Vor einigen Tagen berichtete ich an dieser Stelle über einen Beitrag, den der selbsternannte „Linksnationalist“ Jürgen Elsässer ganz aktuell ins Internet gestellt hatte. In diesem Artikel behauptete Elsässer, dass die „Aliens“ die Weltherrschaft übernommen hätten und berief sich unter anderem auf die Mystery-Serie „Akte X“ und die Komödie „Men in Black“, in der Will Smith außerirdische Besucher_innen überwacht. Den Begriff der „Aliens“ nutzt Elsässer allerdings bereits schon einige Jahre. In Elsässers „Fingerübung“ geht es nämlich eigentlich um angebliche „Heuschrecken“, die Elsässer für das Elend der Welt verantwortlich macht. Elsässer nutzt die „Alien“-Metapher, um einen weiteren Begriff für den angeblichen Feind zu schaffen und ihn auf diese Art und Weise zu entmenschlichen.
Elsässer verläßt allerdings den Boden einer schnöden Metapher, wenn er beispielsweise behauptet, dass die Inhalte der Serie „Akte X“ schon „lange Realität“ wären oder wenn er den ehemaligen Außen- und Kriegsminister Joseph Fischer als fremdgesteuerte Person darstellt, die von einer anderen Person als „Wirtskörper“ genutzt werden würde:
„Es sind Bodysnatcher, Körperfresser, die sich die Zellhülle eines Menschen angeeignet haben. Manchmal paßt das Kostüm freilich nicht so recht, und dann passiert das, was wir in den letzten zehn Jahren bei Joseph Fischer beobachten konnten: Über dem neuen Wirtstier zieht sich die Haut zuerst schrumpelig zusammen, so daß der Kerl zwei Jahre wie seine eigene Oma aussah, und dann dehnt sie sich ballonartig wieder aus.“
Wie der selbsternannte
Alien-Experte David Icke, der sich auf Echsen und Vampire spezialisiert hat, benutzt Elsässer
verschiedene amerikanische Serien und Filme, um die angebliche Herrschaft einer kleinen, verschworenen Kaste zu bebildern. Während Icke allerdings von seinen wirren Theorien überzeugt zu sein scheint, ist die
„Alien“-Metapher für Elsässer nur Mittel zum Zweck. Dieser kleine Umstand wurde in der Tat nicht in dem vorherigen Artikel erwähnt, über den sich Jürgen Elsässer
„mordsmäßig“ aufregt. Der Querfrontler Elsässer
schreibt:
„Irgendein verkniffener Antifant hat sich im Netz mordmäßig aufgeregt, dass Elsässer jetzt auch wie David Icke an Außerirdische glaubt. Dieser zugekiffte Dünnbrettbohrer hat offensichtlich noch nichts von metaphorischer Schreibweise mitbekommen (…)“.
Dabei hätte es Elsässer so einfach haben können: Schließlich hätte seine Alien-Metaphorik, als die Phantasie eines alten, frustrierten und ehemaligen Linken abgetan werden können, der statt an eine mehr als verkürzte Kritik des Kapitalismus, nun an Aliens und
„Wirtskörper“ glaubt. Dem
„Linksnationalisten“ ist es allerdings wichtig, darauf hinzuweisen, dass er keine grauen Männchen aus dem Weltall, sondern
„Heuschrecken“ meint, die über
„Spekulation“ ihren
„Profit“ machen:
Für die politisch korrekten Klippschüler deshalb noch mal im Klartext: Die ‚Aliens‘ in dieser Serie sind ‚nur‘ ein metaphorischer Begriff für ‚Heuschrecken‘ (…), die über (…) Spekulation (…) ihren Profit machen.
„Aliens“ klingt halt harmloser als
„Heuschrecken“,
„raffendes Kapital“ oder gar
„Juden“. Und wer wäre ich, dieses bildhafte Gleichnis, das Elsässer so wichtig ist, dass er mich
„zugekifften Dünnbrettbohrer“ extra darauf hinwies, zu verschweigen.