Der Radiomoderator Ken Jebsen ist nun nicht mehr im Radio Fritz des RBB zu hören. Bereits vor einigen Wochen war es zu einer zeitweiligen Absetzung der Sendung KenFM gekommen. Damals war eine Nachricht des Moderatoren veröffentlicht worden: „Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat“, schrieb Jebsen in dieser Nachricht, die durch Henryk M. Broder veröffentlicht wurde. In diesem Zusammenhang verwies Jebsen auf den PR-Experten Edward Bernays, einen Neffen Sigmund Freuds. In der Nachricht des Ken Jebsen fanden sich weitere eindeutige Aussagen. So schwadronierte der Radiomoderator, zu dessen Markenzeichen ein ratternder, schneller Sprachstil gehörte, zum Beispiel über „die führer“ des „jüdischen volkes“. „was ist das grösste problem der juden ? ihre führer“, schrieb Jebsen und nannte in diesem Zusammenhang den Namen des amerikanischen Politikers Henry Kissinger…
Mit einem Paukenschlag und einem Shitstorm endet die Karriere einer verschwörungsideologischen Legende. In der „KenFM“-Sendung des Radiomoderators Ken Jebsen, der über das Jugendradio Fritz des öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) zu hören war, wurde vor allem Verschwörungsideologie, Israel-Hass und Antiamerikanismus verbreitet. Nun ist der Propagandist reaktionärer Verschwörungstheorien vorerst nicht mehr über das Radio zu hören…
Das Video zeigt den Auftritt einer Verschwörungsaktivistin auf der „Occupy“-Aktion am 15.10.2011 in Köln. Dort durfte sie eine Rede über Chemtrails, die „Neue Weltordnung“ und Wetterwaffen halten, die eifrig beklatscht wurde. Am Rande der Demonstration versuchte sie mit einem langen Monolog auf einen angeblichen dritten Weltkrieg, ausgeführt durch die USA und Israel, hinzuweisen.
Die „Empörten“, die nach ihren Märschen am 15.10.2011 Zelte aufgebaut haben und in vielen Städten der Bundesrepublik campieren, nutzen auch das Internet, um Forderungen zu entwerfen und gemeinsame Aktionen zu besprechen. Hier ist eine unübersichtliche Struktur entstanden. Es gibt hunderte Facebook-Seiten, bei denen oftmals nicht ersichtlich ist, ob sie von vereinzelten Nerds oder von Aktivist_innen der „Bewegung“ betrieben werden. Im Zweifel können sich diese daher einfach von den Inhalten distanzieren, die ihnen nicht genehm sind. Es gibt aber auch offizielle Seiten, auf denen die kommenden Aktionen geplant werden. Auf meiner Reise durch das Internet stoße ich auf die Inhalte, die vielen „Occupy“-Aktivisten am Herzen liegen…
An einer Demonstration der Verschwörungsfans, bei der das Märchen von der Sprengung des World Trade Center in die Öffentlichkeit getragen wurde, nahmen am 10.09.2011 zwischen vier- und fünhundert Menschen teil, die der Hass auf die Vereinigten Staaten von Amerika auf die Straße trieb. Der Aufmarsch stellte einen geistigen Abgrund dar, dem sich die deutsche Verschwörungsszene ergeben hat. Hier kamen Verschwörungsfans, Chemtrail-Ideologen und Sekten-Mitglieder zusammen, um gegen die USA zu hetzen. Hier wurde an deutsche Gefühle appelliert, hier wurden die USA zu den eigentlichen Terroristen gemacht. Hier wurde ein Jahrhundert der Verschwörungen propagiert, mit dem auch Kriege wie der zweite Weltkrieg umgedeutet werden können…
Am 10. September 2011 versammelten sich mehrere hundert Menschen in Karlsruhe, um für „die Opfer und die Wahrheit“ auf die Straße zu gehen. Es handelte sich um eine Aktion der Verschwörungsszene, von organisierten „Truthern“ und „Infokriegern“, die die historischen Ereignisse des 11. Septembers 2001 umdeuten. Die terroristischen Anschläge seien nicht durch fanatische Mitglieder al-Qaidas ausgeführt worden, sondern in Wirklichkeit das Werk einer Verschwörung gewesen. Diese Verschwörung wird wahlweise der amerikanischen Regierung oder gar dem israelische Geheimdienst Mossad angelastet, die für den „Inside Job“ verantwortlich gemacht werden. Am 10. September 2011 war die Verschwörungsszene in Karlsruhe unterwegs und stellten ihre wachsende Handlungsfähigkeit unter Beweis….
Bald jährt sich der zehnte Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001. In Deutschland wird es rund um den 11. September 2011 zu Aktionen von Verschwörungsfans kommen, die sich „Truther“ oder „Infokrieger“ nennen. Diese werden über Stammtische und Infonetzwerke organisiert, die die organisatorische Basis für deutsche Kleinbürger_innen darstellen, die die Ereignisse des 11. Septembers verklären. Die Anhänger_innen der selbsternannten „Wahrheitsbewegung“ möchten den Jahrestag nutzen, um ihre Version der Ereignisse zu propagieren. „Jeder einzelnen von Euch ist aufgerufen am 10. Jahrestag des 9/11 Anschlags eine Aktion bei Euch vor Ort zu machen um Eure Mitmenschen zu informieren“, heißt es in einem Aufruf, der durchs Internet geistert…
Seit dem vergangenen Wochenende campen einige Menschen auf dem Alexanderplatz in Berlin. Sie wollen sich an einer Kopie der Proteste in Spanien versuchen. Während sich in Spanien mehr als 150000 Menschen an den Protesten beteiligten, blieb es am Alexanderplatz deutlich ruhiger….
Den zehnten Jahrestag der mörderischen Anschläge vom 11. September 2001 wollen Verschwörungsfans in der ganzen Bundesrepublik nutzen, um ihre kruden Ideen zu verbreiten. So kündigen sie beispielsweise für den 10. September einen Aufmarsch in Karlsruhe an, der unter anderem von der Band „Die Bandbreite“ und der rechtskonservativen Anti-Feministin Eva Herman beworben wird. Auch in anderen Städten soll es Aktionen geben. Schließlich rufen einige Verschwörungsfans zu einem „dezentralen Aktionstag“ auf: „Jeder einzelne von Euch ist aufgerufen am 10. Jahrestag des 9/11 Anschlags eine Aktion bei Euch vor Ort zu machen um Eure Mitmenschen zu informieren“.
Werbung für den Aufmarsch in Karlsruhe…
Bereits in der Vergangenheit nutzten die organisierten Verschwörungsfans dieses Datum: In verschiedenen Städten kam es zu Kreideaktionen, Aufmärschen und Kundgebungen. Sie bemalten Straßen, Aufkleber oder marschierten durch die Straßen: „11. September, inszenierter Terror“, hieß es dann. Denn die Verschwörungsfans gehen davon aus, dass die mörderischen Anschläge nicht von islamistischen Terroristen, sondern von der amerikanischen Institutionen oder gar vom Mossad geplant und durchgeführt worden seien. Mit derartigen Behauptungen verdrehen die Verschwörungsfans die historischen Realitäten. Meist geht es um antiamerikanische oder sogar antisemitische Theorien, die während der Jahrestage offensiv propagiert werden.
Den 11. September 2011 wollen auch einige Verschwörungsfans nutzen, um in Hamburg eine Art Kundgebung durchzuführen: „Aus Hamburg erreichte uns die Nachricht dass bereits eine 9/11 Demo angemeldet sei. Die stationäre Versammlung soll am 11.9.2011 um 12:00 Uhr in der Spitalerstr. stattfinden. Es wurden Flyer und gratis DVDs angekündigt. Möglicherweise findet anschliessend noch ein Picknick (bring your own food and drinks) statt“, heißt es auf einer Internetseite aus der Verschwörungs-Szene, die auch über die letztjährigen Aktionen in Hamburg berichtet. Natürlich wurde auch hier mit Kreide gemalt, natürlich kamen auch hier die Verschwörungsfans zusammen, um ihre Verschwörungstheorien zu propagieren: „Der 11. September Terror war selbst gemacht“, hieß es beispielsweise auf Pappschildchen, die den interessierten Mitbürger_innen entgegengehalten wurden. Derartige Szenen dürfte es auch am 11. September 2011 zu sehen geben, wenn die Verschwörungsfans in der Spitalerstraße in Hamburg zusammenkommen, um ihre Theorien über den Terroranschlag der al-Qaida zu verbreiten.
In der aktuelle Ausgabe der „marxistisch-leninistischen“ Kleinstzeitschrift „Offensiv“ findet sich ein Text des Juristen Erich Buchholz, der sich mit dem Tod des Osama bin Laden beschäftigt. Hier propagiert Buchholz Verschwörungstheorien über den Tod des Massenmörders und betreibt eine antiamerikanische Hetze, die in der „Offensiv“, die das faktische Theorieorgan einer Kleinstgruppe namens „Kommunistische Initiative“ ist, zum guten Ton gehört. Buchholz stellt in seinem Pamphlet fest, dass auch Osama Bin Laden „ein Mensch“ gewesen wäre, dem „ein Recht auf Leben“ zugestanden werden müsse. Der „US-Adminstration“ wirft Buchholz nun „eine schwere Verletzung des ersten und wichtigsten Menschenrechts“, dem Recht auf Leben, vor. Osama Bin Laden, der dieses Recht auf Leben mehr als 3000 Menschen absprach, in dem er seine Kommandos in das World-Trade-Center fliegen ließ, ist für Buchholz eben wichtiger, als die Opfer dieses Anschlags, die er mit keinem Wort erwähnt…