Die Internetseite „Die Rote Fahne“, die von Stephan Steins betrieben wird, beruft sich auf die Rote Fahne, die von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht begründet wurde. Mit Rosa Luxemburg hat diese Internetseite allerdings nichts zu tun. Schließlich finden sich auf der Internetseite des „sozialistischen Magazins“ verschwörungsideologische Texte über den angeblichen „zionistischen Terror in Deutschland“. Außerdem finden sich Forderungen nach einem „Schuss mehr gesunden Patriotismus und Konservatismus“, den Europa angeblich gebrauchen könne. In einem Artikel, der nach den Morden von Oslo und Utoya auf der Internetseite veröffentlicht wurde, schrieb Steins von einem angeblichen „zionistischen Hintergrund der Terroranschläge“. Dort jammerte er über die angebliche „soziale und kulturelle Entwurzelung“ der „autochthonen Bevölkerung“. Doch vor allem hetzt das Magazin um Stephan Steins gegen Israel: „Israel ist kein Staat“, heißt es dort. „Israel ist der Name des zionistischen Krieges“…
Die Abgründe der deutschen „Occupy-Bewegung“ sind nicht zu übersehen: Da wären zum Beispiel die Holocaust-Leugner im Occupy-Camp in Düsseldorf, der Querfront-Auftritt eines Occupy-Aktivisten in Berlin und die NS-Apologie in Frankfurt. Dort empfiehlt ein Occupy-Camper den Besucher_innen die ersten Jahre des Nationalsozialismus als Orientierungsmodell. Der Occupy-Aktivist erklärt, dass der „frühe Nationalsozialismus schon solche Ansätze hatte, die auch interessant waren“, wenn man das einmal „geschichtlich betrachtet“. Doch in Frankfurt sind nicht nur NS-Apologeten, sondern auch Aktivist_innen aktiv, die sich auf die Verschwörungsfilme der „Zeitgeist“-Reihe beziehen. Einer dieser „Zeitgeist“-Fans ist der Occupy-Aktivist Wolfram Siener, der vom Spiegel als „charismatische Führungsfigur“ bezeichnet wurde und nach den Märschen vom 15.10.2011 zu einem kleinen Medienstar der „Bewegung“ avancierte. Ein weiterer Wortführer ist Frank Stegmaier, der bereits bei den rechtspopulistischen „Freien Wählern“ aktiv war…
In Bremen hat sich ein Bündnis gebildet, das die unsäglichen Aktionen verschiedener linker Friedensgruppen, aus einer antifaschistischen Perspektive kritisiert. Das „Bremer Bündnis gegen den Antisemitismus“ verweist unter anderen auf die Aktionen des sogenannten „Bremer Friedensforums“, das nicht nur zum Boykott israelischer Waren aufruft, sondern auch an der Organisation antisemitischer Aufmärsche beteiligt war…
In Düsseldorf gibt es einen Ableger der „Occupy-Bewegung“, deren Aktivist_innen in vielen Städten der Bundesrepublik campieren. In Düsseldorf zelten etwa zwanzig Personen am Martin-Luther-Platz, um „eine Anlaufstelle zu bieten“. Sie trotzen den kalten Temperaturen und stellen sich als „Bewegung“ dar, die für „Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit“ eintreten würden. Man organisiert Demonstrationen und andere Aktionen. So zum Beispiel eine „Licht-Installation“, bei der „mit Fackeln der Schriftzug ‚OCCUPY‘ gezeigt“ wird. Es seien „Lichter die die Dunkelheit erleuchten“, kommentiert ein Aktivist diese Aktion. „Unsere Zeit ist gekommen – wir werden nicht länger den Mund halten“, heißt es auf der offiziellen Facebook-Seite der „Occupy-Bewegung“ aus Düsseldorf…
Die „Occupy-Bewegung“ ist in aller Munde. Am 15.10.2011 demonstrierten mehrere zehntausend Menschen in vielen Städten der Bundesrepublik. 8000 waren es in Frankfurt, 7000 in Berlin, 3000 in Hamburg und immerhin noch 350 in Bremen. „Echte Demokratie Jetzt“, lautete eine Forderung, die oftmals von den Medien erwähnt wurde. Andere Forderungen gingen bei soviel Demokratie-Idealismus allerdings unter. In Berlin wurden Schilder in die Höhe gereckt, die einen Galgen zeigten, darunter war die Parole „Alternativlos“ zu lesen. In Frankfurt wurden Demonstrant_innen, die sich mit einer amerikanischen Fahne und einem Schild, auf dem unter anderem „Lest Marx“ zu lesen war, unter die Occupy-Demonstrant_innen gemischt hatten, angegriffen. In verschiedenen Reden wurde in einem eindeutigen antisemitischen Jargon gegen die angebliche Macht „der Rothschilds“ angeschrien. In Köln warnte eine Verschwörungsideologin vor einem angeblich drohenden dritten Weltkrieg, der durch „den Ami“ und „den Israeli“ geplant werden würde…
Der esoterische Schnulzensänger Xavier Naidoo macht nicht zum ersten Mal deutlich, dass er an bestimmte Theorien glaubt, die in der Verschwörungsszene durchaus beliebt sind. Am 24.10.2011 war Naidoo, der zur Zeit in der Castingshow „The Voice of Germany“ zu sehen ist, im ARD-Morgenmagazin zu Gast. Dort wurde er gefragt, ob er sich in Deutschland frei fühle. Naidoo nutzte diese Gelegenheit. Er sagte: „Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei“. Daraufhin wurde vom fröhlichen Moderationsteam das Thema gewechselt. Das Video dieses merkwürdigen Auftritts, mit dem Naidoo an die nationalistischen Theorien vom besetzten Deutschland anknüpfte, erfreut sich auf Youtube ganz außerordentlicher Beliebtheit. Youtube-Nutzer die sich „Deutschland1937″ oder „TheBRDGmbHBasher“ nennen, verwenden das Interview als Beweis für die angebliche Besetzung Deutschlands. Es wurde bereits mehr als zehntausend Mal angeklickt.
Der Sänger der Band „Die Bandbreite“, ein Typ namens Marcel Wojnarowicz, gibt gerne Interviews. Hier äußert er sich ausführlich über seine Texte und und die ideologischen Grundlagen seiner Theorien. Die Band verpackt verschiedene Verschwörungstheorien in sich nicht immer reimende Reime. Mit Texten über den 11. September ist sie zur Band der deutschen Truther- und Infokriegerszene avanciert. Das neueste Interview ist durchaus bezeichnend und zwar nicht nur wegen den Inhalten, sondern auch wegen den Themen, die auf der Internetseite des Radiosenders zu finden sind. Radiosender ist eigentlich übertrieben, denn es handelt sich um einen kleinen Online-Sender, dessen Bandbreite begrenzt ist. Der Sender sei ein „Online Medium für alle die aufwachen wollen“, heißt es in einer Selbstdarstellung von „Wake News Radio“, das von einem Moderator namens Detlev betrieben wird. Er will über die „Dominante, irrsinnige Minorität“ aufklären, die angeblich die Welt beherrschen würde.
Würde es einen Preis für die ekelhaftesten Verschwörungstheorie des Jahres 2011 geben, wäre er ein mehr als aussichtsreicher Kandidat. Er heißt Reinhard Lütkemeyer und betreibt den „explizit antisemitischen Weblog Blog ‚Scusi‘“. Dort hetzt Lütkemeyer, vor allem gegen „Itzhaks“ und „die global vernetzte US-Finanzmischpoke“. Die Revolten gegen das iranische Regime waren für ihn das „Ergebnis des schmutzigen Routinegeschäfts von Mossad, CIA und MI6″, für die Wirtschaftskrisen machte er „kriminelle jüdische Börsenhändler und Investmentbanker“ verantwortlich und für die mörderischen Terroranschläge vom 11. September 2001 „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ die amerikanische Regierung…
Verschwörungsrapper sind eine sonderbare musikalische Erscheinung. Ob „Die Bandbreite“, „Kilez More“ oder „Guantana-Mohr“: Sie produzieren den Soundtrack zur Verschwörungstheorie und erreichen auf diese Art und Weise eine eingefleischte Szene aus „Truthern“, „Infokriegern“ und „Wahrheitsbewegten“. Hier werden die Ereignisse der 11. September 2001 umgedeutet, die Aids- und „Klimalüge“ besungen oder das Bilderberger-Treffen in Reime verpackt. Miese Beats und noch miesere Reime ergeben eine äußerst unschöne Mischung.
Ein weiterer Rapper in diesem Milieu ist das „Wuppertaler Weißbrot“ Tim P., der sich den Spitznamen JFK gegeben hat. Seine Vorbilder sind Klaus Kinski, John F. Kennedy und Mahmud Ahmadinedschad. Er reimt über die Themen, die er sich über verschiedene Verschwörungsseiten im Internet angelesen hat. Das kann durchaus holprig klingen: Mit seinen Liedern bewirbt JFK, der seine Texte als „Informationsrap“ beschreibt, verschiedene Verschwörungstheorien. Er reimt zum Beispiel über sogenannte „Chemtrails“, die angebliche Erdbebenwaffe „Haarp“ und „geheime Bruderschaften“…
Der mörderische Terror des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, der in den vergangenen Wochen für Aufsehen sorgten, wird sowohl in der rechten Szene als auch im verschwörungsideologischen Milieu der „Infokrieger“, „Truther“ und „Wahrheitsbewegten“ besprochen. Beide deuten die Taten auf ganz besondere Weise. Hier wird eine große Verschwörung konstruiert, die verschiedene Geheimdienste oder andere Mächte belastet, während die Täter entlastet werden: Aus den Taten der Nazi-Bande, wird so eine Tat des Verfassungsschutzes oder gar die Tat einer noch geheimeren Organisation gemacht. Beweise, die nicht in das Bild der großen Verschwörung passen, werden außer Acht gelassen. Die Umstände erleichtern die verschwörungsideologische Deutung der Nazi-Taten: Schließlich deuten die Abläufe der Taten zumindest auf ein unglaubliches Behördenversagen hin, die lieber im „Drogen-, Glücksspiel- und Schutzgeldmilieu“ermittelte. Doch die Theorien der Verschwörungsszene deuten den Nazi-Terror zu einer Aktion geheimnisvoller Mächte um. Diese Vorgehensweise erinnert an die Pseudo-Untersuchungen der „Truther“ und „Infokrieger“, die sich mit dem 11. September 2001 oder den Morden des Anders Behring Brevik befassen und hier ebenfalls das Märchen einer großen Verschwörung propagieren…