Nun ist es vorbei. Fast zwei Jahre waren die „Nachrichten“ des rechtspopulistischen, esoterischen und verschwörungsideologischen „Kopp-Verlags“ zu sehen, die Tag für Tag ins Internet gestellt wurden. Kurz vor Weihnachten wurde das Format eingestellt. Mit den „Kopp-Nachrichten“ versorgten sich die Verschwörungsfans mit ihrer täglichen Ration Verschwörungstheorie. Moderiert wurden die Nachrichten, die diesen Namen nicht verdienen, durch die Anti-Feministin Eva Herman. An einigen Tagen durfte auch ein weiterer Moderator vor die Kameras treten, um das Weltgeschehen verschwörungsideologisch zu deuten. Zunächst war dies der ehemalige Soap-Darsteller Michael Meziani , der nach seiner „Marienhof“-Karriere nach jedem Strohhalm griff, der ihm gereicht wurde. Nach dessen Ausstieg moderierte der Schauspieler Roland Kieber einige Sendungen. Hauptsächlich war es aber Eva Herman, die in den Nachrichten zu sehen war…
Der bereits 2006 erschienene Film „Genosse Pedersen“ zeigt die Gechichte des Knut Pedersen, der 1973 in die norwegische „Kommunistische Partei der Arbeiter (die Marxist-Leninisten)“ (AKP) eintrat, um die Welt zu verändern. Der Lehrer wird durch seine Schüler_innen, dem roten Buch des Mao Tse-tung und durch die Revolte des Jahres 1968 politisiert. Nach seinem Eintritt beteiligt er sich an den Aktionen der Partei, er verkauft die Zeitschrift „Klassekampen“, organisiert Demonstrationen und debatiert in den klandestin organisierten Parteitreffen im örtlichen Schwimmbad. Dort lernt der verheiratete Pedersen seine Genossin Nina Skåtøy kennen. Aus der Liebesbeziehung entsteht eine enge Freundschaft, die sich in den folgenden zehn Jahren mit der Geschichte der maoistischen Partei verknüpfen wird. Auf einem Parteitag, der – selbstverständlich klandestin organisiert – im benachbarten Schweden stattfindet, übt Nina heftige Selbstkritik an ihrer „kleinbürgerlichen Beziehung“ zum Genossen Pedersen, der mittlerweile unter dem Decknamen „Genosse Eivind“ agiert und brandmarkt die Liebe als Verrat an der „Arbeiterklasse“. Die Liebesbeziehung zerbricht, doch die Freundschaft bleibt bestehen…
Der esoterische Schnulzensänger Xavier Naidoo macht nicht zum ersten Mal deutlich, dass er an bestimmte Theorien glaubt, die in der Verschwörungsszene durchaus beliebt sind. Am 24.10.2011 war Naidoo, der zur Zeit in der Castingshow „The Voice of Germany“ zu sehen ist, im ARD-Morgenmagazin zu Gast. Dort wurde er gefragt, ob er sich in Deutschland frei fühle. Naidoo nutzte diese Gelegenheit. Er sagte: „Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei“. Daraufhin wurde vom fröhlichen Moderationsteam das Thema gewechselt. Das Video dieses merkwürdigen Auftritts, mit dem Naidoo an die nationalistischen Theorien vom besetzten Deutschland anknüpfte, erfreut sich auf Youtube ganz außerordentlicher Beliebtheit. Youtube-Nutzer die sich „Deutschland1937″ oder „TheBRDGmbHBasher“ nennen, verwenden das Interview als Beweis für die angebliche Besetzung Deutschlands. Es wurde bereits mehr als zehntausend Mal angeklickt.
Am Donnerstag, den 27.10.2001, wurde in der Sat1 Sendung Kerner mal wieder das Thema Verschwörungstheorien aufgegriffen. Derartige Theorien hatte die Kerner-Redaktion bereits zum Jahrestag des 11. September für einen Beitrag benutzt, der im Nachhinein von der Verschwörungsszene gefeiert wurde. Damals wurden die Theorien des Verschwörungsideologen Niels Holger Harrit, auf den sich auch NPD-Strukturen berufen, vollkommen unkritisch aufgegriffen. Dort kam auch Frank Höfer zu Wort, der mit seiner „NuoViso“-Filmproduktion den deutschen Markt mit verschwörungsideologischen Film-Erzeugnissen versorgt. Höfer trat im Jahr 2009 auf einer Veranstaltung des Sektengurus Ivo Sasek auf, der mit seiner Anti-Zensur-Koalition eine „Plattform für verschiedene esoterische, verschwörungstheoretische und antisemitische Propagandisten“ geschaffen hat. Der Sat1 Beitrag zum 11. September wurde nach der Ausstrahlung von verschiedenen Verschwörungsaktivisten aus der selbsternannten „Wahrheitsbewegung“ gefeiert: Der Beitrag stellte „einen der besten dar, der in ganzen 10 Jahren (…) publiziert wurde“, hieß es auf einer Website der Verschwörungsszene. „Kerner“ bringt 9/11-Wahrheit“, auf einer anderen Seite…
Irgendwann im letzten Jahr kommen die Mitarbeiter_innen eines Hauptstadtbüros, die irgendwas mit Medien machen, auf eine Idee: Man nehme das ehemalige GZSZ-Sternchen Yvonne Catterfeld, klaue den Plot von Titanic, mische dies mit einer Prise Pearl Harbour und verlege die Handlung auf ein deutsches U-Boot. Fertig ist das „Historien-Drama“, das voll im Trend liegt. Mit „Der Untergang“, „Jud Süß – ein Film als Verbrechen“ oder „Hindenburg“ hat die deutsche Filmindustrie schließlich gelernt, dass verharmlosende Stoffe, mit denen die Deutschen zum Opfer gemacht werden, beim deutschen Publikum gut ankommen. Die Unterstützung des deutschen Feuilletons ist gewiss und mit Yvonne Catterfeld kann man sogar auf eine Darstellerin zurückgreifen, die das geschichtsvergessene RTL-Publikum anspricht. Das große Sat1-Drama war am 18.10.2011 im deutschen Fernsehen zu sehen…
Die sehenswerte Dokumentation „Die 9/11 Experimente – Verschwörungen auf dem Prüfustand“ widerlegt zahlreiche Verschwörungstheorien rund um den 11. September 2001 und konfrontiert die Verschwörungsideologen mit wissenschaftlichen Beweisen: „Das sind alles nur Behauptungen und Anspielungen, wenn man eine Sache erklärt, kommen sie mit etwas anderem. Das hört nie auf. Aber niemand konnte auch nur einen einzigen Beweis erbringen, dass die Gebäude gesprengt wurden“.
Der baldige zehnte Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 wird auch in verschiedenen Fernsehsendungen aufgegriffen, in denen die verschwörungstheoretischen Verklärung dieser Anschläge beleuchtet wird. Das gelingt oftmals eher schlecht als recht. So geriet ein Bericht in der ARD-Sendung „Titel, Thesen, Temperamente“ zur unverhohlenen Werbung für den Verschwörungsideologen Mathias Bröckers, der mehrere Bücher zum Thema verfasst hat und die Ereignisse vom 11. September 2001 umdeutet. Sein neuestes Buch „11.9. – zehn Jahre danach: Der Einsturz eines Lügengebäudes“ wurde am 10. Juli 2011 in der ARD-Sendung vorgestellt. Bröckers wurde als „streitbaren Publizist aus Deutschland“ beschrieben. Hier gab es keine Auseinandersetzung über einen unsäglichen Verschwörungstheoretiker, der mit seinen falschen Thesen Geld verdient, sondern eine Sendung, in der sich Bröckers als Tabubrecher darstellen konnte, der „unangenehme Fragen“ stellen würde.
Vor einiger Zeit beschäftigte ich mich mit dem ersten „Zeitgeist“-Film, der ein verschwörungsideologisches, revisionistisches und antisemitisches Machwerk darstellt. In diesem Film werden die Vereinigten Staaten von Amerika unter anderem für alle Weltkriege verantwortlich gemacht und die historischen Ereignisse des 11. September 2001 umgedeutet. Für Ereignisse wird eine gigantische Verschwörung verantwortlich gemacht. Außerdem wird dort eine Zinskritik betrieben, deren struktureller Antisemitismus nicht zu übersehen ist. Eigentlich hatte sich die „Zeitgeist“-Reihe damit erledigt; schließlich reicht bereits ein Blick in den ersten Film, um die Mechanismen und die propagandistischen Methoden des „Zeitgeist“-Machers Peter Joseph deutlich aufzuzeigen. Dieser hat nicht nur drei Filme, sondern auch eine Bewegung ins Leben gerufen, die innerhalb der „Truther“- und „Infokrieger“-Szene einen nicht zu unterschätzenden Einfluss erlangte. Als nun Anfang 2011 der dritte Teil dieser Reihe erschien, überraschte mich das Lob, mit dem ihn einige Autor_innen überschütteten. So schreibt der Autor Thomas Konicz beispielsweise: „In 161 Minuten ist Regisseur Peter Joseph im dritten Teil seiner Zeitgeist-Filmserie bemüht, den Zuschauer von der Notwendigkeit einer baldigen Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise zu überzeugen“. Trotz „Unzulänglichkeiten“ würde der Film „in die richtige Richtung“ voranschreiten. Es war also wieder an der Zeit sich vor den Fernseher zu setzen und den dritten Teil dieser Reihe, der mit dem Untertitel „Moving Forward“ versehen ist, zu sehen…
Der Trailer des antikommunistischen Machwerks „Ninja in geheimer Mission“ hat es in sich:
„Das letzte Bollwerk der Menschheit gegen die Schrecken des Kommunismus. (…) Gewissenlose KGB-Agenten vergnügen sich mit perversen Folterexperimenten. Hier zeigt die Sowjetunion ihre hässliche Fratze. Nur ein Mann wagt es, sich dem roten Abschaum in den Weg zu stellen (…). Wenn der Terminator ein Russe wäre, hätte er keine Chance gegen Ninja (…). Er mäht seine Feinde nieder, wie Unkraut im Garten der Freiheit. Gnadenlose Ninja-Action für eine bessere Welt. Patrioten entscheiden sich für ‚Ninja in geheimer Mission‘“:
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