Es war ein gutes Jahr für das Milieu der „Truther“ und „Infokrieger“, die die Verfasstheit der Welt verschwörungsideologisch umdeuten. Schließlich gab es die ein oder andere Katastrophe, den ein oder anderen Terroranschlag und die große kapitalistische Krise, die die Verschwörungsszene in ihrem Sinne deuteten konnte. Zeit für einen Rückblick über die wahnhaftesten und wirrsten Verschwörungskonstrukte des vergangenen Jahres…
Tag-Archiv für 'verschwã¶rung'
Die Internetseite „Die Rote Fahne“, die von Stephan Steins betrieben wird, beruft sich auf die Rote Fahne, die von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht begründet wurde. Mit Rosa Luxemburg hat diese Internetseite allerdings nichts zu tun. Schließlich finden sich auf der Internetseite des „sozialistischen Magazins“ verschwörungsideologische Texte über den anÂgebÂliÂchen „zioÂnisÂtiÂschen TerÂror in DeutschÂland“. Außerdem finden sich ForÂdeÂrunÂgen nach einem „Schuss mehr geÂsunÂden PaÂtrioÂtisÂmus und KonÂserÂvaÂtisÂmus“, den EuÂroÂpa anÂgebÂlich geÂbrauÂchen könne. In einem ArÂtiÂkel, der nach den MorÂden von Oslo und Utoya auf der Internetseite veröffentlicht wurde, schrieb Steins von einem anÂgebÂliÂchen „zioÂnisÂtiÂschen HinÂterÂgrund der TerÂrorÂanÂschläÂge“. Dort jammerte er über die angebliche „soÂziaÂle und kulÂtuÂrelÂle EntÂwurÂzeÂlung“ der „auÂtoÂchthoÂnen BeÂvölÂkeÂrung“. Doch vor allem hetzt das MaÂgaÂzin um SteÂphan Steins gegen IsÂraÂel: „IsÂraÂel ist kein Staat“, heißt es dort. „IsÂraÂel ist der Name des zioÂnisÂtiÂschen KrieÂges“…
Die Occupy-Aktivisten aus Berlin campieren zur Zeit vor der Parochialkirche in Berlin-Mitte, nachdem sie weder vor dem Reichstags-Gebäude noch auf dem Alexanderplatz dauerhaft geduldet wurden. Auf dem Kirchengelände besuchte sie Martin Sonneborn für die Heute-Show des ZDF und ermöglichte gruselige Einblicke in eine deutsche Campkultur: „Wir wissen auf jeden Fall, wie man verantwortungsbewusst umgeht mit der Umgebung, in der man sich bewegt: Hier wird sehr auf Sauberkeit geachtet“, erklärt ein Aktivist. „Wir haben Isomatten, Schlafsäcke und Frauen sind manchmal auch da, die uns wärmen“, sagt ein anderer Aktivist…
Auf verschiedenen Internetseiten der Verschwörungsszene findet sich bis heute eine kleine Geschichte über den Absturz von Flug 93, in der Nähe der Ortschaft Shanksville, am 11. September 2001. Hier wird ein Shanksville-Mythos reproduziert, der auf den Verschwörungsideologen GerÂhard Wisnewski und seinen Kompagnon Willy Brunner zurückgeht. Sie zitieren in ihrer Dokumentation „Aktenzeichen 9.11. ungelöst – Lügen und Wahrheiten zum 11. September 2001″ den Bürgermeister von Shanksville, Ernie Stull.
Durch geschicktes Schneiden des Interviews, entstand der Eindruck, dass der Bürgermeister behauptet hätte, es hätte am 11. September 2011 keinen Flugzeugabsturz gegeben. „Da war kein Flugzeug“, kommt der Bürgermeister Ernie Stull in der Dokumentation zu Wort. Doch im originalen Wortlaut wird deutlich, dass der Bürgermeister damit lediglich feststellen wollte, dass Flug 93 durch den Aufprall fast vollkommen zerstört und lediglich Trümmerteile gefunden wurden…
Die „Wahrheit“ über die Geschehnisse in Libyen: Das verspricht die Ortsgruppe der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aus Greifswald in einem Artikel, den sie auf ihrer Internetseite veröffentlichte…
Die Verschwörungsfans der anti-imperialistischen Plattform „Mein Parteibuch“ arbeiten weiterhin an ihrem Libyen-Mythos: Sie stellen die Behauptung auf, dass die libysche Hauptstadt Tripolis gar nicht von Rebellen eingenommen worden wäre. In einem weiteren Artikel tun die Verschwörungsfans alles dafür, diesen Mythos durch angebliche Beweise zu untermauern. Da werden beispielsweise Fernsehbilder aus Tripolis untersucht und die Behauptung aufgestellt, in Wirklichkeit seien diese in einem Filmstudio in Katar entstanden…
Zu dieser Einschätzung kommt der verschwörungstheoretische und anti-imperialistische Blog „Mein Parteibuch“ am 21.08.2011. In der Nacht vom 21. auf den 22.08.2011 marschierten die Rebellen in der lybischen Hauptstadt Tripolis ein und wurden begeistert empfangen. „Gaddafis Regime bricht zusammen“, titelt Spiegel-Online.Es „gibt es auch keine Kämpfe in Tripolis, im Gegenteil, es gibt jede Menge feiernde Menschen auf den Straßen, die sich freuen, dass die NATO-Terroristen wieder eine Niederlage kassiert haben. Es gibt keinen Aufstand in Tripolis. Es gibt keine Gefechte in Tripolis. Die NATO-Terroristen haben die Industriegebiete von Brega nicht erobert. Alles gelogen. (…) Es gibt keinen Aufstand in Tripolis. Es gibt keine Gefechte in Tripolis. Alles gelogen. (…)“
Er nennt sich „Guantana-MOHR“ und rappt über allerlei Geschehnisse, die er verschwörungstheoretisch verklärt. Zum Beispiel über die „Neue Weltordnung“. Dahinter verbirgt sich für den Rapper ganz verschwörungstheoretisch eine „globale Institution“ der „Elite von Aristokraten“, die mit „genetischer Manipulation“ eine „Bevölkerungskontrolle“ durchführt. „Die Bevölkerungen“ würden in „ihrer kulturellen Struktur“ zerstört werden, fürchtet der Rapper. Der in Hamburg geborene „Guantana-MOHR“ ist der Truthrap-Underdog: Im Gegensatz zur „Bandbreite“ oder „Kilez More“ hat er noch keine Platten auf den Markt gebracht. Seine Karriere beschränkt sich auf ein Youtube-Dasein. Sein Lied „Wehret den Anfängen“ wurde bereits mehr als zwanzigtausend Mal angeklickt. Immerhin ist ein Lied auf einem Sampler der Verschwörungs-Szene erschienen…
Eigentlich wollte die verschwörungstheoretische Band „Die Bandbreite“ über die RTL II Fernsehsendung „The Dome“ ganz nach Oben. Die Band, der verschiedene antifaschistische Gruppen „seÂxisÂtiÂsche, anÂtiÂseÂmiÂtiÂsche und NS-​reÂlaÂtiÂvieÂrenÂde SongÂtexÂte“ vorwerfen, war von der Jury der Sendung in den „The Dome Song Contest“ gewählt worden. Nun wollte die Band, die über ihre Booking-Agentur „Solievent“ ins Rennen geschickt wurde, den ersten Platz machen, um im Vorprogramm der Sendung auftreten zu dürfen. Dort wollte „Die Bandbreite“ ihren Song „Was ist los in diesem Land“ performen…
… den ganzen Artikel gibt es zum neuen Reflexion Blog zu lesen.