiner Bücher und der daraus resultierenden Filme nicht mehr erleben. Nach seinem Tod kam es zu einem heftigen Erbstreit zwischen seiner „Lebensgefährtin“, Eva Gabrielsson und Stig Larssons Vater und Bruder, zu denen dieser zu Lebzeiten kaum Kontakt gehabt hatte. Eva Gabrielsson, mit der Larsson seit 30 Jahren eine Beziehung geführt hatte, „durfte gerade das behalten, was sich in der Wohnung befand. Ihr wurde von der Familie sogar mit Rauswurf gedroht, wenn sie nicht den Laptop mit dem begonnenen Manuskript des vierten Bandes herausrücke. Sie sagte, man könne die Serie nicht fortsetzen, ebenso wenig wie man einen angefangenen Picasso zu Ende malen könne.“ Mehr Informationen zu den Erbstreitigkeiten gibt es hier.

Nun läuft der zweite Teil der Trilogie in den deutschen Kinos. Diesmal dreht sich die Geschichte vor allem um Lisbeth Salander, was dem Film überaus gut tut. Lisbeth Salander ist die handelnde Person, die von den Behörden wegen drei Morden gesucht wird und sich auf die Jagd nach den wahren Täter_innen begibt. Dabei erforscht sie dunkle Familiengeheimnisse und wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Auch der zweite Teil der „Millenium-Trilogie“ ist ein durchaus sehenswerter Film, was vor allem der grandiosen Noomi Rapace zu verdanken ist, die alle anderen Schauspieler_innen dieses Films in den Schatten stellt. Das gilt aber auch, weil es gelungen ist die Dunkelheit und Grausamkeit, denen Menschen bereits in bürgerlichen Gesellschaften ausgesetzt sein können, zu veranschaulichen und die Täter zu zeigen, die Menschen mißbrauchen, erniedrigen und zerstören. Allerdings sollte mensch den ersten Teil gesehen haben, um die Hintergründe zu verstehen. Noch besser ist es allerdings die Bücher zu lesen oder das hörenswerte Hörbuch zu erwerben, denn die Handlung wurde, wie schon im ersten Teil, auf ein film-taugliches Maß gestrafft. Herausgekommen sind zwei Stunden ernsthafte Unterhaltung, die Lust auf den dritten Teil der Film-Trilogie machen.


Ein paar Zeilen zum ersten Teil – „Verblendung“ – gibt es hier.

Der Verschwörungstheoretiker der VHS.

Die „Volkshochschule“ (VHS), in der miefigen Provinzstadt Oldenburg, betreibt eigentlich ein Programm, wie es an vielen „Volkshochschulen“ zu finden sein wird. Doch neben den Sprach-, Rechtschreib- und Trommelkursen gibt es einen weiteren Kurs, der aus dem Programm heraussticht. Der wird vom ehemaligen „Greenpeace“-Mitglied Werner Altnickel (s. Foto) geleitet. Dort dürfen sich ganze 25 Teilnehmer_innen über sogenannte „Chemtrails“ informieren. „Chemtrails stehen für ganz bestimmte Kondensstreifen von Flugzeugen. Verschwörungstheoretiker_innen wie Altnickel behaupten, dass Wettermanipulationen durch die „Chemtrails“ ermöglicht werden. Der allseitsbekannte Wetterfrosch Jörg Kachelmann nennt das nicht zu Unrecht eine der „most gaga Verschwörungstheorien“. Für Altnickel steht unter dessen fest, dass die USA „die Herrschaft über die globalen Wetterverhältnisse erringen und das Erdklima mittels Versprühung chemischer Substanzen in der Atmosphäre manipulieren“ würden. Die „normalen Schleierwolken“ seien in Wirklichkeit gar das Ergebnis der „Chemtrails“.

Werner Altnickel ist einer der Apologeten der „Chemtrail“-Verschwörungstheorien. Er glaubt aber auch daran, dass von der sich in Alaska befindlichen Forschungsanlage HAARP Gefahren ausgingen und spricht von „Gedankenkontrolle“ und Beeinflussung. Außerdem behauptet Altnickel, dass der Reaktor-Unfall in Tschernobyl, kein normaler Reaktorunfall gewesen sei. Wenn mensch Altnickel glaubt sind es die USA gewesen, die ein Erdbeben im eigenen Land verhindern wollten: „Am Tag der Katastrophe von Tschernobyl wollte Russland ein Riesen-Erdbeben auslösen. Gemeinsam mit einem befreundeten Staat wusste Amerika dies zu verhindern. Die ausgesendeten Frequenzen wurden abgeblockt und kamen zurück zum Ursprungsort Tschernobyl“, was den GAU ausgelöst habe. Solche Ereignisse, von denen die normale Bevölkerung nichts erfahren würde, seien in Wahrheit „Wetterkriege“, die bereits „seit langem“ stattfinden würden. Altnickel glaubt unter anderem in analysierten Proben der „Chemtrails“ „getrocknete genmanipulierte menschliche Zellen, synthetisches Material, Proteine – einige davon mit Jet Fuel vermischt-, mysteriöse, bisher unbekannte Pilze und Bakterien“ gefunden zu haben.

Des Weiteren ist Altnickel ein Anhänger der antisemitischen Verschwörungstheorie, die besagt, dass die „Zionisten“ den Anschlag auf das World Trade Center „durchgeführt“ hätten. Der Solartechniker beruft sich auf den italienischen Senator auf Lebenszeit, Cossiga, der „wissen“ will, „dass die desaströsen Anschläge von der CIA und dem Mossad mit der Hilfe der Zionisten geplant und durchgeführt worden“ wären.
Während des Irak-Kriegs unterstützte Altnickel eine Aktion, bei der Kriegsgegner_innen als menschliche Schutzschilde für den damaligen Diktator Saddam Hussein in Bagdad fungieren sollten. „Es gibt erste Interessierte aus Oldenburg und anderen Orten“ heißt es auf einem Flugblatt: „Lasst uns ein großes Friedensfest in Bagdad feiern! Am liebsten mit bekannten Bands und dem Papst als Hauptredner.“ Trotz alledem sorgte sich Altnickel um die eigene Gesundheit, was das Mitglied der „Grünen“ in die Bürgersprechstunde des Rats der Stadt trieb: Dort stellte er dem Bürgermeister eine Frage über das „Thema Katastrophenschutz in Oldenburg vor dem Hintergrund des drohenden Irak-Krieges.“
Ein anderer Krieg, bei dem unter anderem Israel auch „Strahlenwaffen“ einsetzen würde, ist für Altnickel allerdings noch nicht vorbei. Er spricht vom II. Weltkrieg, der noch immer von den USA geführt werden würde und beruft sich dabei auf ein angebliches Donald Rumsfeld Zitat, dass sich im rechten Spektrum, bei den Fans von „Reichsflugscheiben“, großer Beliebtheit erfreut. Als Urheber des Zitats nennen die Fälscher_innen wahlweise Donald Rumsfeld oder Colin Powell.

Um seine Thesen zu belegen beruft sich Altnickel auf angebliche Wissenschaftler_inen und Doktor_innen. Als Kronzeuge dient ihm Jim Phelps (s. Foto), der angeblich „jahrelang als maßgebender Experte an der Ozonlochforschung“ gearbeitet hat, aber unter anderem auch einen Zusammenhang zwischen den Kondensstreifen von Flugzeugen und Aids (!) sowie BSE entdeckt haben will: „Ob es gefällt oder nicht, die globale Erwärmung ist direkt mit dem AIDS-Problem verbunden, da diese Fluoride und Metalle in die Ökosysteme und in die Körper der Menschen hineingelangen.“ Für die „Chemtrails“ sind, so behauptet es Phelps, „geheime (Logen)querverbindungen“ verantwortlich. Neben Phelbs dient ein anthroposophischer Doktor, aus Altnickels Heimatstadt, als Kronzeuge. Doch reale Belege bleibt Altnickel natürlich schuldig.
Statt dessen arbeitet Altnickel, wie viele Verschwörungstheoretiker_innen mit gefälschten Zitaten. In seinen Vorträgen zitiert Altnickel einen gewissen John Swinton, um eine angebliche „Zensur“ seiner Theorien durch die Medien zu belegen. „Eine freie Presse gibt es nicht. Sie, liebe Freunde wissen das, und ich weiß es gleichfalls“, beginnt es. John Swinton, der von Altnickel als weiterer Kronzeuge benannt wird, soll ein ehemaliger Herausgeber der „New York Times“ (NYT) gewesen sein, „der diesen kleinen Vortrag während seines Abschiedsbanketts gehalten haben soll. Ein Blick in die Archive der NYT zeigt: Es hat niemals einen Herausgeber namens Swinton gegeben“.


Altnickel beim antisemitischen Internetangebot von „Secret.TV“.

Wegen der angeblichen „Zensur“ der Theorien Altnickels gibt dieser dort Interviews, wo die verschwörungstheoretischen Thesen gut ankommen. Der Internetsender „Secret.tv“, der bisher vom Antisemiten und Verschwörungstheoretiker Jan Udo Holey (Alias „Jan von Helsing“) betrieben wurde, bietet beispielsweise gleich mehrere Vorträge und Interviews mit Altnickel, der sich diesem „TV-Sender im Internet“ zugehörig fühlt. Ein Auftritt im „Offenen Kanal Bremen“ vom 28.02.2005 findet sich auf anderen Plattformen. Im „Haus des Sport“ in Bremen referierte Altnickel mit dem selbst ernannten „Unruheständler“ Peter Platte, der sich wie Werner Altnickel gefälschter Fotos bedient, um seine Thesen zu beweisen. Altnickel tut eben alles „um die Botschaft unter die Leute zu bringen“. Daher ist er auch im Internet vertreten. Altnickel ist der Verantwortliche der Seite „Chemtrail.de“, auf der er seine Theorien verbreitet und für seine Tätigkeit als Referent der „Volkshochschule“ wirbt.
Außerdem trat Altnickel am 23.02.2008 auf Tagung der so genannten „Anti Zensur Koalitionauf. Dort hielt „Deutschlands bekanntester Aufklärer über Chemtrails und Haarp“ einen langen Vortrag. In der „AZK-Zeitung“ zur Konferenz finden sich die Behauptungen des wegen Volksverhetzung und anderer Vergehen verurteilten Hochstaplers und Holocaustleugners Iwan Götz. Die „Anti Zensur Koalition“ des Sektenführers Ivo Sassek ist ein Treffpunkt für verschiedene rechte Verschwörungstheoretiker_innen, Sektenmitglieder und Nazis, wie zum Beispiel den Anthroposophen und Holocaustleugner Bernhard Schaub. Der „grüne“ Verschwörungstheoretiker Altnickel kam dort mit seiner antisemitischen These vom „komischen sozialen Demokraten“ Gerhard Schröder gut an. Altnickel verwies darauf, dass Gerhard Schröder „nebenbei noch ’ne Beratungsfunktion bei der Rothschild-Bank hat und das ist als Sozialdemokrat ja ein bischen merkwürdig“.


Altnickel auf einer Tagung der „Anti-Zensur-Koalition“ (AZK).

Wenn Altnickel gerade keine Interviews mit antisemitischen Internetangeboten führt oder auf Konferenzen auftritt, findet mensch ihn in Oldenburg. Dort baut er nicht nur Solaranlagen, sondern hält, wie schon erwähnt, Vorträge an der „Volkshochschule“. Altnickel war aber auch schon als Referent an der dortigen Universität oder lud nach eigenen Angaben, über die „Katholische Hochschschulgemeinde“ (KHG) der Stadt, den ehemaligen SPD-Politiker Andreas von Bülow ein, der zuvor durch ähnliche Ansichten zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf sich aufmerksam gemacht hatte und der auch im rechten „Kai-Homilius-Verlag“ publiziert. Außerdem ist Altnickel ein fleissiger Hobbyfotograf , der bereits mehr als 11.000 Fotos vom Himmel gemacht hat, um seine Thesen zu untermauern. Es gibt wohl kaum eine andere Person, die so fleißig „richtig fetzige Bilder“ von Kondensstreifen und Wolken produziert.


Faksimile der Veranstaltungswerbung Altnickels bei der VHS.

Das „Kursprogramm“ der „Volkshochschule“ aus Oldenburg, die als „anerkannter Bildungsträger“ vom „Land Niedersachsen und von der Stadt Oldenburg gefördert“ wird, benennt Werner Altnickel als einen ihrer Referent_innen, der dort über die „Macht über das Wetter“ und „Wettermanipulationen“ berichtet. Auf der Internetseite der „Volkshochschule“ wird die „Meinung des Referenten“ nicht als Verschwörungstheorie abgetan. Stattdessen ließt mensch dort von „gesundheits- und lebensgefährliche Wettermanipulationen“, wie dem „künstlichem Erzeugen von Erdbeben und Tsunamis, dem gezielten Öffnen von Ozonlöchern, der Steuerung von Stürmen sowie der elektrischen Veränderung der Ionosphäre“. Dieses Programm erregt natürlich keine Kritik, obwohl sich auf Altnickels Seite sogar ein Text mit dem Namen die „Rassenbombe“ finden lässt (Screenshot), herausgeben durch den Verlag „VAWS“ („Verlag und Agentur Werner Symanek“), der unter anderem das Nazi-Blatt „Unabhängige Nachrichten“ druckt und vertreibt. Im miefigen Oldenburg kann solch eine Person, ohne dass es in irgendeiner Form Kritik gibt, als Referent der „Volkshochschule“ auftreten. Der zweimalige Gewinner des „Oldenburger Umweltschutzpreises“ lebt ungestört in der Provinz.

Update (19.2.2010): Die „VHS“ scheint nicht mehr der Veranstalter zu sein. Einen Artikel gibt es hier.