Tag-Archiv für 'fahnen'

Konkurrenzkampf.

Die Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft produzieren einen merkwürdigen Trubel, der mit noch merkwürdigeren Ritualen einhergeht. Eines der Rituale besteht darin, in einem farblich geordneten schwarz-rot-gold gekleidet, gleichfarbige Fahnen zu schwenken und sich durch lautstarke Sprechchöre bemerkbar zu machen. Einheitskleidung ist das deutsche Trikot, national die kollektive Psychose.

… den ganzen Fernseh-Rückblick gibt es im neuen Reflexion-Blog zu lesen: KLICK!

„Autoball und Pfeifkonzert“.

Ähnlich viele Pfiffe musste nur Giovanni Zarella ertragen. Zarrella, ebenfalls ein ehemaliges Mitglied der deutschen Castingband “Bro‘Sis” repräsentierte Italien. Der in Hechingen geborene Zarella wird immer wieder auf den fröhlichen, singenden Italiener reduziert, was ihn hinreichend für die Rolle des Bad-Guys qualifizierte. Deutschland wurde natürlich von Stefan Raab vertreten. Er besaß auch die Zustimmung des Publikums, die jedes seiner Tore begeistert beklatschte und in die Hymne einfiel, die aus den Boxen erklang: „Ich liebe deutsche Land“ hieß es dann. Wenn der italienische Wagen den Ball erfolgreich im gegnerischen Tor unter brachte, lief das „Pizza Leed“ der Band „De Höhner“: „Oh la la, wissetu eine Pizza? Oh la la, Pizza wundaba!“

Einen Bericht zur Autoballweltmeisterschaft des Stefan Raab, die am vergangenen Wochenende auf ProSieben zu sehen war, gibt es bei „Sportswire“.

Fahnen-Rechtfertigung.

Nachdem die Band „Die Bandbreite“, in ihrem Video zum deutschnationalen „Weltmeister“-Song, eine Fahne der „Antifaschistischen Aktion“ mißbrauchte, meldeten sich auch einige Kritiker_innen zu Wort, die der Band über ihren Youtube-Account die Meinung sagten…

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WM-Nationalismus.

Am nationalistischen Hype rund um die Männer-Fußball-Weltmeisterschaft 2010 beteiligen sich auch die Verschwörungstheoretiker der „Bandbreite“, die ein schwarz-rot-goldenes Lied herausgebracht haben, in dem Deutschland gehuldigt wird. Das Lied nennt sich „Weltmeister (Ja watt denn)“ und ist eine Ode an den deutschen Jubel-Nationalismus, der für den Sommer 2010 herbeigesehnt wird…

… die ganze Geschichte gibt es im neuen Reflexion-Weblog. KLICK

Vernichtungsphantasien.

Homophobie, Sexismus, Antisemitismus und Phantasien, in denen die „Antideutschen“ vernichtet werden: Das ist der Inhalt eines Liedes des ML-Rappers „Makss-Damage“, der in seinem neuesten Album zur verbalen Hassattacke ruft….

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Der Aufmarsch III

Wie in diesem Blog bereits vor einigen Wochen prophezeit haben der immer weiter nach Rechts abdriftende Jürgen Elsässer, sein Kompagnon Christoph R. Hörstel, die „Al-Quds-Initiative“ und der „HDR“ die gemeinsame Sitzung der deutschen Bundesregierung mit dem israelischen Kabinett dazu genutzt, um ihre anti-israelische Propaganda zu verbreiten. Mensch wolle sich in Berlin versammeln, „um klarzumachen, dass der Spaß in Deutschland vorbei ist“, hieß es drohend in einem Aufruf, der auf dem Blog des Anti-Anti-Deutschen und „Volksinitiative“-Vorturners Jürgen Elsässer veröffentlicht wurde (Screenshot).
Der prahlt in seinem Blog unterdessen mit einem Interview, dass die Zeitschrift „Galore“ 2007 mit ihm geführt hat. Dieses Interview liefert einen weiteren Einblick in die Thesen des Jürgen Elsässer, der ein Bündnis zwischen Gauweiler und Lafontaine beschwor und gegen emanzipatorische Linke polemisierte. Elsässers Anliegen ist seine „Kritik“ der „Cappuccino-Linke mit Multikulti und Partyleben“, der er tatsächlich den Vorwurf machte, dass Afghanistan in den „Köpfen dieser Leute erst frei“ sein würde, „wenn die Love Parade durch Kabul zieht“. So mutmaßt ein Elsässer über den Zustand in den Köpfen der „Cappucino-Linken“. Für eine Love-Parade in Afghanistan, dass steht für Elsässer fest, müsse mensch „diese Leute“ (!) „ausrotten“ (!). Im Stil einer schlechten Verschwörungstheorie mutmaßte Elsässer daraufhin, „dass bestimmte Hardliner genau das vorhaben“.
Auf der Kundgebung am 18. Januar 2010 sprachen unter anderem die „Al-Quds“-Initiative“ gemeinsam mit dem „HDR“. Das ist die „Organisation for Human Dignity and Rights“ („HDR“), dem deutschen Ableger der „chomeinistisch-islamistischen Grazwurzelbewegung ‚Özgür-Der‘ aus der Türkei, die in der ‚Islamischen Revolution‘ des Irans die Schablone ersehnenswerter Umbrüche erkennt“. Außerdem waren, wie schon bei den „Al-Quds“-Aufmärschen, Vertreter der „Neturei Karta“ anwesend: Diese „verabscheuen den jüdischen Notbehelfsstaat, da nur der Heiland ein jüdisches Königreich, in dem die Menschen Gottes Knechte sind, aufrufen dürfe“.


„Naturei Karta“ Aktivisten während der Holocaust-Leugner Konferenz in Teheran (2006)…


… und beim Verbrennen der israelischen Flagge in London (2002).

In den Reden dieses Aufmarsches gegen Israel, der als „Kundgebung“ getarnt worden war, wurden die einschlägigen Klischees bedient. Es war die Rede von einem „brutalen Zersetzungsprozess“, dessen Folge unter anderem wäre, dass die „entmutigten Völker so zäh wie Wachs in den Händen der Besatzer nach Belieben verformt werden“ könnten. In Deutschland würden „Gewisse Machtkreise“ versuchen „ein militantes Deutschland hochzurüsten, das aber diesmal im fremden Auftrag (…) operieren soll“.
Die vermeintlichen Verantwortlichen für die Kriege in Afghanistan, Irak, Pakistan (!) und „Palästina“ wurden, wie es bei antisemitischen Verschwörungstheorien üblich ist, in Tel Aviv ausgemacht. Die „Kriegstreiber aus Tel Aviv“ richtete sich der Redner an seine “ jüdischen Freunde und Mitbürger“ seien „die Schuldigen“, die „beim Namen“ genannt werden sollten. Danach wurde der „Zionismus“ in einer ellenlangen Tirade verteufelt und sich gegen jede Form der Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen. Diese sei „keine Lösung, nicht realisierbar und nicht finanzierbar“. Es ging also ganz konkret um die Vernichtung Israels.
Trotzdem scheint das Bündnis, bestehend aus Elässers „Volksinitiative“, „HDR“, „Al-Quds-Initiative“ und Hörstels Organisation „Neue Mitte“ fast unter sich geblieben zu sein. Auch die Medien nahmen die Aktion kaum wahr. So berichtet lediglich das Querfront-Organ „Berliner Umschau“ und weigert sich dabei beharrlich Teilnehmer_innenzahlen zu benennen. Elsässer spricht wiederum von 100 Teilnehmer_innen. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, schließlich steigert Elsässer die Teilnehmer_innenzahlen gerne, um den eigenen „Erfolg“ zu belegen.
Zeitgleich protestierte im Übrigen auch ein zweites Bündnis. Dieses Bündnis, bestehend aus etlichen „Palästina“-Komitees, aber auch dem DGB-Stadtverband Darmstadt, forderte, dass die „Gelegenheit“ in Deutschland genutzt werden sollte, um „Israel (…) für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zur Rechenschaft“ zu ziehen. Also eine Art „Volksgericht“ der Friedensbewegung. Auch diese Kundgebung blieb unter sich. Lediglich die „Berliner Umschau“ berichtet. Wie schon bei der ersten Kundgebung werden auch hier keine Teilnehmer_innenzahlen genannt.

Einen weiteren lesenswerten Bericht gibt’s bei Basisbanalität!


Fak­si­mi­le des Berichts der „Berliner Umschau“.


Werbung für den Aufmarsch: Faksimile der Internetseite des „Kai Homilius Verlags“

Unmöglich machen.

Am Sonntag, den 25.10.2009, verhinderten Antisemit_innen gewaltsam eine vom Hamburger Programmkino „b-movie“ und der Gruppe Kritikmaximierung geplante Vorführung von Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“:

„Mitglieder des ‚Internationalen Zentrums‘ B5, der Gruppe ‚Sozialistische Linke‘ (SoL) und der ‚Tierrechtsaktion Nord‘ (TAN), die sich mit Mundschutz und Quarzsandhandschuhen auf eine körperliche Auseinandersetzung vorbereitet hatten, verweigerten den Gästen den Zugang ins Kino. Besucherinnen und Besucher wurden dabei gezielt ins Gesicht geschlagen und als ‚Schwuchteln‘ und ‚Judenschweine‘ beschimpft. Auch in den Tagen darauf wurden Gäste, die von Blockadebeteiligten auf der Straße wiedererkannt wurden, bedroht und, in mindestens einem Fall, auch tätlich angegriffen“
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Aufkleber: Sie schlagen sich durch…

„Reflexion“ hatte hier und hier über die antisemitischen Übergriffe berichtet. Nun hat sich ein „Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“ gegründet. Dieses Bündnis möchte die Angreifer_innen politisch isolieren und „eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels (…) verunmöglichen“. Daher ruft das Bündnis am Tag der Neuansetzung von „Warum Israel“ zu einer Demonstration auf. Im Bündnis haben sich nicht nur antifaschistische, emanzipatorische und kommunistische Gruppen zusammengefunden, sondern auch Bands wie „Juri Gagarin“, „Tocotronic“ und „Das Bierbeben“. Mehr Informationen gibt es hier.
Einen weiteren lesenswerten Aufruf gibt es bei „Cosmoproletarian Solidarity“ zu lesen: „Für Israel und den Frieden, für den Kommunismus.“

13.12.2009 # Auftaktkundgebung: 13.30 vor der Roten Flora # Abschlusskundgebung: 15.00 vor dem B-Movie

„Es ist Antisemitismus“

nullNach den Übergriffen am 25. Oktober 2009, vor einer Filmvorführung der Dokumentation „Warum Israel“, in Hamburg kochten die Emotionen. So meldeten sich die Angreifer_innen zu Wort und verteidigten ihre Aktion gegen die Kino-Besucher_innen. Die „Antizionist_innen“ aus dem Umfeld des „antiimperialistischen“ Zentrums B5 hatten „einen israelischen Checkpoint“ nachgebaut und die Kinobesucher_innen am betreten des Kinos gehindert. Dort gingen die Kämpfer_innen gegen „den US-/Deutsch-Imperialismus“ dann gewaltsam gegen Kinobesucher_innen vor und versuchten den Film des Shoa-Überlebenden und Regisseurs Claude Lanzmann zu verhindern. Ein Augenzeuge berichtet bei „Spiegel Online“:

„‚Die Blockierer schrien: Ihr Judenschweine!‘ Er habe zurückgerufen: ‚Jetzt sagt ihr endlich, was ihr denkt.‘ Daraufhin hätten die antiisraelischen Demonstranten losgeschlagen: ‚Es waren etwa 30 bis 40 Angreifer zwischen etwa 16 und 70 Jahren. Ein älterer Herr ist mit dem Gürtel auf mich losgegangen.‘ Die Leute, die Lanzmanns Film sehen wollten, so berichtet K. in Übereinstimmung mit anderen Augenzeugen, seien geschlagen und bespuckt worden.“
Auch Claude Lanzmann meldet sich nun bei „Spiegel-Online“ zu Wort: „Sie nennen es Antizionismus, aber es ist Antisemitismus“ sagt er im Gespräch und verweist darauf, dass noch nie einer seiner Filme verhindert worden sei. Nun ist es passiert. In Deutschland: „Die Deutschen dürfen nie wieder als Herren auftreten“ meint Lanzmann. Es ist klar worauf er anspielt: Zum Repertoire der Nationalsozialisten gehörten in den frühen dreißiger Jahren auch Blockadeaktionen gegen „verjudete“ Filme.

Nun hat sich ein „Bündnis gegen Hamburger Unzulämglichkeiten“ gegründet. Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Kritik des „Antinationalismus“.

Fahrlässig wird die antinationale Position schließlich in den geplanten Auseinandersetzungen mit dem 9. November 2009. In Berlin sind für den 7. November große Feierlichkeiten anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls geplant. Ein Berliner Bündnis rund um TOP Berlin plant dazu eine Gegendemonstration, die sich allein um die Mobilisierung des Nationalen dreht. Unseres Erachtens kann in Deutschland jedoch nicht darauf verzichtet werden, die Marginalisierung des 9. November 1938 (zugunsten des 9. November 1989) zu kritisieren. Eine deutsche Nation, die im Jubelrausch eines der einschneidendsten Ereignisse der deutschen Geschichte, die Reichspogromnacht, an den Rand schiebt und praktisch zur Marginalie macht, muss dafür kritisiert werden und nicht allein dafür, dass sie sich in der Weltmarktkonkurrenz durchzusetzen sucht.
Das Beispiel Israel ist geeignet, um zu demonstrieren, dass der reduktionistische Ansatz des Bündnisses »Um’s Ganze« problematisch ist. Die israelische Nation hat sich aus anderen Gründen konstituiert als die französische oder die deutsche. Die Gründung des jüdischen Nationalstaats ist von ganz anderer Evidenz als diejenige Deutschlands und muss daher auch völlig anders kritisiert werden. Die Bedeutung des Holocaust für die Staatsgründung Israels ist so entscheidend, dass sich an diesem Beispiel der formale Antinationalismus als geschichtsblind und unpolitisch darstellt.

Diese lesenswerte Kritik des so genannten „Antinationalismus“ durch die „Initiative Gegen Jeden Extremismusbegriff“ (Inex) ist in der aktuellen „Jungle World“ erschienen. Den ganzen Text gibt es hier.

Antinationale Demonstrant_innen während der „No Love for the Nation“ Demonstration am 2.10.2009 in Saarbrücken.

Hamburger Mob.

Am gestrigen Sonntag, dem 25.Oktober 2009, wurde die Aufführung des Films „Warum Israel“ des Shoah“ -Regisseurs Claude Lanzmann durch einen antisemitischen Mob aus dem „antiimperialistischen“ Spektrum um das „Internationale Zentrum B5″ in Hamburg verhindert. Die veranstaltende Gruppe „Kritikmaximierung“ berichtet, dass der Mob mit „Drohung und Gewalt den vorgesehenen Verlauf des Nachmittags zu verhindern“ versuchte: „Dieser bewaffnete Haufen setzte kurzerhand den Film des Antifaschisten Claude Lanzmann ab“. Die Gruppe spricht von einem absurden Theater, bei dem „AntiimperalistInnen mit schwarzen Holzmaschinengewehren und Bundeswehrjacken mit aufgeklebten Israelfahnen“ vor dem Kino „patroullierten“. Dabei wurden „abstruse Flyer gegen den Film“ verteilt. Außerdem übte sich der Mob in Anti-Antifa-Arbeit, in dem „das Kinopublikum gefilmt, abfotografiert und beobachtet“ wurde. Die Veranstalter_innen sahen sich „gezwungen“ den Film des jüdischen Regiseurs Lanzmann „abzusagen“. Der Mob ging trotz dem gegen Kinobesucher_innen vor:

„Die KleindarstellerInnen der B5 machten sich umgehend kampfbereit und brachten in der folgenden, körperlichen Auseinandersetzungen Prügelhandschuhe, ein Fahrradschloß, einen Gürtel und einen Mundschutz zum Einsatz. Die antiimperialistischen Gewaltfanatiker riefen dabei u.a. ‚Judenschweine‘, ‚Nazis raus‘ und ‚Schwuchteln‘. Dabei wurden einige unserer BesucherInnen durch Schläge ins Gesicht verletzt.“

Einen Bericht gibt es bei „Cosmoproletarian Solidarity“. Eine Stellungnahme der Gruppe „Kritikmaximierung“ gibt es hier und eine Stellungnahme des „B-Movie“ gibt es hier.

Eine Reaktion des Regiseurs Claude Lanzmann wurde hier dokumentiert.

Nun hat sich ein „Bündnis gegen Hamburger Unzulämglichkeiten“ gegründet. Mehr Informationen gibt es hier.